Dienstag, 29. Januar 2008 10:23
Ist die gegenwärtige Labyrinth-Begeisterung katholischer Jugendorganisationen ein Ausdruck für deren Methoden-Konfusion? Von Hubert Hecker.


Labyrinth in der niederländischen Stadt Nijmegen.
(kreuz.net) Die kirchliche Jugendpastoral schwört seit einigen Jahren auf Labyrinthe. Katholische Jugendorganisationen
bauen begehbare Labyrinthkurse – so die drei Jugendkirchen oder das Jugendhaus Kirchähr im Bistum Limburg.
In Firmkursen glaubt man an die katechetische Wirkkraft labyrinthischer Durchgänge.
Sie werden als
handlungsorientiertes Gleichnisse für das Hin und Her der Lebenswege verkauft.
Das Ziel: Kinder und
Jugendliche sollen im Nachgehen verschlungener Pfade zu einer Mitte finden. Dabei sollen sie ihre eigene
Lebensmitte finden.
Die meisten Kinder machen diese Übungen gerne mit – und spielen in den Irrgärten
schon mal Fangen.
Die begeisterten Katecheten schwadronieren dann von dem angeblich hohen Gleichniswert
des Labyrinths fürs Leben.
Aber auch nach mehreren penetranten Hinweisen der Betreuer finden die Betreuten
partout nicht, was sie bei den Durchgängen finden und empfinden sollten: „die eigene Mitte oder so“.
Darum ist das Labyrinthgehen eher ein Gleichnis für das durcheinandergeratene Konzept kirchlicher Jugendarbeit –
ein Methoden-Irrgarten bei der vergeblichen Suche nach dem eigenen Selbst.
In den „Thesen zur Jugendarbeit
und Jugendpastoral im Bistum Limburg“ von 1999 heißt es:
„Die Jugendarbeit der Kirche hat zum Ziel,
die Subjektwerdung junger Menschen zu unterstützen und ihre Identitätsbildung zu ermöglichen“.
„Die
Kirche tut dies ohne ‘Geschäftsinteresse’, da sie am gelungenen Subjektwerden junger Menschen interessiert
ist.“
Im Bistum Limburg soll das „Subjektwerden“ zum Beispiel durch Jugendkirchen oder in Schülercafés
erreicht werden.
Diese werben mit Alternativprogrammen, die sich von Schule und Elternhaus absetzen,
wo die Jugendlichen mit Leistungsdruck, Lerninhalten und vorgegebenen Regeln traktiert würden.
Dagegen
bieten sich die Schülercafés als Räume an, wo man auch nichts machen kann und sich an nichts halten
muß – „chillen“ ist das Modewort der Organisatoren.
Die Jugendkirchenmacher locken bei Orientierungstagen
mit freier Themenwahl. Die Kids können auch Jugendgottesdienste nach eigenem Geschmack gestalten.
Das
Begehen eines Labyrinths ist die augenfällige Demonstration dessen, was bei dieser jugendkirchlichen
Nicht-Pädagogik herauskommt: Wenn die jungen Menschen auf ihren verschlungenen Wegen in der Mitte des
Labyrinths ankommen, stellen sie fest, daß die Mitte leer ist – ein Nichts.
Weder bei Labyrinth-Spielchen
noch bei Spaß-Angeboten der Jugendkirche finden die Jugendlichen zu „ihrer eigenen Mitte“ oder gar zu
dem „eigenen Selbst“.
Wie sollen Kinder und Heranwachsende auch fündig werden – da ihr eigenes Menschen-,
Welt- und Gottesbild noch nicht einmal in Ansätzen herausgebildet ist?
Es ist die Aufgabe kirchlicher
Pädagogen, die Jugend in Praxis und Lehre der Kirche einzuführen, statt sie in einen Irrgarten zu schicken.
Die Jugendlichen erwarten von der Kirche eine klare Linie, moralische Leitlinien und eine Einweisung
ins religiöse Leben.
Daran krankt die kirchliche Jugendarbeit seit dem Würzburger Synodenbeschluß
zur Jugendpastoral aus dem Jahr 1974.
Damals wurde das pädagogische Führen und geistliche Formen von
Kindern und Jugendlichen durch eine unverbindliche Angebotstheorie ersetzt.
Auch die pädagogische Erstempfehlung
von Labyrinthen durch den laisierte Priester Hubertus Halbfas (75) sollte zu denken geben.
Schon 1994
pries er in seinen umstrittenen Religionsbüchern für die Grundschule Labyrinth-Begehungen an.
Dabei
behauptete er, daß Kinder ähnlich wie bei Märchen durch Labyrinth-Erfahrungen das Höchste erfahren
können.
Es ist aber wahrscheinlicher, daß die Labyrinthgängerei eine Blindenführung im Rahmen einer
Religion ist, die mehr und mehr im Nebulösen, Beliebigen und Unverbindlichen verdampft.
© Titelbild:
flickr-Benützer „Eelco“, CC