Montag, 14. Januar 2008 20:15
Ein italienischer Pfarrer wollte einem seiner Schäfchen das Requiem verweigern. Das Problem – die Rückenschüsse aus den eigenen Reihen.

(kreuz.net) Anfang Januar wollte der Pfarrer der Gemeinde Santo Stefano in der Stadt Aosta, Hw. Carmelo
Pellicone, einem Mann, der in einem Altenheim der Stadt verstorben war, das Requiem verweigern.
Der Verstorbene
hatte gebeten, seinen Leichnam zu verbrennen und die Asche in den Bergen zu verstreuen.
Aosta ist der
Hauptort des teilweise französischsprachigen Aostatals im Nordwesten Italiens. Das Aostatal bildet eine
eigene Diözese.
Hw. Pellicone beriet sich zuerst mit der bischöflichen Kurie und berief sich bei der
Entscheidung auf eine pastorale Handreichung der Liturgiekommission der italienischen Bischofskonferenz.
Darin wird erklärt, daß die Praxis, die Asche eines Verstorbenen in der Natur zu zerstreuen viele Fragen
und viel Ratlosigkeit aufwerfe:
„Die Kirche hat viele Gründe, sich gegen solche Praktiken zu wenden,
denen pantheistische oder naturalistische Motive und Geisteshaltungen zugrundeliegen können.“
Entsprechend
erklärte der Pfarrer der Witwe, daß der Wille des Verstorbenen dem Dogma von der Auferstehung der Leiber
widerspreche.
Es handle sich um eine pantheistische Vorstellung von Gemeinschaft mit der Natur nach dem
Tod. Das sei nicht Teil der katholischen Religion.
Druck über die MedienDoch dann fiel die kirchliche
Hierarchie dem Pfarrer erfolgreich in den Rücken.
Der Bischof der nordwestitalienischen Diözese Mondovì,
Mons. Luciano Pacomio (72), erklärte laut der britischen Tageszeitung ‘Times’, daß die Ansicht des Pfarrers
„veraltet“ sei.
Mondoví ist das Nachbarbistum von Aosta.
Eine weitere Stellungnahme zu dem Fall kam
vom italienischen Liturgiker Hw. Silvano Sirboni. Er schrieb einen Artikel in der Tageszeitung der italienischen
Bischofskonferenz ‘Avvenire’.
Darin erklärt Hw. Sirboni, daß die Kirche zwar Beerdigungen bevorzuge.
Doch die Einäscherung sei unter gewissen Umständen annehmbar.
Er erinnert an die von der italienischen
Bischofskonferenz im November herausgegebenen Begräbnisriten.
Dort sind erstmals spezielle Gebete für
die Verbrennung von Verstorbenen in Öfen enthalten. Die neuen Riten enthalten Texte, die im Krematorium
oder in Gegenwart der Asche gesprochen werden können.
‘Avvenire’ erklärt, daß die Existenz dieser
Texte bis zur jetzigen Diskussion unbemerkt geblieben war.
Requiem doch gehaltenSchließlich verkündete
die Diözese Aosta, daß Hw. Pellicone das Requiem doch gehalten hat. Er habe im Vorfeld „gezögert“.
Die Stellungnahme weist darauf hin, daß die Kirche für alle Gläubigen ein Requiem feiere.
Die Einäscherung
dürfe allerdings nicht aus Gründen geschehen, die dem Glauben entgegenstünden.
© Titelbild: ZBalu,
CC