Mittwoch, 16. Januar 2008 10:39
Worin der Fortschritt bestehen soll, wenn der Priester beim Beten seine Gemeinde anschaut, bleibt unerfindlich: Kein Vorbeter, welcher Konfession auch immer, tut das – kein Imam und kein Rabbiner.


Alte Messe am 1. Januar in London.
(kreuz.net) Im Vorfeld der
Alten Messe, die jüngst in Freiburg in Breisgau zelebriert wurde, veröffentlichte
die ‘Badische Zeitung’
zwei hämische Artikel aus der Feder von Redakteur Gerhard H. Kirk.
Kirk brachte
in seinen Beiträgen auch die Hoffnung zum Ausdruck, daß diese Messe von möglichst wenigen Gläubigen
besucht werde.
Doch sein Wunsch ging nicht in Erfüllung. Nachdem der Gottesdienst in einer überfüllten
Kirche stattgefunden hatte, veröffentlichte die ‘Badische Zeitung’ am 14. Januar Leserreaktionen zu Kirks
Artikeln gegen die Alte Messe.
Die Zeitung mußte in der Einleitung selber zugeben, daß Kirk mit seinen
Äußerungen „Empörung“ hervorgerufen hat.
In seiner Lesermeinung bezeichnet Stefan Munz aus Mannheim
die Zulassung der „Möglichkeit“ des Alten Ritus als „wunderbare Sache“. Sie versöhne die Traditionalisten
mit den Modernen und die Katholiken mit den Orthodoxen:
„So wie man bei einer Familienfeier »das gute
Service« aus dem Schrank holt, so kann man als Katholik, wenn man möchte und/oder in Stimmung ist, ebenmal
eine Messe im Alten Ritus feiern.“
Die Zulassung der Alten Messe ist für Münz keine Gefahr für den
Bestand des Neuen Ritus:
„Die Entwicklung bei der »evangelischen Konkurrenz«, die sich dem Zeitgeist
stets beugte, zeigt ja gerade, daß Kreativität und ausgefallene Gestaltung im Gottesdienst kein Garant
für volle Häuser ist.“
Michael Klug aus Freiburg beklagt in seinem Beitrag die „gänzliche Unkenntnis“,
die aus Kirks Artikeln spricht:
„Der Priester wendet sich nicht mit dem Rücken vom Volk ab wie es unwissend
Herr Kirk beschreibt, und brummelt auch kein Latein, sondern wendet sich zu Gott mit dem Volk hin.“
Weder
im Neuen noch im Alten Ritus werde eine Messe für den Priester oder für das Kirchenvolk, sondern für
Gott gefeiert.
Der Neue Meßritus von Papst Paul VI. sei ein Zugeständnis an die Zeit gewesen.
Klug
kritisiert auch den Freiburger Dompfarrer Claudius Stoffel: „Daß ein Geistlicher sich so kontraproduktiv
gegen den ausdrücklichen Wunsch des Papstes und auch vieler Katholiken stellt, zeigt, wie wenig er wohl
in der Tradition der Kirche steht.“
Außerdem zeige die Erfahrung, daß viele Leute unter 40 die zentrale
Hinwendung zu Gott im alten Ritus als neuen positiven Aspekt begrüßten.
Jutta Bauer aus Freiburg bezeichnet
Kirks Artikel als „Polemik in schlechtem journalistischen Stil“, die keines weiteren Kommentars bedürfe.
Frau Bauer empfiehlt dem Journalisten die Lektüre des Buches „Die Häresie der Formlosigkeit“ von Martin
Mosebach:
„Hier kann er gut verständliche Information zum tridentinischen Ritus gepaart mit elegantem
Schreibstil studieren.“
„Warum nicht mehr Toleranz?“ fragen sich Monika und Thomas Birkenmaier aus Freiburg
im Zusammenhang mit Kirks Artikeln und beklagen dessen „abfällige Haltung“:
„Sicher ist es auch nicht
unsere bevorzugte Feier der Messe, aber warum bedeutet Vielfalt immer nur Vielfalt in eine bestimmte Richtung?“
Schon „sehr eigentümlich“ findet das Paar Kirks Satz: „Gleichwohl wird es spannend sein zu sehen, wer
sich nun jeden zweiten Sonntag in der Adelhauser Kirche als Traditionalist offenbaren wird.“
Der Kommentar
des Ehepaars: „Werden nun Sie, Herr Kirk an jedem zweiten Sonntag um 11 Uhr zufällig auf dem Bänkchen
vor der Adelhauser Kirche sitzen und Strichlisten machen, um die „Traditionalisten“ zu entlarven?“
Johannes
Boedecker aus Günterstal kommentiert die Aussage des Freiburger Dompfarrers, wonach es „nur einige wenige“
seien, welche die Alte Messe wünschten:
„Umso unverständlicher ist aber dann der missionarische Eifer
des Priesters, mit der er sich von dieser Form der Messe distanziert sowie Herrn Kirks überflüssige
und selten gelesene Häme, mit der er diese Messe überzieht.“
Das „oberflächliche und abgeleierte“
Argument, daß der Priester dem Volk den Rücken zukehre, lese man auch hier wieder:
„Dabei wird übersehen,
daß der Priester, der bei der Alten Messe zum Hochaltar zelebriert, nicht den Gläubigen mißbilligend
den Rücken zukehrt“.
Der Priester sei hier nicht Mittelpunkt des Geschehens, wie im heutigen Gottesdienst,
sondern nur Erster unter Gleichen:
„Worin der Fortschritt bestehen soll, wenn der Priester beim Beten
seine Gemeinde anschaut, bleibt unerfindlich.“
Diese Praxis sei weltweit einmalig: „Kein Vorbeter, welcher
Konfession auch immer, tut es ihm nach – kein Imam und kein Rabbiner.“
Franz Freiherr von Mentzingen
aus March-Hugstetten erklärt, Kirks Beiträge in der Regel mit Zustimmung zu lesen:
„Mit seinem Beitrag
„Lateinisches Gebrummel“ am 4. Januar verletzt Kirk jedoch nicht nur die Gefühle von Gläubigen, die
den größten Teil ihres Lebens hindurch im tridentinischen Ritus die Messe gefeiert haben, sondern auch
das Gebot journalistischer Sorgfalt.“
Die herablassende Art, wie er Gläubige, die sich im Einvernehmen
mit dem Oberhaupt der Kirche gelegentlich von oft selbst gestrickten und beliebig gestalteten Gottesdiensten
erholen wollten, in die Ecke von „Traditionalisten“ und damit in die Nähe von Sektenanhängern stellt,
hält der Freiherr für anstößig.
Priestern, die mit dem Gesicht zum Altar die Messe feiern, werde
unterstellt, den Menschen den Rücken zu kehren:
„Es trifft den Kern der Sache wohl eher, wenn man aus
der ständig abnehmenden Teilnahme am Gottesdienst darauf schließt, daß nicht die Priester den Menschen
den Rücken kehren, sondern die Menschen der Kirche trotz den zweifellos durchdachten und wohlbegründeten
Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils.“
Barbara Gerspacher aus Elzach stört sich daran, daß
Kirk verächtlich von „lateinischem Gebrummel“ spricht: „In jeder anderen Sprache kann auch gebrummelt
werden.“
Für Hermann F. Schillerwein aus Bad Saeckingen ist das Niveau von Kirks Ausführungen „einfach
schwach“:
„Daß auch die Neue Liturgie bei seiner Einführung davon ausging, daß der Priester dem Volk
seinen Rücken zeigt, verschweigt der Redakteur“.
Auf das Argument des Freiburger Dompfarrers, daß der
Alte Ritus nicht „die Massen“ anziehe, antwortet Schillerwein:
„Hat der Dompfarrer nicht realisiert,
daß im Novus Ordo nach den Daten der Bischofskonferenz weniger als 15 Prozent am Sonntagsgottesdienst
teilnehmen? Wo sind also die »Massen« für diesen Ritus?“
Schillerweins Fazit: „Das Niveau der ‘Badener
Zeitung’ in Sachen Religion ist einfach schwach, was auch dieser Artikel wieder beweist.“