Donnerstag, 10. Februar 2005 18:25
Katholischer Erzbischof als kommunistischer Agent
Die Slowakei arbeitet ihre kommunistische Vergangenheit auf. Auf einer Liste kommunistischer Spione soll laut Angaben eines slowakischen Regierungsbeamten auch der Name des Erzbischofs von Trnava genannt sein. Der orthodoxe Patriarch der Slowakei war angeblich ebenfalls ein roter Agent.
Jan Sokol, Erzbischof von Trnava
Jan Sokol, Erzbischof von Trnava
(kreuz.net, Bratislava) Ein slowakischer Regierungsbeamter erklärte am Donnerstag, daß der römisch katholische Erzbischof von Trnava, Jan Sokol, zur Zeit des Kommunismus als Spion agiert habe. Trnava (Tirnau) liegt im Westen der Slowakei und ist seit 1978 Sitz eines Erzbischofs. Die slowakische Hauptstadt Bratislava gehört zur Erzdiözese Trnava. Durch die Errichtung der Erzdiözese wurde die Slowakei erstmals zu einer von Ungarn unabhängigen Kirchenprovinz.

Der Erzbischof von Trnava, Jan Sokol (71), soll im Früjahr 1989 als Agent des Geheimdienstes registriert worden sein. Miroslav Lehky vom Institut „Nationale Erinnerung“ sprach darüber am Donnerstag in einem Telefon-Interview. Einige Monate vor seiner angeblichen Rekrutierung, im Juni 1988, wurde Sokol zum Bischof geweiht.

Erzbischof Sokol gilt als sehr konservativ. Er soll zur Bekehrung des verstorbenen ehemaligen Chefs des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, Gustav Husak, beigetragen haben. Husak, der in seiner Jugend Ministrant war, wurde später der erste Mann in der für ihre Brutalität bekannten tschechoslowakischen Diktatur. Vor seinem Tod im Jahre 1991 empfing Husak die Sterbesakrament aus der Hand von Erzbischof Sokol.

Schon vor seiner Registrierung als Spion sei Erzbischof Sokol über Jahre beim Geheimdienst als „Kandidat für eine Zusammenarbeit“ bekannt gewesen. Lehky kündigte an, daß die die Liste des Geheimdienstes, die offenbar zuverlässig ist, die Westslowakei samt der Hauptstadt Bratislava betrifft und in den nächsten Monaten veröffentlicht werden soll.

Durch diese Veröffentlichung wird auch die Akte von Erzbischof Sokol allgemein zugänglich. Man sei allerdings auf zusätzliche Nachforschungen angewiesen, um den genauen Kontext der in der Liste enthaltenen Informationen zu verstehen, erklärte Lehky.

Tibor Hajdu, der Sekretär von Erzbischof Sokol, gab bekannt, daß der Erzbischof im Laufe des Monats eine schriftliche Stellungnahme veröffentlichen werde.

In ihrer Donnerstagausgabe veröffentlichte die slowakische Tageszeitung „Sme“ weiter, daß auch der Name des Oberhaupts der slowakischen orthodoxen Kirche, Metropolit Nikolaj, auf der Liste der kommunistischen Geheimagenten verzeichnet sei. Metropolit Nikolaj soll im Jahre 1984 als Spion registriert worden sein.

Das slowakische Institut „Nationale Erinnerung“ hat im letzten November begonnen, die Namen ehemaliger Agenten des kommunistischen Geheimdienstes zu veröffentlichen. Zugleich werden auch die Namen jener Bürger genannt, die unter dem Kommunismus Verfolgung erlitten haben.
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