Donnerstag, 17. Januar 2008 13:46
Man muß nicht
Schmidberger heißen, um nicht in das allgemeine Wehgeschrei über den Rücktritt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz einzustimmen. Ein Kommentar.


Kardinal Lehmann und ZDF-Intendant Markus Schächter bei der Einweihung des Prominenten-Weinberges in Mainz.
(kreuz.net) Ob es ein Zufall ist, daß die
Hochzeit des jahrzehntelang hoch angesehenen Pfarrers von Egelsbach
im Bistum Mainz mit dem Rücktritt von Karl Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
zusammenfällt?
Der abgefallene Pfarrer von Egelsbach war ein
brutaler Modernist.
Ungeachtet dessen
veröffentlichte der Journalist Erich Michael Lang am 16. Januar ein kritikloses Panegyrikum auf den scheidenden
Vorsitzenden.
Der Artikel trägt den an Dramatik und Trost kaum noch zu überbietenden Titel: „Geschenk
des Himmels in schwerer Zeit“. Gemeint ist Karl Kardinal Lehmann.
Lang hat sich bei „der katholischen
Basis in Mainz“ herumgehört und daraus eine Art lauretanische Litanei gezimmert.
Gelobt wird Kardinal
Lehmanns Art, „die vieles zusammenhalten kann“, „er kommt sehr gut an und ist anerkannt“, er sei ein Mann
des Ausgleichs und habe stets gute Kompromisse gefunden, „er hat einfach Gutes geleistet“, „die Hauptamtlichen
konnten vor allem von seiner Nähe zum Puls der kirchlichen Entscheidungen profitieren“, „was er sagt,
hat immer Hand und Fuß“, „der Kardinal hat die katholische Kirche in Deutschland sehr gut vertreten“,
„er verbreitet immer Hoffnung und Zuversicht“.
Andere Stimmen ließ Lang in seinem Hurrah-Artikel nicht
zu Wort kommen.
Schon im September 2004 äußerte sich der emeritierte Mainzer Kirchenrechtler, Hw. Georg
May, vor der Zweimonatszeitung ‘Kirchliche Umschau’ über die Amtsführung des Kardinals als Bischof von
Mainz:
„Es ist keine Frage, daß Bischof Lehmann seine Diözese sträflich vernachlässigt.“
Der Kardinal
sei wenig in seinem Bistum präsent: „Von einer Seelsorge durch den Oberhirten des Bistums kann kaum die
Rede sein.“
Er kümmere sich wenig um seine Priester: „In seiner Diözese ist seit seiner Ernennung zum
Oberhirten das kirchliche Leben drastisch zurückgegangen.“
Die kirchliche Disziplin sei weitgehend zusammengebrochen.
Die „schlimmen Verhältnisse“ im Bistum Mainz machte Hw. May damals an den Zuständen im Mainzer Priesterseminar
fest: „Als ich 1960 nach Mainz kam, befanden sich im Seminar ungefähr 150 bis 170 Alumnen. Heute sind
es noch zwanzig.“
Die gegenwärtige Ausbildung der Seminaristen sei zudem nicht geeignet, Priester nach
dem Sinne der Kirche zu erziehen.
Auch die Rolle als Ausgleicher nimmt Hw. May dem Kardinal nicht ab:
„Die angebliche Vermittlung, die Lehmann geübt hat, besteht darin, daß er alle an seinen progressistischen
Kurs gebunden hat.“
Wie wenig er in Wahrheit entgegenkommend sei, zeige seine hartnäckige Weigerung,
den Gläubigen in Mainz eine Alte Messe zuzugestehen: „Von Vermittlung ist nichts zu spüren.“
Ein Bischof
müsse seine Diözese durcheilen, die Menschen im Glauben aufbauen, die Sakramente spenden, die Priester
aufrichten, trösten und stärken: „Das alles geschieht in der Diözese Mainz nicht.“
Kardinal Lehmann
sei unermüdlich tätig bei Vorträgen, Konferenzen und Sitzungen: „Er findet sich ein bei Verabschiedungen
oder Empfängen.“
Er schreibt Vorworte – sogar für Kochbücher – oder Artikel für die Kundenzeitung
der Bundesbahn, aber die intensive Seelsorge sei nicht seine Sache:
„Papier wird in großen Mengen produziert,
Regelungen für Räte und Zusammenkünfte entstehen. Aber Leben ist dadurch nicht geweckt worden.“
Ein
Trost bleibt. Nach seiner Verabschiedung als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wird der Kardinal
mehr Zeit haben, sich um seine angeschlagene Diözese zu kümmern.
© Titelbild: Wikipedia-Benützer
„Kandschwar“ unter den Lizenzen GFDL und CC