Freitag, 18. Januar 2008 11:23
Ein bloßes liturgisches „Weiter so“ wäre die falsche Lösung
Eine große deutsche Tageszeitung veröffentlichte kürzlich einen spektakulären Kommentar: „Es wäre in Benedikts Sinn, wenn der Volksaltar verschwände, sofern er eine historisch gewachsene Bausubstanz verunstaltet.“
Priesterweihe von Christophe Ferey am 10. Juni in der Kathedrale von Coutances.
Priesterweihe von Christophe Ferey am 10. Juni in der Kathedrale von Coutances.
(kreuz.net) Am 15. Januar kommentierte der Journalist Alexander Kissler (38) in der ‘Süddeutschen Zeitung’ die Tatsache, daß der Papst die Messe zum Epiphaniefest am Hochaltar der Sixtinischen Kapelle zelebriert hat.

Kissler ist seit dem Jahr 2002 Kulturjournalist im Feuilleton der ‘Süddeutschen’. Sein Beitrag trägt den Titel „Ende des Volksaltares“.

Dieses Jahr ließ der Papst – so Kissler – für seine Messe „keinen golden bemalten Holztisch“ in die Sixtinische Kapelle tragen: „Der Volksaltar blieb im Depot.“

Damit habe der Pontifex Gerüchten Nahrung gegeben, wonach er bald eine Messe im Alten Ritus feiern werde:

„Dieser zeichnet sich durch Gregorianik und lateinische Gebete aus, durch Mundkommunion und den Verzicht auf die Fürbitten – und eben durch die Zelebrationsrichtung »versus Deum« statt »versus populum«.“

„Die Gemeinde – einschließlich des Priesters – schaut auf das Kreuz des Hochaltares“ – erklärt Kissler.


Kardinal Ratzinger habe als Präfekt der Glaubenskongregation für die gemeinsame Ausrichtung des Priesters und des Volkes auf den Herrn geworben:

„Diese »Tradition aus apostolischer Zeit« (Ratzinger) hat Benedikt XVI. nun in der Sixtinischen Kapelle aufgegriffen und in den neuen, seit 1970 dominierenden Ritus integriert, in die sogenannte »ordentliche Form«.“

Dadurch gebe er fast ein halbes Jahr nach ‘Summorum Pontificum’ zu verstehen:

„Wer die nachkonziliar reformierte Messe für modernistisch hält, der muß nicht komplett zurückkehren zur tridentinischen Form; eine behutsame Erneuerung ist innerhalb des Ritus von 1970 möglich, wenn man diesen für traditionelle Elemente öffnet.“

Kissler verweist auf das Communiqué des Büros für Päpstliche Zeremonien, wonach sich der Papst zugunsten architektonischer „Schönheit und Harmonie“ entschieden habe.

Für den Journalisten ist das eine „bewußte Abkehr von Johannes Paul II.“:

„Daß die Sistina durch die Verbannung des Holztisches an Klarheit und Eleganz gewinnt, leuchtet unmittelbar ein; nun wäre es in Benedikts Sinn, wenn auch andernorts der Volksaltar verschwände, sofern er eine historisch gewachsene Bausubstanz verunstaltet“ – so Kissler.

In der Aufwertung des Hochaltars sieht der Journalist einen weiteren Beleg für den „frischen Wind“, der mit dem neuen päpstlichen Zeremonienmeister Guido Marini eingezogen ist:

„Seit dessen Antritt im vergangenen September schreitet die Renaissance der klassischen Liturgie in einem Tempo voran, das unter Vorgänger Piero Marini undenkbar gewesen wäre.“

Damit habe Benedikt XVI. in einer hitzigen Debatte „Pflöcke eingeschlagen“.

Besonders in Deutschland würden sich manche Bischöfe viel Mühe geben, durch komplizierte Ausführungsbestimmungen den Sinn des Motu Proprios zur Freigabe der Alten Messe ins Gegenteil zu kehren:

„Sie wehren sich gegen jene spirituelle Frischzellenkur, die Benedikt der neuen Messe durch ihre Gleichstellung mit der alten verordnen wollte.“

Diesen Kräften der Beharrung habe die Messe zur „Taufe des Herrn“ vor Augen geführt, daß ein bloßes liturgisches „Weiter so“ die falsche Lösung wäre.
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