Dienstag, 22. Januar 2008 09:37
Schnackseln – ich spreche es offen aus
„Der Satz ist gefährlich, ja fast diabolisch, mit Kirche meine ich hier: katholisch.“ Die Rede von Gloria, Fürstin von Thurn und Taxis, bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst in Aachen.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist am Samstag in Aachen mit dem "Orden wider den tierischen Ernst" ausgezeichnet worden.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist am Samstag in Aachen mit dem „Orden wider den tierischen Ernst“ ausgezeichnet worden.
Aber eins, aber eins wird nie geschehn
Alemania Aachen wird nicht untergehn

Da ich eine im bayerischen Exil lebende Rheinländerin bin und Aachen kenne, möchte ich Sie hier im Saal und draußen an den Fernsehschirmen in der Aachener Sprache begrüßen, die durch Ulla Schmidt Anerkennung als Amtssprache gefunden hat:

Ich freue mich tierisch über der Orden wider der tierische Ernst, wa!

TUSCH

Aber mal ehrlich – so unter uns und ohne das ganze Hofzeremoniell hier: Ich hab en auch verdient. Denn ich verdiene in jeder Hinsicht Artenschutz: als bayerische Rheinländerin (Adendorf – Regensburg), als Adelige, als Ex-Punkerin (wo gibt es denn heute noch Punks?) und als Mutter sowieso.

Außerdem sind wir Frauen als Ordensträgerinnen immer noch in der Minderheit. Da hört doch der Spaß auf und fängt der tierische Ernst an.

TUSCH

So habe ich mir ein Herz genommen,
bin als Märchenprinzessin hier hingekommen,
„Fürstin, Durchlaucht“, wie sie mich nennen,
doch lernt ihr ne neue Gloria kennen:

Spieglein, Spieglein an der Wand,
ich sage es allen im ganzen Land,
weil ich hier als Ritterin steh’:
Hei/Welcome, Powerfrau,
Schneewittchen, adé!

TUSCH

Damit auch der Eurogress tobt und lacht,
forder’ich: Frauen an die Macht.
In Stoiber – Bayerisch, ungeniert,
klänge es etwas kompliziert:

Ich, äh, bin durchaus nicht dafür, äh,
dagegen zu sein, doch willige ich aus, nein, äh,
über, äh,nein, ein.


Doch konnte man Edmund auch schwer versteh’n,
dafür mußte der Arme nicht geh’n.
Bayern eine Riesen Wirtschaftskraft,
das hat er durch Aktenfressen geschafft.
So kam es schließlich zum Schluß, so’n Mist,
daß er wegen Erfolgs zurücktreten worden isst.

Darauf sprach Rüttgers, ohne zu zieren:
„So was könnt mir nicht passieren!“

TUSCH

Jetzt sind Beckstein und Huber dran,
keine Frau, dafür zwei Mann.
Was sie nun werkeln, mit vereinter Kraft,
hätt’ eine Frau alleine geschafft.
Das sage ich hier, voll Anerkennung,
bei uns gilt das schon als Gewaltentrennung,
Was Bayern fehlt, verkünde ich klar:
Edmund? Nein, Glanz und Gloria.

TUSCH

Doch im Jahre nach Christus 2008,
sage ich Frauen an die Macht.
Auch in der Kirche, das weiß ich genau,
stehen die Frauen schon lang ihre Frau.
Der Satz ist gefährlich, ja fast diabolisch,
mit Kirche meine ich hier: katholisch.

Ministrantin, predigen, Referentinnen, Hilfe nein,
jetzt auch noch Priesterin, muß das denn sein?

Laß doch den Männern die letzte Bastion.
Alles Übrige holen wir uns schon!
Mann muß doch auch jönne könne den Männern im Land,
dann wird Kirche erst interessant.
Mein geistlicher Beistand ist erzkatholisch, Prälat
Wilhelm Imkamp, original aus Aachen in der Tat.
Nach Maria Vesperbild, zog es ihn fort,
seitdem boomt dort der Wallfahrtsort.

Solche Beispiele gäb’ es öfter, wie fein
traute man sich wieder katholisch zu sein!

Hier sage ich:
In Gottes Namen, laßt doch de Kirch den Männern,
in Ewigkeit. Amen.

Und um de Finanzen der Diözese zu sanieren, müssen sie nur den Ablaß einführen.
Ich muß nicht Papst sein ob Benedikt oder Leo
es heißt ja schon: Gloria in Excelsis Deo.

TUSCH

Wer es besser kann, Frau oder Mann?
Schaut Euch doch mal den Fußball an.
Bei der letzten Weltmeisterschaft:
die Männer dritter geworden,
mit letzter Kraft.
Aber die Frauen – und das ist wahr –
sind zum dritten mal erster, macht euch das klar!
Und Nadine Angerer, als Torwart das ist kein Wahn,
ist besser als Hildebrand, Lehmann und Kahn.
Doch auch in der großen Politik
leiten die Frauen mit viel Geschick.

Egal, was man von Frau Merkel hält,
beeindruckt sie doch die ganze Welt.
Wirtschaftsboom und Aufschwung nun,
und alles, ohne was zu tun.
Die Männer können es gar nicht fassen:
Manches wird fertig durch liegen lassen.

Das kann man auch nur den Ministern raten:
Roland Koch, beherzt zu Taten,
tut böse Kinder, in den Knast,
dann hat der Staat mit den Blagen die Last.
Der Schäuble will Abhöranlagen in den Beichtstuhl hängen,
als ob die Terroristen zum Beichten gingen.

Da der Staat ja alles besser kann,
sind wir auch gut mit Ulla von der Leyen dran.
Ursula, laß die Kirche im Ort!
Krippenplätze, Kinderhort,
alles sicher gut und richtig,
unverzichtbar und auch wichtig.
Doch fordere ich Schutz für jedes Kind,
dessen Mütter noch selbsterziehend sind.

TUSCH

Wenn wir schon beim „von“ sind spitz ich die Nadel,
und setz ein paar Stiche für den Adel.
Denn jeder erkennt doch, besitzt er Vernunft:
Der Adel ist eine sterbende Zunft.
Das liegt – ich spreche es offen aus –
am Alltagsjoch, tagein, tagaus.

Sie sehn mich als Sissi in einem Schloß,
behütet von einem Dienertroß.
Sie sehen nur Reichtum, Ehren und Nutzen.
Doch denken Sie bloß mal an Dinge wie putzen.
Findet der Frühjahrsputz sein End,
heißt es schon wieder Advent, Advent.
Und auch bei Adligen gibt es leider,
Verwandte, Nachbarn, kurzum Neider.
Und nur um ihnen davon zu laufen,
muß ich jedes Jahr ‘nen Porsche kaufen.

Wenn ich auch lieber flieg oder reite,
sonst heißt’s doch: Thurn und Taxis sind pleite.
Ich setze dagegen, kurz und gut:
Thurn und Taxis sind blau, zumindest im Blut.

TUSCH

Ein Thema muß dann schließlich noch raus:
Schnackseln, ich spreche es offen aus.

Doch heute stell ich vor allen klar,
daß das nur ein Hörfehler war.
Gesagt hab ich allen, ob nah oder fern,
genau: Der Schwarze kraxelt halt gern!
Kraxeln heißt klettern, jetzt habt ihr Ruh,
und ein Schwarzer ist von der CSU.
Denn auch, liebe Leut’, beim Fettnäpfchentreten,
hab ich um Gleichberech’tgung gebeten.
Drum komm ich zum Schluß
und zwar recht schnell,
mir bleibt nur noch ein Schlußappell:

Hier steht Ritterin Gloria im Glanze,
ne Powerfrau, doch keine Emanze.
Männer sind ja auch nicht schlecht.
Wir Frauen fordern nur gleiches Recht.
Charmant, energisch, nicht bitterlich,
das nenn’ ich weiblich – ritterlich.

Denn alles lasse ich zu auf Erden,
nur tierisch ernst darf es nicht werden,
zum Dank für die Ehre hab ich euch ein Liedchen geschrieben,
das sing ich euch vor, jetzt gleich meine Lieben.

Ich bin eine Frau und eben kein Schaf:
Ritterin Gloria ruft: Oche, Alaaf!

© Sabine Brauer
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