Dienstag, 22. Januar 2008 11:04
Der neue Generalobere der Jesuiten hat als Provinzial der Jesuiten in einem Armenviertel in Tokyo gelebt. Seine theologische Ausrichtung: progressiv.


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(kreuz.net) Der neue Generalobere der Gesellschaft Jesu, Pater Adolfo Nicolás (71), gehört dem progressiven
theologischen Lager an und bewegt sich auf einer Linie mit den asiatischen Bischöfen.
Das berichtet
der Vatikanist der liberalen US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, John Allen.
Dem neuen Generaloberen
liegen Themen wie der interreligiöse Dialog, Einsatz für Friede und Gerechtigkeit, die sogenannte Inkulturation
der Glaubenslehre und religiösen Praxis besonders am Herzen.
Der neue General wurde vor den Wahlen nicht
als Top-Favorit gehandelt. Sein Name stand aber auf der Liste möglicher Kandidaten, die von Papst Benedikt
XVI. im Vorfeld der Wahl genehmigt wurde.
Dennoch obsiegte der Jesuit bereits im zweiten Wahlgang.
Pater
Thomas Smolich, Präsident der ‘Jesuit Conference’, der Dachorganisation der Jesuiten in den USA, und
Mitglied der Generalkongregation glaubt, daß die Jesuiten am Samstag jenen Mann gewählt haben, den Gott
im Sinne hatte.
Berater der asiatischen BischöfeOb der neue Mann an der Spitze des größten Männerordens
der Welt im Vatikan von allen mit Jubel aufgenommen wird, ist fraglich.
Wie aus der Gesellschaft Jesu
verlautet, soll Pater Nicolás vor einigen Jahren als Rektor der bedeutenden Päpstlichen Universität
Gregoriana in Rom im Gespräch gewesen sein.
Im Vatikan habe es jedoch Einwände gegen seine Ernennung
gegeben. Grund dafür war die Rolle, die er im Jahr 1998 bei der Bischofssynode für Asien sowie als Berater
der Asiatischen Bischofskonferenz spielte.
Bei den Sitzungen der Synode plädierten die asiatischen Prälaten
für mehr Kollegialität und – ausgerechnet in Zeiten der Globalisierung – für eine Dezentralisierung
der Kirchenhierarchie.
„Kein Monopol“In einem Beitrag, den er im Vorjahr für eine australische Jesuitenzeitschrift
verfaßte, erklärte Pater Nicolás seine Vorstellung von Mission: „Diejenigen, die in das Leben anderer
Menschen eintreten, beginnen, ihre eigenen Positionen sehr radikal zu hinterfragen.“
Das sei eine enorme
Aufgabe: „Ich glaube, es ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Wir besitzen kein Monopol,
aber wir haben viel zu lernen“ – so der neue Generalobere in dem Artikel.
John Allen sieht die Wahl von
Pater Nicolás als Entscheidung für ein „vorwärts gerichtetes Denken“ sowie als Ausdruck der Sensibilität
für den Katholizismus außerhalb der westlichen Welt.
Mit Pater Nicolás habe der Vatikan auch einen
„Dialogpartner“ gewonnen, der den religiösen Pluralismus von Grund auf kenne.
Der neue Generalobere
sei nämlich nicht nur ein Theologe, sondern auch ein passionierter Seelsorger. Als Provinzial der Jesuiten
in Japan lebte er zum Beispiel in einem Armenviertel von Tokyo. Das habe den Leuten sehr imponiert.
Pater
Nicolás spricht Spanisch, Japanisch, Englisch, Französisch und Italienisch.