Donnerstag, 24. Januar 2008 11:20
„Ich muß mich auf der Seite halten und darf nicht aufscheinen. Auch muß ich vor allem schweigen, weil das, was ich sage, unvermeidlich als Wort des Papstes ausgelegt wird.“


Mons. Gänswein legt Benedikt XVI. eine Stola um.
(kreuz.net, Vatikan) Anfang Januar sprach der päpstliche Privatsekretär, Mons. Georg Gänswein, mit
dem italienischen Boulevardmagazin ‘Visto’ über sein Leben und seine Arbeit:
„Ich besuchte das letzte
Jahr des Gymnasiums, als sich vor mir aufgrund einer geheimnisvollen, ungreifbaren Eingebung der Weg zum
Priestertum öffnete“ – so Mons. Gänswein vor ‘Visto’.
Zunächst fragte sich der Gymnasiast, ob diese
Eingebung vielleicht eine Täuschung wäre:
„Drei oder vier Monate vor meinem Eintritt ins Priesterseminar
sprach ich darüber mit meinen Eltern. Sie waren überrascht, obwohl sie zutiefst katholisch waren.“
„Ab diesem Zeitpunkt beteten sie, daß in mir eine Klärung zustande kommen würde.“
Anschließend informierte
der zukünftige Priester seine Geschwister.


Mons. Gänswein in Birkenau
Die nächsten fünf Jahre verbrachte der spätere Papstsekretär
im Theologenkonvikt in Freiburg, ein Jahr im inzwischen geschlossenen Priesterseminar im Kloster Sankt
Peter im Schwarzwald und ein Jahr in der Pfarrei, „um mit einem Bein in der pastoralen Wirklichkeit zu
stehen“.
1984 wurde Mons. Gänswein im Dom von Freiburg zum Priester geweiht.
Während seines Studiums
des Kirchenrechtes in München in den Jahren 1986 bis 1993 war der junge Priester Hausgeistlicher in einer
Schwesterngemeinschaft. Er zelebrierte für sie die Messe und hörte die Beichte.
„Rom war noch nicht
im Blickfeld“ – fährt er weiter: „Ich war gerade zum Sekretär des Erzbischofs von Freiburg ernannt worden,
als ich einen Ruf erhielt, als Priester deutscher Sprache an der Römischen Kurie zu wirken.“
Damals
sagte der Erzbischof von Freiburg seinem Sekretär: „Geh, aber in fünf Jahren mußt Du zurückkehren.“
Es kam anders: „Ich lebte im Teutonischen Kolleg, das von Karl dem Großen gegründet wurde und sich
innerhalb des Vatikans befindet.
Der damalige Kardinal Ratzinger zelebrierte dort um sieben Uhr die Messe
und nahm dann mit den Priestern des Hauses das Frühstück ein. Auf diese Weise lernte ich ihn kennen.
Er war schon seit längerem mein Leitstern, weil ich seine Bücher studiert hatte und mein priesterliches
Leben davon geprägt war. Damals arbeitete ich bei der Gottesdienstkongregation.
Doch nach einem Jahr
rief mich der Kardinal in die Glaubenskongregation.“
Gleichzeitig begann Mons. Gänswein in der römischen
Opus-Dei-Fakultät das Fach „Munus docendi“ zu unterrichten, das sich mit der Verkündigung des Wortes
befaßt: „Schließlich ernannte mich der Kardinal im März 2003 zu seinem Sekretär.“
Über sein Verhältnis
zum Papst sagt Mons. Gänswein: „Ich muß mich auf der Seite halten und darf nicht aufscheinen. Auch muß
ich vor allem schweigen, weil das, was ich sage, unvermeidlich als Wort des Papstes ausgelegt wird.“
Seinen Arbeitstag verbringt der Privatsekretär in engstem Kontakt mit dem Papst:
„Der Tag beginnt um
sieben Uhr morgens mit der Heiligen Messe und Gebet und Betrachtung vor dem Tabernakel“ – erklärt er
auf die Frage nach einem typischen Arbeitstag des Papstes.
Es folgt das Frühstück: „Dann widme ich
mich der sehr umfangreichen offiziellen Korrespondenz, die den Tisch des Papstes erreicht. Anschließend
bespreche ich mit ihm die wichtigsten Dinge des Tages.“
Anschließend begleite ich den Papst zu den Audienzen,
die in der zweiten Loggia stattfinden.
Während des Mittagessens ist der Privatsekretär ebenfalls beim
Papst: „Danach absolvieren wir in den vatikanischen Gärten einen kurzen Spaziergang.“
Am Nachmittag
sammelt der Privatsekretär die wichtigsten Dinge, die er dem Papst vorlegt.
Das ist auch die Zeit, wenn
Benedikt XVI. Dokumente unterzeichnet, die für die Leitung der Kirche notwendig sind.
© Bilder:
Joshua
Treviño, CC
Flickr-Benützer „miqul“, CC