Alte Messe
Die Alte Messe will niemand
Vier Monate nach Inkrafttreten des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ versuchen die Feinde der überlieferten Liturgie ihre letzte Taktik: Sie spielen das Phänomen herunter. Von Monika Rheinschmitt.
Alte Messe bei einer Schulung für den klassischen römischen Ritus in Mainz.
Alte Messe bei einer Schulung für den klassischen römischen Ritus in Mainz.
© Pro Missa Tridentina
(kreuz.net) Kürzlich wurden in den Medien Meldungen des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier bekannt, wonach in der Kirche angeblich kaum Interesse am Alten Ritus bestehe.

Ein Blick auf das folgende Diagramm zeigt, daß die Realität anders aussieht:

Feier der klassischen römischen Liturgie in Deutschland, Österreich und der Schweiz


Aus dieser Abbildung lassen sich zwei Aussagen ablesen.

Die Behauptung einiger deutscher Bischöfe und der Deutschen Bischofskonferenz, wonach in den vergangenen 15 Jahren Bedarf und Angebot an Alten Messen „auf einem niedrigen Niveau stabil gewesen“ seien, trifft nicht zu.

Im Gegenteil: Es gab eine kontinuierliche, leider wegen des Widerstands in den Diözesen nur geringe Steigerung der Zahl der Meßorte.

Wie hoch der Bedarf ist, läßt sich an der explosionsartigen Zunahme der Meßorte seit dem Inkrafttreten des Motu proprio erahnen.

Innerhalb von ungefähr vier Monaten sprang die Anzahl der Meßorte von knapp achtzig auf über 120. Das ist eine Steigerung um mehr als fünfzig Prozent.

Man mag einwenden, daß sich diese Statistik auf das Gesamt der Meßorte in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz beziehe. Das ist richtig.

Wenn man Deutschland jedoch separat betrachtet, ist die Entwicklung noch dramatischer.

Ende Juni 2007 – also kurz vor Veröffentlichung des Motu Proprio am 7. 7. 2007 – gab es in Deutschland 36 Orte, an denen die Alte Messe regelmäßig gefeiert wurde.

Seit dem vergangenen 14. September, als das Motu Proprio in Kraft trat, kamen vierzig Orte hinzu.

Damit hat sich die Anzahl der Meßorte in Deutschland in weniger als einem halben Jahr mehr als verdoppelt.

Zieht man in Betracht, daß in Deutschland noch mindestens weitere vierzig Gruppen – zum Beispiel in Horb, Tübingen, Ulm, Konstanz, Ettlingen, Karlsruhe, Gießen, Pirmasens, Hildesheim – auf die Erfüllung ihres Wunsches nach der Alten Messe warten, wird deutlich, daß die bisherige Zahl von Meßorten nicht ausreichte – erst recht nicht, wenn man bedenkt, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland an weiteren fünfzig Orten Heilige Messen im Alten Ritus zelebriert.

Alte Messe am 1. Januar 2008 in London
Schuldbekenntnis: ConfiteorDie Lesung findet beim Levitierten Hochamt nicht am Altar statt.Verlesung des Evangeliums auf der linken Seite des Presbyteriums.

Nicht nur bezüglich der Anzahl der Meßorte kursieren Fehlinformationen. Auch die Zahl der Gläubigen, die an der Alten Messe teilnehmen, wird konstant zu niedrig angegeben.

Das jüngste Beispiel dafür ist die süddeutsche Stadt Freiburg. Seit dem 6. Januar 2008 wird in der schönen Adelhauser Kirche im Stadtzentrum von Freiburg alle zwei Wochen die Alte Messe gefeiert.

Laut Angaben des Ordinariats lagen dafür weniger als zehn Anfragen vor. Es sei folglich mit sechs bis sieben Meßbesuchern zu rechnen.

Trotz kurzfristiger Ankündigung dieses Gottesdienstes – weniger als eine Woche vor Beginn der Zelebrationen – kamen etwa 240 Gläubige zur ersten Heiligen Messe, die am 6. Januar stattfand.

Beim zweiten Termin – am 20. Januar – drängten sich ungefähr 300 Gläubige im Kirchenschiff. Zehn Minuten vor Meßbeginn waren alle Sitzplätze belegt.

Zahlreiche Gläubige mußten auf die Empore und in den Mittelgang ausweichen. Dreißig bis vierzig Gläubige traten wieder den Nachhauseweg ein, weil in der Kirche einfach kein Platz mehr vorhanden war.

Es bleibt zu hoffen, daß Bischöfe und Priester in Deutschland diesen geistlichen Aufschwung begrüßen und den traditionsverbundenen Gläubigen in den immer leerer werdenden Kirchen großzügig Gastfreundschaft gewähren.

Über die Meßorte kann man sich auf den Webseiten der ‘Pro Missa Tridentina’ und auf ‘Introibo. Net’ informieren.

Angesichts der durch die permanent steigende Zahl der Meßorte und Meßbesucher nachprüfbaren Entwicklung stellt sich die Frage, wie Experten wie Eberhard Amon vom Trierer Liturgischen Institut unbeirrt von einer „bereits ausreichenden Zahl“ von Meßfeiern im Alten Ritus sprechen können.

Es ist klar, daß nicht die Anzahl der in den bischöflichen Ordinarien eingehenden Einzelanträge ausschlaggebend ist.

Denn meistens wird der Bischof – im Sinne von ‘Summorum Pontificum’ – erst dann hinzugezogen, wenn traditionsverbundene Gläubige und Ortspfarrer keine einvernehmliche Lösung finden.

Wenn nur diese Problemfälle oder gar – wie offenbar in Freiburg geschehen – nur direkte Anträge von Einzelpersonen an den Bischof gezählt werden, ergibt sich natürlich ein stark verzerrtes Bild.