13:45:01 | Sonntag, 27. Januar 2008
Vier Monate nach Inkrafttreten des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ versuchen die Feinde der überlieferten Liturgie ihre letzte Taktik: Sie spielen das Phänomen herunter. Von Monika Rheinschmitt.

Alte Messe bei einer Schulung für den klassischen römischen Ritus in Mainz.
© Pro Missa Tridentina(kreuz.net) Kürzlich wurden in den Medien Meldungen des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier bekannt,
wonach in der Kirche angeblich kaum Interesse am Alten Ritus bestehe.
Ein Blick auf das folgende Diagramm
zeigt, daß die Realität anders aussieht:
Feier der klassischen römischen Liturgie in Deutschland,
Österreich und der Schweiz
Aus dieser Abbildung lassen sich zwei Aussagen ablesen.
Die Behauptung
einiger deutscher Bischöfe und der Deutschen Bischofskonferenz, wonach in den vergangenen 15 Jahren Bedarf
und Angebot an Alten Messen „auf einem niedrigen Niveau stabil gewesen“ seien, trifft nicht zu.
Im Gegenteil:
Es gab eine kontinuierliche, leider wegen des Widerstands in den Diözesen nur geringe Steigerung der
Zahl der Meßorte.
Wie hoch der Bedarf ist, läßt sich an der explosionsartigen Zunahme der Meßorte
seit dem Inkrafttreten des Motu proprio erahnen.
Innerhalb von ungefähr vier Monaten sprang die Anzahl
der Meßorte von knapp achtzig auf über 120. Das ist eine Steigerung um mehr als fünfzig Prozent.
Man
mag einwenden, daß sich diese Statistik auf das Gesamt der Meßorte in Deutschland, Österreich und der
deutschsprachigen Schweiz beziehe. Das ist richtig.
Wenn man Deutschland jedoch separat betrachtet, ist
die Entwicklung noch dramatischer.
Ende Juni 2007 – also kurz vor Veröffentlichung des Motu Proprio
am 7. 7. 2007 – gab es in Deutschland 36 Orte, an denen die Alte Messe regelmäßig gefeiert wurde.
Seit
dem vergangenen 14. September, als das Motu Proprio in Kraft trat, kamen vierzig Orte hinzu.
Damit hat
sich die Anzahl der Meßorte in Deutschland in weniger als einem halben Jahr mehr als verdoppelt.
Zieht
man in Betracht, daß in Deutschland noch mindestens weitere vierzig Gruppen – zum Beispiel in Horb, Tübingen,
Ulm, Konstanz, Ettlingen, Karlsruhe, Gießen, Pirmasens, Hildesheim – auf die Erfüllung ihres Wunsches
nach der Alten Messe warten, wird deutlich, daß die bisherige Zahl von Meßorten nicht ausreichte – erst
recht nicht, wenn man bedenkt, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Deutschland an weiteren fünfzig
Orten Heilige Messen im Alten Ritus zelebriert.
Nicht nur bezüglich der Anzahl der Meßorte kursieren Fehlinformationen.
Auch die Zahl der Gläubigen, die an der Alten Messe teilnehmen, wird konstant zu niedrig angegeben.
Das jüngste Beispiel dafür ist die süddeutsche Stadt
Freiburg. Seit dem 6. Januar 2008 wird in der
schönen Adelhauser Kirche im Stadtzentrum von Freiburg alle zwei Wochen die Alte Messe gefeiert.
Laut
Angaben des Ordinariats lagen dafür weniger als zehn Anfragen vor. Es sei folglich mit sechs bis sieben
Meßbesuchern zu rechnen.
Trotz kurzfristiger Ankündigung dieses Gottesdienstes – weniger als eine Woche
vor Beginn der Zelebrationen – kamen etwa 240 Gläubige zur ersten Heiligen Messe, die am 6. Januar stattfand.
Beim zweiten Termin – am 20. Januar – drängten sich ungefähr 300 Gläubige im Kirchenschiff. Zehn Minuten
vor Meßbeginn waren alle Sitzplätze belegt.
Zahlreiche Gläubige mußten auf die Empore und in den
Mittelgang ausweichen. Dreißig bis vierzig Gläubige traten wieder den Nachhauseweg ein, weil in der
Kirche einfach kein Platz mehr vorhanden war.
Es bleibt zu hoffen, daß Bischöfe und Priester in Deutschland
diesen geistlichen Aufschwung begrüßen und den traditionsverbundenen Gläubigen in den immer leerer
werdenden Kirchen großzügig Gastfreundschaft gewähren.
Über die Meßorte kann man sich auf den Webseiten
der ‘
Pro Missa Tridentina’ und auf ‘
Introibo. Net’ informieren.
Angesichts der durch die permanent steigende
Zahl der Meßorte und Meßbesucher nachprüfbaren Entwicklung stellt sich die Frage, wie Experten wie
Eberhard Amon vom Trierer Liturgischen Institut unbeirrt von einer „bereits ausreichenden Zahl“ von Meßfeiern
im Alten Ritus sprechen können.
Es ist klar, daß nicht die Anzahl der in den bischöflichen Ordinarien
eingehenden Einzelanträge ausschlaggebend ist.
Denn meistens wird der Bischof – im Sinne von ‘Summorum
Pontificum’ – erst dann hinzugezogen, wenn traditionsverbundene Gläubige und Ortspfarrer keine einvernehmliche
Lösung finden.
Wenn nur diese Problemfälle oder gar – wie offenbar in Freiburg geschehen – nur direkte
Anträge von Einzelpersonen an den Bischof gezählt werden, ergibt sich natürlich ein stark verzerrtes
Bild.