Pater Andreas Hönisch, Generaloberer der Servi Jesu et Mariae, verstarb am 25. Januar 2008. Von Pater Anton Bentlage SJM, Generalvikar der Kongregation.
P. Andreas Hönisch
(kreuz.net) In den frühen Morgenstunden des 25. Januar 2008 ist Pater Andreas Hönisch, Generaloberer
und Gründer der Servi Jesu et Mariae, Kongregation päpstlichen Rechtes, zu seinem Schöpfer und Herrn
heimgegangen.
Pater Hönisch befand sich zu diesem Zeitpunkt im Mutterhaus der Kongregation in Blindenmarkt
in Niederösterreich.
Der Verstorbene wurde am 3. Oktober 1930 im niederschlesischen Habelschwerdt in
der Grafschaft Glatz als drittes von vier Kindern des örtlichen Dorfschullehrers geboren.
Nach dem Besuch
der Volksschule wechselte er auf das Gymnasium in der nahegelegenen Stadt Glatz – achtzig Kilometer südwestlich
von Breslau. Dort kam er zum ersten Mal mit den Jesuiten in Kontakt.
Andreas Hönisch erlebte in seiner
Heimat die Schrecken der letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges – Volkssturm, Front und Einmarsch der Russen.
Mit seinen Eltern – seine Geschwister waren durch die Kriegswirren vorübergehend von der Familie getrennt –
mußte auch er bei der Vertreibung durch die neuen polnischen Machthaber die Heimat verlassen.
Nach einem
kurzen Aufenthalt im Flüchtlingslager in Ostfriesland kam er 1946 als erster interner Schüler an das
gerade wieder eröffnete Aloisiuskolleg der Jesuiten in Bad Godesberg bei Bonn.
Nach dem Abitur trat
er 1952 bei den Jesuiten der Ostdeutschen Provinz ein.
In der Folgezeit durchlief er die übliche Ausbildung
des Ordens – das zweijährige Noviziat, Studien in Philosophie und Theologie, praktische Einsätze in
der Seelsorge, Priesterweihe und Tertiat.
Sein Novizenmeister in Pullach bei München war der bekannte
Jesuitenpater Otto Pies. Er war als Häftling im Konzentrationslager Dachau gewesen.
Nach dem Philosophiestudium
wurde der Scholastiker von seinen Oberen in die Missionen nach Japan geschickt. Nach fünf Monaten Sprachkurs
in Manila/Philippinen kam er für weitere zwei Jahre zum Studium der japanischen Sprache nach Japan.
Eine schwere Krankheit machte seine Rückkehr nach Deutschland nötig, wo er das Theologiestudium abschloß
und 1963 in Berlin von Alfred Kardinal Bengsch zum Priester geweiht wurde.
Die jesuitische Ausbildung
wurde abgerundet durch das Tertiat in Paray-le-Monial in Ostfrankreich.
Im Jahr 1965 übernahm er die
Stelle als Religionslehrer am Rathenau-Gymnasium in Berlin.
Von 1966 bis 1977 war er Kaplan in Gießen
St. Albertus und Religionslehrer an den Schulen der Stadt. Außerdem betreute er zwei große Pfadfindergruppen
in der Pfarrei.
Pater Hönisch hatte die Pfadfinderbewegung bereits während seiner Ausbildungszeit in
Pullach kennengelernt. Ab diesem Zeitpunkt war er ein begeisterter Anhänger dieser Erziehungsmethode.
Am 11. Februar 1976 gründete er mit Erlaubnis seiner Jesuitenoberen zusammen mit Oberstudiendirektor
Günther Walter die Katholische Pfadfinderschaft Europas (KPE) in Deutschland nach dem Vorbild der französischen
Scouts d’Europe.
Die KPE ist Mitglied des europäischen Pfadfinderverbandes der ‘Union Internationale
des Guides et Scouts d’Europe’, der im August 2003 vom Päpstliche Laienrat offiziell anerkannt wurde.
Pater Hönisch war bis zu seinem Tod Bundeskurat des deutschen Verbandes.
Im Rahmen seiner Pfadfinderarbeit
führte er zahllose Pfadfinderlager und -fahrten durch. Sie führten ihn in fast alle Länder Europas
sowie nach Nordafrika, Nordamerika und Rußland.
Von 1977 bis 1981 war Pater Hönisch hauptamtlicher
Religionslehrer am Gymnasium in Langen.
Von 1981 bis 1988 war er Mitarbeiter von Pater Werenfried van
Straaten († 2003), dem Gründer des internationalen Hilfswerkes ‘Kirche in Not – Ostpriesterhilfe’.
Im
Jahr 1988 erfolgte mit dem Wohlwollen von Kardinal Joseph Ratzinger und unter der Schirmherrschaft von
Bischof Josef Stimpfle von Augsburg († 1996) und der damalige Bischof von Anápolis in Brasilien, Mons.
Emanuel Pestana (79), die Gründung der Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens / Servi Jesu et Mariae
(SJM) als katholische Ordensgemeinschaft.
Die Spiritualität der neuen Gemeinschaft war die bewährte
Spiritualität des Heiligen Ignatius von Loyola.
Neben den zahlreichen verschiedenen Seelsorgearbeiten
sollte vor allem die Jugendarbeit Schwerpunkt ihres Wirkens sein.
Im Sommer 1990 kam es zu ersten intensiven
Kontakten mit der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei unter ihrem damaligen Vorsitzenden Augustin Kardinal
Mayer (96).
Die Kommission war von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufen worden, um sich den Anliegen
jener zu widmen, die sich in besonderer Weise der Liturgie nach dem Missale von 1962 verbunden fühlen.
Die Gemeinschaft der Servi Jesu et Mariae feiert die Heilige Messe sowohl nach dem Missale von Papst
Paul Vl., als auch nach dem Missale von 1962. Sie war damit eine der ersten Gemeinschaften, die sich dem
liturgischen Anliegen widmete, wie es von Papst Benedikt XVI. im Motu proprio ‘Summorum Pontificum’ vom
7. Juli 2007 formuliert wurde.
Am 16. Juli 1994 wurde die Gemeinschaft der Servi Jesu et Mariae als Kongregation
päpstlichen Rechtes anerkannt und Pater Andreas Hönisch zum ersten Generaloberen bestimmt. Dieses Amt
hat er bis zu seinem Hinscheiden ausgeübt.
Die Kongregation zählt augenblicklich 28 Priester, 3 Diakone,
11 Studenten, 4 Novizen und einen Bruder.
Das Mutterhaus mit den Ausbildungseinrichtungen und dem Generalat
befindet sich in der Gemeinde Blindenmarkt in Niederösterreich.
Für Freunde und Wohltäter gibt die
Gemeinschaft die Quartalszeitung „Der Ruf des Königs“ heraus. Weitere Informationen findet man auch auf
der Homepage der SJM.
Das Requiem für Pater Andreas Hönisch findet am Freitag, dem 1. Februar 2008
um 11.00 in der Basilika zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit auf dem Sonntagberg statt. Es wird vom Sekretär
der Päpstlichen Kommission Eccelsia Dei, Prälat Camille Perl, im Alten Ritus gefeiert.
Vor der Heiligen
Messe wird der Sarg mit dem Leichnam des Verstorbenen in der Basilika aufgebahrt.
Das Begräbnis findet
um 14.00 auf dem Friedhof in Blindenmarkt statt und beginnt im Innenhof des Ordenshauses.