Die Enzyklika ‘Humanae Vitae’ von Papst Paul VI. († 1978) stieß auf den heftigen Widerstand zahlreicher Bischofskonferenzen. Warum stehen die Bischöfe
heute noch zu ihrer papstfeindlichen Erklärung von damals?
Der Salzburger Professor Waldstein im Interview mit ‘gloria.tv’
(kreuz.net, Salzburg) Der Salzburger Jura-Professor Wolfgang Waldstein (79) rechnete kürzlich in einem
Interview mit der Video-Webseite ‘gloria.tv’ mit der sogenannten Maria-Troster Erklärung der österreichischen
Bischöfe ab.
Waldstein war der Gründungsdekan der juristischen Fakultät Salzburg und bekleidete im
Jahr 1968 das Amt des Rektors der Salzburger Universität.
Die Maria-Troster Erklärung wurde im Jahr
1968 veröffentlicht.
Darin behaupteten die österreichischen Bischöfe, daß Eheleute angeblich auch
künstliche Mittel zur Kinderverhütung benützen dürften. Damit relativierten sie die Enzyklika ‘Humanae
Vitae’, die solche unmoralische Verhütungsmethoden ausdrücklich verbietet.
Professor Waldstein erklärt
in dem Interview die geschichtlichen Zusammenhänge der Erklärung.
So erwähnt er, daß Papst Johannes
Paul II. die österreichischen Bischöfe beim Ad-Limina Besuch des Jahres 1987 deutlich aber vergebens
aufforderte, die umstrittene Maria-Troster Erklärung zurückzunehmen.
Der Papst erklärte vor den Bischöfen,
daß die Verwendung künstlicher empfängnisverhütender Mittel zu einer Entpersonalisierung des Menschen
führe und die Bedeutung des ehelichen Aktes verkenne.
1988 veröffentlichten die österreichischen Bischöfe
eine schwache und kaum bekannte Korrektur der Erklärung. Diese wird heute von der österreichischen Kirchenleitung
praktisch totgeschwiegen.
Dagegen erklärte der emeritierte Erzbischof von Wien, Franz Kardinal König
(† 2004), im Fernsehen sogar ausdrücklich, daß die Maria-Troster Erklärung „natürlich“ noch gelte.
Das gleiche behauptete Erzbischof Christoph Schönborn von Wien nach seiner Ernennung zum Oberhirten
der Erzdiözese.
2006 wurde die Erklärung auf Beschluß der Bischofskonferenz in einem neu publizierten
Religionsbuch abgedruckt. Die Autoren des Buches versuchen, die voreheliche Unzucht als normal hinzustellen.
Nur ein Jahr vor Erscheinen dieses Machwerkes, hatte Papst Benedikt XVI. die Bischöfe ermahnt, im Religionsunterricht
die katholische Lehre zu vermitteln.
Das umstrittene Schulbuch ist ein Beweis dafür, daß die Bischofskonferenz
die Worte des Papstes in den Wind schlug.
Der Kommentar von Professor Waldstein: „Die Bischöfe wissen
wirklich nicht, was sie tun.“
Angesprochen auf jüngste Bestrebungen in der österreichischen Bischofskonferenz,
die umstrittene Maria-Troster Erklärung zurückzunehmen, zeigt sich Professor Waldstein ungläubig.
Er könne sich höchstens vorstellen, daß zwei oder drei Bischöfe in diese Richtung gedacht hätten.
Auf die Frage, warum katholische Bischöfe ein solches Dokument unterstützten und verbreiten, führt
der Professor den Druck der öffentlichen Meinung an.
Waldstein erinnert an zwei Statistiken des Innsbrucker
Moraltheologen Hans Rotter (75) und des Wiener Weihbischofs, Mons. Helmut Krätzl (76).
Beide Studien
seien zum Ergebnis gekommen, daß 80 Prozent der Gläubigen die Enzyklika ‘Humanae Vitae’ nicht annehmen
würden.
Waldstein: „Es ist immer behauptet worden, wenn es so viele Gläubige sind, die das nicht annehmen,
darf die Kirche das nicht mehr fordern.“
„Dieser Meinung folgt der Kardinal und folgen dann auch die
Bischöfe.“