Freitag, 11. Februar 2005 12:26
Heute bestätigte der Vatikan, was in der französischen Presse schon seit Tagen gemunkelt wurde: Der Erzbischof von Tours, Mons. André Vingt-Trois, ein langjähriger Vertrauensmann des Kardinals tritt in die Fußstapfen seines „geistlichen Vaters“.

Erzbischof von Tours, André Armand Vingt-Trois
(kreuz.net, Paris) Im Erzbistum Paris geht eine Ära zu Ende. Der Papst hat den Rücktritt von Kardinal
Jean-Marie Lustiger aus Alters- und Gesundheitsgründen angenommen. Dies berichtete ‘Radio Vatikan’. Jean-Marie
Kardinal Lustiger (78) hat wegen einer Erkrankung seine Stimme fast verloren. Vor zwei Jahren wurde er
wegen Polypen an den Stimmbändern operiert, seitdem kämpfte er mit häufigen Stimmausfällen. Kardinal
Lustiger regierte 25 Jahre eine der bedeutensten Diözesen der Welt.
Lustiger stammt aus einer jüdischen
Familie. Mit 14 Jahren konvertierte er zum Katholizismus. Er wird als markanter, charismatischer Denker
und Prediger beschrieben. Ende Januar
vertrat er Papst Johannes Paul II. bei den Feierlichkeiten anläßlich
des 60-jährigen Gedenkens der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wo seine Mutter ums Leben
kam.
Als Nachfolger von Kardinal Lustiger wurde der bisherige Erzbischof von Tours, André Vingt-Trois
bestimmt. Der 63-jährige ist 1942 in Paris geboren und aufgewachsen. Er stand Kardinal Lustiger lange
Jahre als Generalvikar und ab 1988 als Weihbischof zur Seite. Seit 1999 ist Vingt-Trois auf dem Bischofssitz
des hl. Martin von Tours.
Sein Familienname „Vingt-Trois“ bedeutet auf Deutsch „dreiundzwanzig“. Mit
26 Jahren wurde er für die Erzdiözese Paris zum Priester geweiht. Mons. Vingt-Trois gilt als der „geistliche
Sohn“ des Kardinals. Schon als Lustiger Pfarrer der Pfarrei Hl. Jeanne de Chantal im 16. Pariser Bezirk
war, stand ihm Vingt-Trois als Kaplan zur Seite. Später wurde er der erste Sekretär des neuernannten
Erzbischofs von Paris und anschließend sein Weihbischof.
Der als umgänglich beschriebene Kirchenmann
ist derzeit auch französischer Familienbischof.