Donnerstag, 31. Januar 2008 14:31
Nicht richtig und nicht falsch
Ein Jesuitenpater hat ein Modell vorgestellt, wie die Kirche und die Protestanten damit aufhören könnten, dem Christentum zu schaden.
Ökumene im Vatikan: Der Primas der anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, beim Papst.
Ökumene im Vatikan: Der Primas der anglikanischen Gemeinschaft, Rowan Williams, beim Papst.
(kreuz.net) „Protestanten und Katholiken schaden dem Christentum“. Das ist der Titel eines Beitrages, den der Jesuitenpater Eckhard Bieger am 16. Januar auf der Webseite ‘kath.de’ veröffentlichte.

Katholiken und Protestanten würden ihre dogmatischen „Meinungsverschiedenheiten“ immer noch nach dem Prinzip austragen, wonach sie die Wahrheit einer Sache im Streit herauskristallisiert.

Dieses Prinzip widerspiegelt sich – so der Jesuit -sogar im Namen der Konfessionen.

Die Protestanten würden gegen die Papstkirche „protestieren“.

Dagegen nenne sich die katholische Kirche „allumfassend“, was impliziere, daß es außerhalb von ihr keine Wahrheit gebe.

Das traurige Fazit: „Fast nie hört man, daß der eine die Vorzüge des anderen herausstellt.“

Aber mit dieser „Fixierung auf das Gegensätzliche“ diskreditiere die Religion seit Jahrhunderten die Kernwerte des Christentums.

Zudem wisse „jeder“, daß „Jesus eine solche Form der Auseinandersetzung unter seinen Anhängern auf keinen Fall“ gewollt habe – so Pater Bieger apodiktisch.

Der Kampf der Konfessionen untereinander widerspreche auch dem Liebesgebot Jesu und seinem Auftrag, Frieden zu stiften.

Um sich verständlich zu machen, benützt der Pater einen Vergleich mit Auto- oder Kosmetikfirmen.

Würden diese eine solche Form der Auseinandersetzung benützen, so der Pater, dann würde das Produkt „Auto“ oder „Gesichtscreme“ in der Öffentlichkeit beschädigen:

„Wenn ein Gesichtscremeanbieter die Creme des anderen als schädlich für die Haut anprangert, weckt er Skepsis gegenüber Gesichtscremes überhaupt.“

Wer die „Religiosität der anderen Kirche“ diskreditiere, wecke Skepsis und Distanz gegenüber Religion überhaupt.

Der Jesuit bietet auch ein Heilmittel gegen den von ihm aufgedeckten Mißstand an:

„Die katholische Kirche sollte auf die Redeweise „richtig – falsch“ verzichten und statt dessen herausstellen, welche Werte sie in besonderer Weise ermöglicht.“

Der „evangelische Kirche“ empfiehlt der Pater, sie solle aufhören, „die katholische Kirche schlechtzumachen“.

Wie es Regeln für den fairen Wettbewerb gebe, sollten auch die Kirchen einen Sprachkodex vereinbaren, ihre „Angebote“ so darzustellen, daß das Konkurrenzangebot nicht schlechtgemacht werde.

Die Kirchen sollten dem Adressaten ihrer Werbung und Öffentlichkeitsarbeit ein sicheres Urteil zugestehen, das nicht dadurch beeinflußt werde, daß der eine den anderen schlechtredet.
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