Samstag, 12. Februar 2005 13:50
Anläßlich des zweiten Jubiläums ihrer Exkommunikation durch die römische Glaubenskongregation haben sich die Frauenpriesterinnen vom Donauschiff am 6. Februar mit einem „Newsletter“ und einem „Hirtinnenbrief“ zu Wort gemeldet.

(kreuz.net) „Newsletter“ und „Hirtinnenbrief“ sind unterzeichnet von Frau Christine Mayr-Lumetzberger,
die Sprecherin für Österreich, von Frau Dr. Gisela Forster, die Sprecherin für Deutschland, sowie von
Dr. Patricia Fresen, die Leiterin des frauenpriesterlichen Ausbildungsprogramms.
Die Geschichte der Frauenpriesterinnen
begann am 29. Juni 2002. Damals ließen sich sieben Frauen auf einem Donauschiff zwischen Passau und Linz
von einem von der Kirche nicht anerkannten Bischof aus Südamerika zu Frauenpriesterinnen ordinieren.
Für diesen Akt wurden die sieben Damen am 27. Januar 2003 durch ein Dekret der römischen Glaubenskongregation
exkommuniziert.
In einem jüngst veröffentlichten „Newsletter“ der Frauenpriesterinnen vom Donauschiff
wird zuerst die „erste große Priesterinnenweihe in Amerika und Kanada“ angekündigt. Sie soll wieder
auf einem Schiff stattfinden, dieses Mal auf dem St. Lawrence Fluß, der die USA und Kanada verbindet.
Ordinationstag ist der 25. Juli 2005.
Ordiniert werden 10 Frauen: 5 Frauen zu Diakoninnen und 5 Frauen
zu Priesterinnen. Die Kandidatinnen für die Frauenweihen kommen aus Amerika und Kanada.
Unmittelbar
vor der Priesterinnenweihe findet am 22.- 24. Juli 2005 in Ottawa (Kanada) das Treffen der weltweiten
„Vereinigung der Frauen, die zu Priesterinnen geweiht werden wollen“ statt.
Der an den „Newsletter“ angehängte
„Hirtinnenbrief“ fragt zuerst nach den Gefühlen der seit zwei Jahren exkommunizierten Priesterinnen.
Die Antwort: Man sei glücklich und das gleich aus zehn Gründen.
Die Frauenpriesterinnen fühlen sich
glücklich darüber, daß nach der Exkommunikation „keine weiteren Strafaktionen“ gefolgt seien. Die Exkommunikation
sei auch nicht „verstärkt“ worden. Im Gegenteil. Im Jahre 2004 habe es eine Veröffentlichung von Kardinal
Francis Arinze zum Verständnis von Mann und Frau gegeben, aus der man zwischen den Zeilen durchaus „den
Versuch einer Achtung der Frau“ habe herauslesen können.
Die Frauenpriesterinnen sind weiter darüber
glücklich, daß sie von der „Basis der Kirche“ so positiv angenommen wurden. Von der „Basis“ schlügen
ihnen „Wellen der Begeisterung“ entgegen. Denn die Frauenpriesterinnen besäßen, was den „verstaubten
Klerikern der Amtskirche“ abgehe. Sie würden „erschreckende Details“ ändern und ersetzten altmodische
und unverständliche Formulierungen durch aktuelle Ausdrücke.
Auch zur Spendung vieler Segnungen würden
die Frauenpriesterinnen herangezogen. Die Nachfrage nach Trauungen nehme stetig zu: 4/5 der Paare seien
heterosexuell, etwa 1/5 homosexuell.
Mit Taufen beschäftigen sich die Frauenpriesterinnen ebenfalls.
Es gebe Pfarrer, die bereit seien, ihre Taufen in die Kirchenbücher einzutragen. Die Priesterinnen kommen
ferner bei Beerdigungen zum Einsatz. Auch das hätten die „Pfarrer der Basis“ längst akzeptiert.
Die
Ökumene blühe. So hätten viele Frauenpriesterinnen eine Heimat bei den anderen christlichen Kirchen,
besonders bei der evangelischen Kirche gefunden.
Sogar die Medien hätten sich bekehrt und die Frauenpriesterinnen
aus einer „reißerischen Schlagzeilenpräsentation“ herausgenommen. Die „lästernde und verachtende Berichterstattung“
habe einer seriösen und hintergründigen Information Platz gemacht.
Glücklich sind die Frauenpriesterinnen
auch darüber, daß ihre Bewegung weitergeht. Die Weihe der ersten Französin und die Weihe von 5 Diakoninnen
und 5 Priesterinnen in den USA und Kanada, zeige, daß der Einzug der Frauen in die Ämter der römisch-katholischen
Kirche nicht mehr aufzuhalten sei.
Die Laien trügen viel zum Glücksgefühl der Frauenpriesterinnen
bei. Laien hielten nicht nur Vorträge über die Priesterinnenbewegung. Sie helfen auch als Ministrantinnen
und schrieben bezaubernde Emails.
In München seien schließlich zu Beginn dieses Jahres zwei Pflegezimmer
für pflegebedürftige alte oder sterbende Menschen eingerichtet worden. Die Pflege sei halb so teuer
wie in einem Heim. Die Pflege werde von einigen Frauenpriesterinnen in Zusammenarbeit mit Ärzten übernommen.
Der Hirtinnenbrief erwähnt abschließend drei Punkte, die einer Verbesserung harren. So möge der Papst
und die Glaubenskongregation die Exkommunikation der Frauenpriesterinnen überdenken. Der Hirtinnenbrief
appelliert an mutige Männer im Vatikan, dort für die Frauenpriesterinnen einzustehen.
Verbesserungsfähig
sei der Kontakt zu den Basisgruppen in einigen Ländern. Vorbildlich seien bereits die Beziehungen zu
„Wir sind Kirche Deutschland“ und zur amerikanischen „Frauenordinationskonferenz“.
Verbesserungsbedürftig
sei schließlich der Kontakt zu den Diözesanbischöfen und Ordensoberen. Während Papst und Kardinäle
mit den Frauenpriesterinnen recht höflich und tolerant umgingen, seien die Diözesanbischöfe und Ordensoberen
oft „päpstlicher als der Papst“. Die Frauenpriesterinnen würden sich freuen, wenn die Diözesanbischöfe
ihre Bewegung als hilfreich für die Weltkirche betrachteten.
Abschließend bitten die Frauenpriesterinnen,
daß ihre „Amtskollegen in Rom“ den wichtigen Beitrag erkennen, den Frauen in Gesellschaft und Kirche
leisten und deshalb die Exkommunikation, mit der die sieben Frauenpriesterinnen seit 2002 behaftet sind,
aufheben mögen.