Sonntag, 3. Februar 2008 17:57
Atheistische Obskuranten greifen nach der Kinderseele
Fast zu vernachlässigen ist die Darstellung des katholischen Bischofs als aufgedunsener bleicher Sack, bei dessen Anblick man an Kinderpornos aus Sankt Pölten denkt.
Darstellung eines Bischofs im Kinderbuch "Wo bitte geht's zu Gott?"
Darstellung eines Bischofs im Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott?“
(kreuz.net) Das deutsche Familienministerium prüft gegenwärtig, ob das antireligiöse Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ in die Liste jugendgefährdender Schriften aufgenommen werden soll.

Das berichtete Alex Rühle am 31. Januar in der ‘Süddeutschen Zeitung’.

Der Grund für die mögliche Indizierung des Buches: Es hetzt gegen die drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum.

Autoren des Werkes sind der Vorstandssprecher der ‘Giordano-Bruno-Stiftung’, Michael Schmidt-Salomon (40), und der Mühlheimer Illustrator Helge Nyncke (51).

Die ‘Giordano-Bruno-Stiftung’ ist ein umstrittener deutscher Gottlosenverein.

Buchumschlag
Buchumschlag
In Schmidt-Salomons Kinderbuch entdecken ein Ferkel und ein Igel ein Plakat, das an ihrem Haus angebracht wurde.

Dort steht: „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas.“

Daraufhin machen sich die zwei auf, einen Rabbiner, einen Priester und einen Mufti nach Gott zu befragen.

Nach Angaben des Journalisten Alex Rühle in der ‘Süddeutschen Zeitung’ schreibt das Ministerium, daß „insbesondere“ der jüdische Glaube durch die bildliche Darstellung und die Charakterisierung der Person des Rabbiners verächtlich gemacht werde.

Rühles Kommentar: „An dem Satz erstaunt nur das einschränkende Wort »insbesondere«.“

Der Rabbiner erinnert nach Rühles Angaben an Karikaturen aus den dreißiger Jahren.

In dem Hetzbuch von Schmidt-Salomon erzählt er dem Igel und dem Ferkel rachlüstern vom grausamen Gott, der sich vor Noah entschloß, alles Leben auf der Erde zu vernichten.

Schließlich bekommt der Rabbiner einen Wutanfall und verjagt die beiden.

Allerdings kommt der Mufti – so Rühle – „kaum besser weg“.

Der zunächst ruhige Mann verwandelt sich in seiner Moschee zusehends in einen wütenden Sektierer. Die Beter in der Moschee werden als islamistischer Fanatikermob hingestellt.

„Die Sequenz ist genauso infam wie die Bilder des Haßrabbiners“ – so das lapidare Urteil in der ‘Süddeutschen’.

Fast zu vernachlässigen sei dagegen der katholische Bischof – „ein aufgedunsener bleicher Sack, bei dessen Anblick man an Kinderpornos aus dem Kloster von Sankt Pölten denkt“.

Auf Nachfrage von Lesern, ob es nicht auch „aufgeklärte“ Juden, Christen oder Muslime gebe, erklärte Religionshetzer Schmidt-Salomon nach Angaben der ‘Süddeutschen’ kategorisch, daß „humanistisch denkende Gläubige“ nichts mit „echter, authentischer Religion zu tun“ hätten.

Alle aufgeklärte Religiosität sei nur „freundlich nebulöses, pseudo-christliches Spiel mit theologischen Leerformeln“ – donnert Schmidt-Salomon.

Nach Rühle ähnelt Schmidt-Salomon „dem religionskritischen Neoprimitivismus eines Richard Dawkins, der alle Religionen als ideologiegeschichtliche Haßkonstrukte karikiert.“

Obskurantist Dawkins findet das Kinderbuch laut Schmidt-Salomon übrigens toll – berichtet Rühle.

Er glaubt auch, daß „stählern primitiver Fundamentalismus“ heute weltweit größere Erfolge feiert als Glaubensformen, die auf den Grundton von Demut, Besonnenheit und Respekt vor anderen gestimmt seien.

Dann stöhnt er: „Aber muß man auf Fundamentalismus fundamentalistisch reagieren?“

Die Schlußseite des sogenannten Kinderbuchs.
Die Schlußseite des sogenannten Kinderbuchs.
Die merkwürdige Pointe an Schmidt-Salomons Buch ist nämlich nach Rühe, daß es „in seinem unterkomplexen Schwarz-Weiß selbst am ehesten an Schriften erinnert, die einem Menschen in den Fußgängerzonen aus Jutebeuteln zu reichen pflegen.“

Die Schlußseite, auf der Ferkel und Igel ohne Gott auf einer herrlich grünen Wiese samt Tauben und Sonne sitzen, könnte – nach Angaben von Rühe – auch eine Wachtturmausgabe illustrieren.

© Bilder: Alibri Verlag
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