Dienstag, 5. Februar 2008 09:02


Webseite der Pfarrei Neuenburg: die bisherigen Mitglieder des pastoralen Leitungsteams.
(kreuz.net, Neuenburg) Der Schweizer Priester, Hw. Paul-André P. (46), der vor 25 Jahren einen Minderjährigen
mißbraucht haben soll, hat am Sonntag abend Selbstmord begangen.
Nach Angaben der großen Lausanner
Zeitung ‘Le Matin’ setzte sich der Geistliche einen Schuß ins Herz.
Der Kleriker war auch Feldprediger
der Schweizer Armee und dürfte die Tat mit seiner Ordonanzpistole ausgeführt haben.
Bis zu seinem Tod
war er in der Stadt Neuenburg beschäftigt.
Die geschichtlich protestantische Stadt ist französischsprechend
und befindet sich an der Nordwestgrenze der Schweiz zu Frankreich. Kirchlich gehört sie zur Diözese
Lausanne/Genf/Freiburg.
Der tote Geistliche stammte ursprünglich aus dem südlichen Nachbarkanton Freiburg.
Er wurde im Jahr 1991 zum Priester geweiht.
In den 80er Jahren – also vor seiner Priesterweihe – soll
er sich als Student in seinem Heimatkanton homosexuell an einem Minderjährigen vergangen haben.
Es scheint,
daß dieser damals bereits kein Kind mehr war.
Diese Tat wurde aber erst im Jahr 2001 aufgerollt und
damals ausführlich in den Medien breitgeschlagen.
Die Behörden traten jedoch nicht auf die Vorwürfe
ein, weil diese damals bereits verjährt waren. Es gab auch gegenwärtig keine polizeilichen Untersuchungen
gegen den Geistlichen.
Personen, die den Priester gut kannten, erklärten vor ‘Le Matin’, daß ihn Zorn,
Trauer und persönliche Erschütterung zu der Tat geführt hätten.
Er habe sich sehr bemüht, diese
Geschichte aus der Vergangenheit wiedergutzumachen.
Nach Angaben des Bistums stand er in Neuenburg in
keinem Kontakt mit Kindern und wurde von verschiedenen Ärzten begleitet.
Doch seit einigen Tagen war
sein Fall im Rahmen einer allgemeinen Medienhysterie über angebliche kinderschänderische Priester ein
zweites Mal an die Öffentlichkeit gezerrt worden.
So publizierte die Neuenburger Lokalpresse ein langes
Interview mit dem für den Kanton Neuenburg zuständigen Bischofsvikar, Hw. Jean-Jacques Martin.
Dort
kam der Fall von Hw. P. ohne Namensnennung ausführlich zur Sprache.
Nach Angaben des Bischofsvikars
hatte der Priester die Anklagen teilweise eingestanden.
In einem Abschiedsbrief begründete Hw. P. seine
Tat mit der „medialen Jagd“ gegen ihn. Wörtlich schrieb er nach Angaben eines Verwandten: „Der Problem-Priester
verschwindet“. Und: „Ich schaff es nicht mehr“.
Federführend in dieser Treibjagd war neben den Journalisten
ein Ingenieur namens Enrico Riboni (42), der einen antikirchlichen Haß-Blog publiziert.
Riboni wohnt
in der Ortschaft Chézard-St-Martin – 13 Kilometer nördlich von Neuenburg.
In seinem Haß-Blog findet
sich der Artikel
„Wo steckt der Kinderschänder-Priester von Neuenburg“.
Darin versucht Riboni anhand
der von Bischofsvikar Martin im Interview gemachten Angaben herauszufinden, welcher der 19 im Kanton beschäftigten
Priester vor 25 Jahren die Verfehlung begannen haben könnte.
Riboni ruft zur offenen Jagd auf ihn auf:
„Identifiziert den Pädophilen! Warten Sie nicht, bis er rückfällig wird, bevor Sie zu reden beginnen!“
Am 30. Januar berichtete die große Lausanner Gratiszeitung ‘Le Matin Bleu’ ausführlich über den Haß-Blog
und machte Ribonis Hetzjagd dadurch in der ganzen Westschweiz bekannt.