Freitag, 8. Februar 2008 16:41
Wer hat gesprochen – Roma oder Juda?
Konservative Priester praktizieren den rechten Glauben häufig mit schlechtem Gewissen. Darum geben sie auch sofort und ohne Widerrede nach, wenn sie unter Druck gesetzt werden.
Kommunionausteilung bei der Karfreitagsliturgie in 'My Lady of Lourdes', Philadelphia.
Kommunionausteilung bei der Karfreitagsliturgie in ‘My Lady of Lourdes’, Philadelphia.
(kreuz.net) Der Liturgiker Hw. Alcuin Reid hat die Änderung der Karfreitagsfürbitte verteidigt.

Hw. Reid ist ein ehemaliger Benediktiner der Abtei St. Michael in Farnborough in Südengland. Er stammt ursprünglich aus Australien und gilt in liturgischen Fragen als Verfechter einer sogenannten Reform der Reform.

Der Geistliche hat zahlreiche liturgische Werke publiziert, so das bekannte Buch „Die organische Entwicklung der Liturgie“. Er ist auch der Herausgeber der Vorträge einer Konferenz in der altgläubigen Benediktinerabtei Unsere Liebe Frau von Fontgombault in Südfrankreich. Die Sammlung steht unter dem Titel „Looking Again at the Question of the Liturgy With Cardinal Ratzinger“ – „Ein zweiter Blick mit Kardinal Ratzinger auf die Frage der Liturgie“.

Am Aschermittwoch veröffentlichte Hw. Reid einen Kommentar zur Änderung der Karfreitagsbitte für die Bekehrung der Juden.

Der Text ist auf dem Weblog ‘New Liturgical Movement’ veröffentlicht.

Hw. Reid beginnt mit dem berühmten Zitat von Augustinus: „Roma locuta, causa finita“ – zu Deutsch: „Rom hat gesprochen – die Sache ist entschieden.“

Er betont darin das Recht des Papstes, in Fragen der Disziplin und der Verwaltung Veränderungen vorzunehmen. Katholiken hätten Entscheidungen der Höchsten Autorität Gehorsam zu leisten – auch dann, wenn sie sie anders bewerten.

Das gelte „natürlich“ nicht für Fragen des Glaubens und der Moral.

Doch dort, wo es nicht um den Glauben gehe, sei der Papst der Oberbefehlshaber, dem wir folgen: „Wir schulden der Ermessensentscheidung Gehorsam, ob wir wollen oder nicht.“
Die neue Karfreitagsfürbitte:
Wir wollen beten für die Juden.
Daß unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.

Lasset uns beten. Beugen wir die Knie. Erhebet Euch.

Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, gewähre gnädig, daß beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird.


Nach Ansicht von Hw. Reid ändert das neue Gebet nichts am katholischen Glauben. Dieser fordere uns zum Gebet für die Bekehrung der Juden auf.

Hw. Reid findet sogar, daß das neue Gebet „auf schlaue Art“ der Irrlehre entgegentrete, daß es nicht mehr angebracht sei, für die Bekehrung der Juden zu beten.

Ein ungenannter Ordensgeistlicher fragt sich gestern vor ‘kreuz.net’, ob altgläubige Priester zukünftig mit dem Bleistift im alten Meßbuch „herumschmieren“ sollten, um dort die letzten Änderungen aus dem Vatikan anzubringen.

Bei der Korrektur der Wandlungsworte von der Falschübersetzung „für alle“ auf die tatsächlichen Worte Christi „für viele“ habe das niemand verlangt.

Im Gegenteil: Eine gehorsame Umsetzung in Eigenregie sei von zuständigen kirchlichen Autoritäten ausdrücklich abgelehnt worden.

© Bild: JD Treat, CC
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