Donnerstag, 7. Februar 2008 14:59
Ein US-Traditionalist jubelt über die neue Karfreitagsbitte. Sie habe eine dogmatische Frage geklärt, die Kardinal Walter Kasper vergeblich zu verwischen sucht.

Die Alte Karfreitagsliturgie wird in schwarz zelebriert.
(kreuz.net, Vatikan) „Der Papst konnte nicht das streichen, was das Spezifische unseres Glaubens ist –
der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser aller Menschen, das heißt, nach unserer Überzeugung auch
der Juden.“
Das erklärte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Walter Kardinal Kasper, vor
dem Päpstlichen ‘Radio Vatikan’.
Im gleichen Atemzug relativiert der Kirchenfürst diese Aussage. Die
Karfreitagsfürbitte besage nicht, „daß wir die Intention haben, nun Judenmission zu betreiben, so wie
man Heidenmission betreibt.“
Juden und Christen müßten sich „Schulter an Schulter gegenseitig in unserer
Unterschiedlichkeit anerkennen“.
Mit seiner Interpretation steht Kardinal Kasper in Theologie und Kirchengeschichte
allein auf weiter Flur.
Im Verständnis der neuen Karfreitagsbitte ergibt sich der Schulterschluß sogar
ausgerechnet zwischen Juden und Traditionalisten.
Beide verstehen den neuen Text der Fürbitte als Gebet
um Bekehrung der Juden.
In diesem Sinn argumentiert Christopher Ferrara, ein Kolumnist der altgläubigen
US-Monatszeitung ‘Remnant’.
Ferrara spricht von einer Päpstlichen Meisterleistung und einer weiteren
positiven Entwicklung im Pontifikat Benedikt XVI.:
Ferrara gesteht ein, nicht damit gerechnet zu haben –
„bis ich den Text des neuen Gebetes gelesen habe“.
Der Papst habe die Forderung der Juden nicht erfüllt,
nämlich: eine formale Preisgabe der Lehre von der Notwendigkeit ihrer Bekehrung zu Christus.
Durch die
Neuformulierung des Gebets sei ihr Anliegen vom Tisch. Die Juden könnten keine weitere Änderung des
Gebets verlangen.
Die neue Formulierung wertet Ferrara vom jüdischen Standpunkt aus als noch anstößiger.
Die Rede von der Blindheit und der Dunkelheit im traditionellen Gebet sei zwar verschwunden. Aber die
neue Formulierung bittet Gott explizit darum, das jüdische Volk zu erleuchten.
Ferrara glaubt, daß
die Juden das neue Gebet als Desaster und absolute Niederlage ihrer Kampagne betrachten werden.
Der Heilige
Vater habe die Veränderung der Karfreitagsfürbitte benützt, um eine angebliche
Änderung der Kirchenlehre
über das Heil der Juden zu dementieren.
Doch ungeachtet von Ferraras Analyse bleibt die Frage: Ist die
Liturgie ein Machwerk, das man nach Belieben auf dem Schreibtisch konstruiert?