Samstag, 9. Februar 2008 15:28
An der Taufe vorbei?
Die neue Karfreitagsfürbitte für den Alten Ritus ist mit Sicherheit präziser als der nichtssagende Paralleltext in der Liturgie von Paul VI.
Ein orthodoxer Jude betet vor der Klagemauer in Jerusalem
Ein orthodoxer Jude betet vor der Klagemauer in Jerusalem
(kreuz.net, Vatikan) „Die neue Karfreitagsbitte ist meiner Ansicht nach kein Aufruf zur Taufe der Juden.“ Das erklärte der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von ‘Radio Vatikan’, Pater Eberhard von Gemmingen, in einem Kommentar vom 7. Februar.

Die Fürbitte drücke bloß den Wunsch aus, daß auch die Juden den Heiland „eines Tages im Jenseits“ als ihren Erlöser erkennen würden.

Pater Gemmingen erklärt gleichzeitig, daß die Christen ihren Glauben an „den Juden Jesus als Erlöser aller Menschen“ nicht aufgeben könnten. Sonst würden sie sich selber aufgeben:

„So wenig wie die Juden ihre Religion verleugnen wollen, so wenig wollen es die Christen.“

Die Kirche mißachte das Judentum nicht. Sie ehre die Juden als „ältere Brüder“ – zitiert Pater Gemmingen Papst Johannes Paul II.

Weitere Stellungnahmen
Die US-Bischofskonferenz beschwichtigte nach der Veröffentlichung der neuen Karfreitagsbitte umgehend. Die Bischöfe wollen auch weiterhin das angeblich „wechselseitige Verständnis“ mit der jüdischen Gemeinschaft vertiefen.

Die altgläubige britische ‘Latin Mass Society’ erklärte, die neue Bitte schon am Karfreitag dieses Jahres zu verwenden:

„Das neue Gebet wurde von Papst Benedikt selber geschrieben und hält am Gedanken der Bekehrung zu Christus fest“ – so die Stellungnahme der Vereinigung.

Die ‘Latin Mass Society’ fragt sich aber, ob es einen wirklich zwingenden Grund zur Veränderung des Gebetes gegeben habe.

Der Vorsitzende der Vereinigung, John Medlin, findet das neue Karfreitagsgebet immerhin präziser und eindeutiger als die Version im Meßbuch von Papst Paul VI.: „Man könnte wohl darüber nachdenken, es auch in das neue Missale aufzunehmen“ – schlägt er vor.

Dagegen überlegt sich die italienische Rabbiner-Vereinigung wegen der neuformulierten Karfreitagsbitte, den interreligiösen Dialog mit der Kirche auf Eis zulegen. Der Präsident der Vereinigung, Rabbiner Guiseppe Laras, sprach in einer Stellungnahme von der „Preisgabe der Bedingungen für den Dialog“.

In der Schweizer Tageszeitung ‘Neue Zürcher Zeitung’ erwähnte der Freiburger Dogmatiker Jan-Heiner Tück die Geschichte der Karfreitagsfürbitte.

Papst Pius VII. († 1823) habe sich noch gegen eine Änderung des Gebets gestemmt: „Wenn wir das Gebet ändern würden, sähe es aus, als hätte sich die Kirche bis jetzt geirrt.“

Daraus folgert er, daß sich die Kirche irren könne und in ihrer Haltung gegenüber den Juden tatsächlich „fatal“ geirrt habe.

Das habe das Zweite Vatikanum angeblich im Dokument über den interreligiösen Dialog ‘Nostra Aetate’ „spät, aber unmißverständlich“ klargestellt – so Tücks Behauptung.

© Photographer: Noam Armonn | Agency: Dreamstime.com
Copyright © 2008 kreuz.net