Dienstag, 12. Februar 2008 09:42
Beim Lesen eines jüngsten Kommentars, der von der ‘Aktionsgemeinschaft IK-Augsburg’ über den scheidenden Präsidenten der deutschen Bischofskonferenz publiziert wurde, ist man versucht, seinen Augen nicht zu trauen.


Symbolfoto
(kreuz.net, Augsburg) Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat das Publikationsorgan der ‘Aktionsgemeinschaft
IK-Augsburg’ eine Bilanz der Amtszeit von Karl Kardinal Lehmann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
gezogen.
Das Publikationsorgan nennt sich ‘Informationen aus Kirche und Welt’ und wird nur in gedruckter
Form publiziert. Verantwortlicher Schriftleiter ist laut Impressum der Studiendirektor im Ruhestand, Gerhard
Stumpf aus Landsberg am Lech.
Der Artikel über Karl Kardinal Lehmann erschien in der Februar-Nummer.
Er steht unter dem Titel „Der Mediator aus Mainz“.
Der Text beginnt mit dem Zitat aus einem Portrait
des Kardinals von Ulrich Pick im Südwestrundfunk:
„Seine Klugheit bewundern seine Freunde und Kollegen,
seine Volksnähe lieben die Mainzer und seine Streitlust bekam Johannes Paul II. deutlich zu spüren.“
Hinter diesen wenigen Zeilen stecke vieles – so das Publikationsorgan und schickt sich an, einige „weitgehend
vergessene“ Aspekte noch einmal aufzurollen.
Zwar sei Kardinal Lehmann ein Mediator zwischen Politik
und Kirche gewesen: „Doch ging seine Verständigung mit der Politik in der Ära Kohl zu Lasten der Kirche.
In Deutschland bildete sich ein antirömischer Affekt heraus.“
Von „Streitlust mit der Politik und Politikern“
um die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens von Anfang an sei wenig zu spüren gewesen.
Als Mittler
habe sich Kardinal Lehmann auch im Umgang mit dem ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’ benommen.
Doch auch das sei zu Lasten der Kirche gegangen:
„Warum konnte sich aus dem ‘Zentralkomitee der deutschen
Katholiken’ der Verein ‘Donum vitae’ herausbilden, der die päpstliche Weisung mißachtet?“ – fragen die
‘Informationen aus Kirche und Welt’.
Ein Mittler sei der Kardinal auch unter den Bischöfen gewesen,
doch zu Lasten der Verantwortung der Bischöfe in den eigenen Diözesen. Unter seiner Führung der Deutschen
Bischofskonferenz seien die Aussagen einzelner Bischöfe relativiert worden.
Auch den Medien gegenüber
habe sich Kardinal Lehmann als Mediator erwiesen. Dabei habe er manche klare Aussage aus Rom und von anderen
Bischöfen mit abschwächenden Kommentaren begleitet.
Im ökumenischen Gespräch habe er ebenfalls zu
vermitteln versucht: „Doch fehlte seine Unterstützung für die päpstlichen Dokumente, wenn diese von
evangelischer Seite angegriffen wurden“ – so der Kommentar abschließend.
Diese deutlichen Worte besitzen
einen interessanten Nebenaspekt.
Denn die ‘Aktionsgemeinschaft IK-Augsburg’ ist Mitglied im ‘Forum Deutscher
Katholiken’, das die jährlichen Kongresse „Freude am Glauben“ in Fulda veranstaltet.
Dieser Kongreß
wird jährlich mit 15.000 Euro aus Mitteln des ‘Verbands der Diözesen Deutschlands’ gefördert.
Der
‘Verband der Diözesen Deutschlands’ ist Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz. Er wurde am 4.
März 1968 als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. In ihm sind die 27 rechtlich und wirtschaftlich
selbständigen Diözesen zusammengeschlossen.
Vorsitzender der Vollversammlung des ‘Verbands der Diözesen
Deutschlands’ ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann.
Der Kardinal
ließ bislang jährlich auch ein Grußwort an die Teilnehmer bei „Freude am Glauben“ übermitteln.
Die
„Aktionsgemeinschaft IK-Augsburg“ hatte sich mit ihrem Vorsitzenden Professor Dr. Hubert Gindert im Jahr
2000 von der ‘Vereinigung der Initiativkreise katholischer Laien und Priester im deutschen Sprachraum
e. V.’ unter dem Vorsitz von Dr. Wolfgang Graf – getrennt und daraufhin das ‘Forum Deutscher Katholiken’
gegründet.
Der damals angegebene Grund: unüberwindbare kirchenpolitische Gegensätze.
© Titelbild:
James Boardwell, CC