Montag, 14. Februar 2005 07:14
Die ganze Welt feiert am 14. Februar den heiligen Valentin als Patron der Verliebten. Längst ist dieses katholische Fest zum Menschheitserbe avanciert. Im protestantischen Großbritannien, im laizistischen Frankreich, im orthodoxen Russland ist der heilige Valentin genauso ein Begriff wie im kommunistischen China. Alle Welt weiß: Heute ist der heilige Valentin, der Patron der Verliebten – nur seine Kirche hat ihn vergessen.

Valentin tauft Lucilla, von Jacopo Bassano
(kreuz.net) In einer Zeit, wo die katholischen Heiligenfeste zusammenbrechen wie ein morscher Wald, stieg
der heilige Valentin wie ein Phönix aus der Asche. Zurecht beklagt man den Niedergang der Marienverehrung.
Selbst die Gottesmutter sitzt gegenwärtig auf der Strafbank, von den anderen Heiligen nicht zu reden.
Während in der Kirche massenweise heiliggesprochen wird, geht es in ihr mit der Heiligenverehrung unaufhaltsam
abwärts.
Selbst im katholischen Polen hat der polnische Papst den Heiligenwald auf Wunsch der polnischen
Bischöfe abgeholzt. Der heilige Joseph, die heiligen Petrus und Paulus, die Unbefleckte Empfängnis,
alle wurden sie erbarmungslos degradiert. Doch während die Kirche – vierzig Jahre nach dem Konzil – im
Heiligenhimmel immer noch aufräumt, schwärmt die Welt mehr den je vom heiligen Valentin.
Im Ornat des
katholischen Bischofs erscheint er sogar auf dem Roten Platz in Moskau und verteilt dort Valentinsgrüße.
Jahrhunderte nach seinem römischen Martyrium erobert der heilige Valentin ausgerechnet ein Reich, das
für die katholische Kirche spätestens seit der sexuellen Revolution unwiederbringlich verloren schien:
das Reich der Liebenden und der Verliebten.
Wer würde heute einen katholischen Bischof mit dem Thema
der süßen Liebe in Zusammenhang bringen? Im Gegenteil. Keiner wird in unserer Zeit so sehr als Lustverhinderer
angeschwärzt wie die katholische Kirche. Nichtsdestotrotz hat es der Märtyrerbischof Valentin mit souveräner
Leichtigkeit geschafft, zum weltweiten Symbol der Liebenden aufzusteigen. Was für eine Chance für die
Neuevangelisierung: der heilige Valentin als trojanisches Pferd der Kirche, um die Welt in ihrem Herzen
zu treffen.
Doch es gibt eine bittere Pille: Alle wollen Valentin, nur in der Kirche ist er hin.
In
seiner Kirche ist der heilige Valentin ein verachteter Prophet. Er, der in England selbst die Reformation
überlebte, ist der Axt der Liturgiereform nicht entkommen. Wer am heutigen Tag in der Römischen Liturgie
etwas vom heiligen Valentin hören will, muß sich auf die Suche nach einer seltenen Kirche machen, wo
die letzten Unbelehrbaren die Messe im vorkonziliären Ritus lesen.
In Sachen „Valentin“ heißt die offizielle
katholische Kirche Hase, und sie weiß von gar nichts. Nach dem neuen liturgischen Kalender begeht die
Kirche nämlich am 14. Februar den Festtag der heiligen Cyrill und Methodius. Wer von den zweien noch
nie gehört hat, soll sich keine Vorwürfe machen. Schließlich spricht die ganze Welt an ihrem Fest vom
heiligen Valentin, der vor dem Konzil der Tagesheilige des 14. Februars war.
Vermutlich haben die neuen
Liturgen gemerkt, daß sie am 14. Februar mit Cyrill und Methodius auf verlorenem Posten stehen. Dennoch
ist in der Zwischenzeit ein richtiger kirchlicher Kampf gegen Windmühlen zugunsten des Heiligenpaars
entbrannt.
Zuerst hat man ihren unbeachteten Gedenktag am 14. Februar zum Fest aufgewertet. Dann erhob
man die zwei – verdientermaßen – zu Patronen Europas. Es half alles nichts. Der 14. Februar war und bleibt
der Tag des heiligen Valentin, Bischof von Terni und römischer Märtyrer.
Die Kirche, die sich nach
dem Zweiten Vatikanum aus ihrem Ghetto-Dasein befreien wollte, landete am 14. Februar wieder im Abseits.
Je mehr sie sich verzweifelt bemüht, an diesem Tag die heiligen Cyrill und Methodius zu feiern, desto
mehr bejubelt die Welt – und die Christen mit ihr – den heiligen Valentin.
Wie lange soll die vergebliche
Liebesmühe am Tag des Patrons der Liebenden noch dauern? Diese liturgische Zwängerei beleidigt nicht
nur den heiligen Märtyrerbischof Valentin, sondern auch die zwei großartigen Slavenmissionare und Patrone
Europas Cyrill und Methodius. Alle drei hätten etwas Besseres verdient.
Keine Frage. Die heiligen Cyrill
und Methodius sind ‘wichtigere’ Heilige als der obskure heilige Valentin. Auch Weihnachten ist wichtiger
als der Festtag von Cyrill und Methodius. Dennoch würde es niemandem einfallen, die Geburt Christi am
14. Februar zu feiern. Man sollte die Heiligen eben feiern wie sie fallen.
Ihr gescheiten römischen
Leute, gebt uns unseren heiligen Valentin wieder, sonst nehmen wir ihn, ohne zu fragen. Und gebt den zwei
Heiligen, Cyrill und Methodius, einen anständigen Festtag, an dem sie von allen so gefeiert werden, wie
sie es verdienen.