Montag, 14. Februar 2005 03:55
Sr. Lucia von Fatima gestorben
Die letzte Seherin von Fatima, Sr. Lucia dos Santos, ist gestern Sonntag um 18.25 Uhr im Alter von 97 Jahren verstorben. Seit 1948 lebte sie als Klausurschwester im Karmel von Coimbra in Zentralportugal.

(Foto: Sr. Lucia bei ihrem letzten Zusammentreffen mit Papst Johannes Paul II. im Jahre 2003)
(kreuz.net,
Coimbra) Die letzte Überlebende der drei Hirtenkinder, die Zeugen der Muttergotteserscheinungen von Fatima
waren, ist tot. Sr. Lucia starb am gestrigen Sonntag in Coimbra im Zentrum Portugals um 18.25 mitteleuropäischer
Zeit. Sie war 97-jährig.
Die Todesursache wurde nicht bekanntgegeben. Am heutigen Montag wird der Leichnam
der Schwester für einige Stunden in der Kirche des Karmels, wo sie lebte, aufgebahrt sein.
Sr. Lucia
wird zunächst im Karmel beigesetzt werden. Es ist aber möglich, daß ihr Leichnam innerhalb eines Jahres
nach Fatima verlegt wird, um mit den beiden anderen Seherkindern, Jacinta und Francisco Marto, vereint
zu werden.
Am 13. Mai 1917 erlebte die Zehnjährige zusammen mit dem Geschwisterpaar Jacinta und Francisco
Marto die Muttergotteserscheinungen in der Cova de Iria. Fatima befindet sich ungefähr 70 Kilometer südlich
von Coimbra. Francisco und Jacinta Marto waren Cousin und Cousine von Lucia dos Santos.
Als Lucia nach
Hause zurückkehrte, berichtete sie ihren Eltern, daß sie ein Frau gesehen habe, „die schöner ist als
das Licht“.
Die Kirche begegnete den Aussagen der Kinder zunächst mit großem Mißtrauen. Doch die Gläubigen
begannen, sich nach Fatima aufzumachen. Erst im Jahre 1930 bestätigte der Bischof von Leiria die Zuverlässigkeit
der Seherkinder. Doch die zwei jüngeren Seherkinder, Jacinta und Francisco, waren bereits 1919 und 1920
gestorben.
Sr. Lucia wurde 22. März 1907 in Ajustrel, einem Weiler, der zur Pfarrei Fatima gehört,
geboren. Sie war das jüngste von sieben Kindern.
Bei den Erscheinungen nahm Lucia eine Vorrangstellung
ein. Sie war das älteste der Seherkinder. Lucia führte die Gespräche mit der Gottesmutter, stellte
Fragen und erhielt Antworten. Sie war es auch, welche die drei Botschaften erhielt, die sie später bekanntmachen
sollte. Ihr wurde verheißen, daß sie länger auf Erden bleiben sollte, um die Erscheinungen von Fatima
bekannt zu machen.
Am 17. Juni 1921 trat Lucia in das Institut der Schwestern der heiligen Dorothea in
Porto (Nordportugal) ein. Diese internationale Schwesternkongregation wurde von der heiligen Paolo Frassinetti
in Genua (Norditalien) gegründet. Bei den Klosterfrauen lernte Lucia das Lesen und Schreiben. Bald verspürte
sie den Ordensberuf und trat deshalb in das Noviziat der Dorotheerinnen in Tuy (Spanien) ein. In Tuy legte
sie am 3. Oktober 1934 die Ordensgelübde ab.
Mit Erlaubnis von Papst Pius XII. trat Sr. Lucia im Jahre
1948 in den Karmel der heiligen Theresa in Coimbra über. Dort widmete sie sich ganz dem kontemplativen
Leben. Als Karmelitin nahm sie den Namen Sr. Lucia von Jesus an.
Später veröffentlichte Sr. Lucia ihre
Erinnerungen. Darin berichtet sie vom tiefen Einschnitt, den die Marienerscheinungen für ihr Leben bedeuteten.
Das letzte Mal trat die Nonne am 13. Mai 2003 öffentlich in Erscheinung, als Papst Johannes Paul II.
die beiden im Kindesalter verstorbenen Seherkinder Francisco und Jacinta seligsprach.
Wie erst kürzlich
bekannt wurde,
besuchte der amerikanische Regisseur Mel Gibson Sr. Lucia letztes Jahr, um ihr den Film
„Die Passion Christi“ in einer privaten Aufführung zu zeigen.
Aus kirchlichen Kreisen verlautete, daß
Papst Johannes Paul II. über den Gesundheitszustand von Sr. Lucia auf dem Laufenden gehalten wurde. Am
Samstag schickte er per Telefax einen besonderen Gruß an die Nonne: „Das war etwas vom letzten, was die
Schwester wahrnahm und worauf sie noch reagierte“ präzisierten kirchliche Quellen.
Das Requiem für
Sr. Lucia wird vom Bischof der Diözese von Coimbra, Antonio Cleto zelebriert. Der Bischof von Leiria-Fatima
wird ebenfalls an den Funktionen teilnehmen.
Der portugiesische Premierminister, Pedro Santana Lopes,
brachte seinen Respekt für Sr. Lucia zum Ausdruck und nannte ihren Tod einen „eindrücklichen Augenblick
für Portugal und die Welt“. Der gegenwärtig laufende portugiesische Wahlkampf wurde für zwei Tage eingestellt.