Das deutsche ‘Pur-Magazin’ und das österreichische Portal ‘kath.net’ haben einen Angriff gegen den jüngst verstorbenen Jugendapostel Deutschlands lanciert. Ein Kommentar.
Pater Andreas Hönisch († 2008)
(kreuz.net) Die Neokonservativen sind gewöhnlich friedliche Leute. Sie suchen „Harmonie“ um fast jeden
Preis. Darum bringt sie kein kirchlicher Mißbrauch, keine bischöfliche Fehlentscheidung, kein Angriff
auf die Kirche aus der Ruhe.
Sie ziehen es vor zu ignorieren, reinzuwaschen, abzulenken, umzuinterpretieren –
und zum „Gebet“ aufzurufen. Hauptsache, die katholische Fassade bleibt gewahrt.
Doch in der neokonservativen
Brust wohnt noch eine andere Seele.
Diese kann richtig aggressiv und ungehalten werden – vor allem dann,
wenn sie mit dem ungewässerten, unbeugsamen, hundertprozentigen Katholizismus in Kontakt kommt.
Denn
der Katholizismus begnügt sich nicht mit der neokonservativen Fassade. Er zielt auf Inhalte ab und zieht
daraus die Konsequenzen.
Der Katholizismus ist dem Neokonservativen ein Stachel im Fleisch, weil er den
Neokonservativen an den Verrat erinnert, den dieser an der Substanz begeht.
In diesem Licht ist die konzentrierte
Aktion von ‘Pur-Magazin’ und ‘kath.net’ gegen Pater Andreas Hönisch verständlich. Pater Hönisch war
katholisch.
Die Medien ‘Pur-Magazin’ und ‘kath.net’ sind beide skandalscheu und auf Schön-Wetter-Berichterstattung
spezialisiert. Ausnahmen macht man, wie der jüngste Angriff beweist, für Katholiken.
Dem neokonservativen
sogenannten Nachrichten-Portal ‘kath.net’ war Pater Hönisch schon immer ein Dorn im Auge.
Als es in
Österreich Turbulenzen mit der von ihm mitgegründeten ‘Katholischen Pfadfinderschaft Europas’ gab, warf
sich ‘kath.net’ ohne großes Nachdenken auf die Seite der Gegner.
Als der Bischof von Fulda drei Priester
der von Pater Hönisch gegründeten Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens ohne Grundangabe verjagte,
hatte ‘kath.net’ nichts zu sagen.
Offensichtlich wollte es die Redaktion mit dem bischöflichen Machtapparat
nicht verderben. Mit der Wahrheit nimmt sie es offenbar so genau, wie die Kasse es erlaubt.
Heute schob
die neokonservative Webseite das monatlich in Deutschland erscheinende neokonservative ‘Pur-Magazin’ vor,
um dem Ende Januar verstorbenen Pfadfinder-Seelsorger und Ordensgründer Pater Andreas Hönisch die Leviten
zu lesen.
Pater Hönisch wird zunächst für sein „Festhalten am überlieferten katholischen Glauben“
gelobt. Doch das ist ein Vorwand.
Denn im eigentlichen geht es darum, ihm eine „Verbindung zum ‘Schwarzen
Brief’“ vorzuwerfen.
Der ‘Schwarze Brief’ ist ein vierseitiger, wöchentlicher katholischer Informationsdienst
über Kirche und Politik.
Herausgeber, Chefredakteur und Verleger ist Claus Peter Clausen. Die Publikation
ist traditionsverbunden, gelegentlich verschwörungstheoretisch und vor allem Medjugorje-kritisch.
Nach
Angaben der deutschen Wochenzeitung ‘Junge Freiheit’ sind die kirchenpolitischen Texte häufig „mit allzuviel
Herzblut“ geschrieben.
Pater Hönisch war mit Clausen insofern verbunden, als seine Ordenszeitung ‘Der
Ruf des Königs’ von diesem vertrieben und auf dem Computer erstellt wird.
Verantwortlich für den Inhalt
des ‘Rufs des Königs’ war bis zu seinem Tod Pater Hönisch – nicht Clausen.
Ob Clausen der Teufel ist
und Pater Hönisch nicht sein Freund sein durfte, sind Dinge, die ein Online-Artikel nicht ohne sorgfältige
Abklärung dekretieren darf.
Doch Clausen wird von ‘Pur-Magazin’ und ‘kath.net’ einfach und pauschal
„umstritten“ genannt. Es gibt in beiden Medien keine Hinweise, warum das so sein sollte.
Ist Clausen
etwa „umstrittener“ als die handelsüblichen Chefredaktoren von Diözesanblättern, die mit dem Segen
ihrer bischöflichen Vorgesetzten den Glauben untergraben?
Oder hat er sich im Layout des ‘Rufs des Königs’
vergriffen?
Die beiden Medien sprechen weiter von einer „problematischen persönlichen Verstrickung“
zwischen Pater Hönisch und Clausen.
Doch worin bestand diese inhaltlich? ‘Pur-Magazin’ und ‘kath.net’
geben auf so grundlegende Fragen keine Antwort.
Besonders übelgenommen wird dem Verstorbenen von ‘Pur-Magazin’
und ‘kath.net’ seine – Zitat – „entschiedene Ablehnung der Marienerscheinungen in Medjugorje“.
Das ist
eine Ausdrucksweise, mit der die beiden Medien deutlich über einen legitimen und kirchlich sanktionierten
Sprachgebrauch hinausgehen.
Dagegen war die Medjugorje-Kritik von Pater Hönisch kirchlich einwandfrei.
Dennoch unterstellen ihm ‘Pur-Magazin’ und ‘kath.net’, daß diese kirchliche Haltung ihn „in den letzten
Jahren in Distanz zu engagierten katholischen Jugendlichen und neuen kirchlichen Bewegungen gebracht“
habe.
Pater Hönisch sei in den letzten Jahren an den „religiösen Neuaufbrüchen“ katholischer Jugendgruppen
kaum mehr beteiligt gewesen.
Es ist trotzdem anzunehmen, daß alle Medjugorje-Grüppchen des deutschen
Sprachraums zusammengenommen weniger Mitglieder besitzen als die ‘Katholische Pfadfinderschaft Europas’.
Um den Behauptungen des ‘Pur-Magazins’ mehr Gewicht zu geben, lobt ‘kath.net’ die Zeitschrift als „eines
der wichtigsten katholischen Nachrichtenmagazine im deutschen Sprachraum“, das seit 2007 auch Herausgeber
des ‘Vatican-Magazins’ sei.
Da scheint sich eine lustige neokonservative Koalition zusammenzufinden,
für die es nur noch einen Glaubenssatz gibt – das Medjugorje-Dogma.