Montag, 14. Februar 2005 13:36
Der ehemalige Erzbischof von Sao Paulo, Paulo Evaristo Arns, glaubt, daß der Papst zurücktreten sollte und spricht von persönlichen Begegnungen und Erlebnissen mit dem Heiligen Vater.

(kreuz.net, Sao Paolo) In einem am Sonntag publizierten Interview mit der brasilianischen Tageszeitung
„O Estado de S. Paulo“ hat Paulo Evaristo Kardinal Arns (83), der ehemalige Erzbischof von Sao Paulo in
Brasilien gesagt, daß der Papst zurücktreten sollte.
Er habe zu diesem Thema mit anderen Bischöfen
gesprochen. Sie seien ebenfalls zum gleichen Ergebnis gekommen: „Ja, es ist Zeit, daß der Papst auf sein
Amt verzichtet.“
Kardinal Arns ist deutscher Muttersprache und stammt aus einer deutschen Kolonie in
Brasilien. Er war Franziskaner und von 1970 bis 1998 Erzbischof von Sao Paulo, die damals eine der größten
Diözesen der Welt war. Er habe mit dem Papst schon vor fünf oder sechs Jahren über das Thema eines
Rücktrittes gesprochen.
Kardinal Arns erinnert sich, daß sich der Papst damals bereits mit Mühe fortbewegte
und ihm – wie immer – auf Deutsch sagte: „Paulo, von hier bis oben“ – der Papst zeigte von der Brust richtung
Kopf – „fühle ich mich ganz.“
„Ich bin immer noch die gleiche Person, die in den Vatikan kam, um Papst
zu sein. Ich sehe keinen Grund zurückzutreten. Der Kopf, das Herz und meine Organe sind in Ordnung“,
habe der Papst damals zu Kardinal Arns gesagt.
Nach dieser Zusammenkunft hätten sich die Beschwerden
allerdings verschärft. Deren Ursprung sei zum Teil bis auf das Attentat im Jahre 1981 zurückzuführen.
Im Interview äußerte sich Kardinal Arns auch über den Charakter des Papstes und fügte hinzu, daß
er ihn immer respektiert und öffentliche Kritiken vermieden habe.
Kardinal Arns erklärt, daß der Papst
einige Schlußberichte von Bischofssynoden selbst überarbeitete oder überarbeiten ließ und daß „er
sie auf eine Weise umschrieb, welche den Sinn dessen, was die Bischöfe diskutiert hatten, nicht mehr
wiedergab.“
Der starke Charakter des Papstes habe sich in verschiedenen Umständen und in praktisch allen
behandelten Themen gezeigt. Auch sei der Papst ein Mann dem es gefalle, „wenn seine Autorität anerkannt
wird“.
Kardinal Arns sprach ferner von der Vorherrschaft der Römischen Kurie bei der Lenkung des Vatikans,
auch wenn der Papst ihm einmal, als sie über dieses Thema gesprochen hätten, gesagt habe: „Die Kurie
bin ich.“
„Wenn der Papst abwesend ist, dann entscheidet die Kurie. Auch wenn das Bild eines pilgernden
Papstes segensreich war, so hat es auch dazu geführt, daß interne Probleme der Kirche möglicherweise
vernachlässigt worden sind.“
Paulo Evaristo Kardinal Arns wurde 1921 in eine deutsche Kolonie, die in
Brasilien siedelte, hineingeboren. 1943 wurde er zum Priester geweiht und 1966 zum Bischof konsekriert.
Papst Paul VI. ernannte ihn 1973 zum Kardinal. In dieser Gruppe von Neo-Kardinälen war auch Erzbischof
Albino Luciani, der damalige Patriarch von Venedig und spätere Papst Johannes Paul I. 1998 trat Kardinal
Arns aus Altersgründen zurück. Arns war ein großer Förderer der sogenannten Befreiungstheologie.