Montag, 18. Februar 2008 09:31
Wie lange werden Kirchenvertreter noch die abgekarteten Interviews kirchenfeindlicher Medien über sich ergehen lassen. Ein Fallbeispiel.


Bischof Vitus Huonder von Chur
(kreuz.net) Nicht ganz so plump wie das Zürcher Schwesterblatt ‘Tages-Anzeiger’ hat sich die traditionell
antikatholische ‘Neue Züricher Zeitung’ bemüht, den Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder, als prinzipienreitenden
Legalisten hinzustellen.
Die Zeitung benützte zuerst Titel und Vorspann eines Interviews mit dem Bischof,
um diesen fertigzumachen.
Der von der Zeitung gewählte Titel des Interviews lautet: „Unsere Kirche hat
Prinzipien“.
Im Kurztext heißt es mit der für die antikirchliche Berichterstattung Schweizer Medien
typischen Schwarz-Weiß-Schablone:
Mons. Huonder wolle sein Bistum „streng“ nach den Vorgaben des Kirchenrechts
führen. Kritik aus Zürich „weise er zurück“, von den Laien verlange er „Loyalität“.
Zudem kritisiere
er den Umgang der Medien mit Priestern unter Pädophilieverdacht.
Es ist klar: Ein Bischof, der sich
nicht im Sinne der chinesischen Kulturrevolution in zerknirschter Selbst- und Kirchenkritik übt, ist
für die ‘Neue Zürcher Zeitung’ ein schlechter Bischof.
Wer sich nach dieser schwarz-weißen Einleitung
dennoch die Mühe macht, das Interview zu lesen, begegnet einem Oberhirten, der sachlich, fair und einleuchtend
argumentiert.
Seine beiden Interviewpartner, Heidi Gmür und Pascal Hollenstein, bleiben dagegen auf
dem Niveau von Auswendiggelerntem.
Implizit werfen sie dem Bischof eine „strenge“ Treue dem Kirchenrecht
gegenüber vor.
Der Grund: Er hat das Churer Kuriosum einer Existenz von bisher drei Generalvikaren beendet
und will die kirchlich verbotene Laienpredigt zurückdrängen.
Rückfrage an die ‘Neue Zürcher Zeitung’:
Ist es schlecht, wenn sich ein Bischof, ein Politiker, Bürger oder sonst jemand an das Recht hält?
Die Zeitung kritisiert zwei der neuernannten Zürcher Bischofsvikäre. Der Bischof kontert: Haben diese
beiden Priester weniger Toleranz verdient als die anderen?
Das nächste Reizthema: die Laienpredigt während
der Messe. Der Bischof dazu: Was hat es für einen Sinn, einen Laien während der Messe predigen zu lassen,
wenn ein Priester sowieso da ist.
Dann die obligatorische Frage nach dem Opus Dei. Was soll der Bischof
dazu sagen? Daß deren Mitglieder Teufel sind?
Nächstes Thema: Ausgegrabene Pädophilievorwürfe an
Geistliche vergangener Jahrzehnte. Der Bischof: Das Problem sei früher – nicht nur in der Kirche – anders
gehandhabt worden.
Hat der Bischof mit dem Interview etwas bewirkt? Das ist nicht anzunehmen.
Die nächste
Zeitung wird ihm wieder die gleichen Fragen stellen.
© Titelbild: Webseite Bistum Chur