Montag, 14. Februar 2005 15:35
Zwei Benediktinermönche unter ETA-Verdacht
Zwei baskischen Benediktinern werden Kontakte mit der terroristischen Befreiungsorganisation ETA vorgeworfen. Vergangenen Freitag wurden beide von der Polizei einvernommen. „Was heute Terrorismus und Politik ist, wird morgen Geschichte sein.“
Pater Juan José Aguirre Beguiristain
Pater Juan José Aguirre Beguiristain
(kreuz.net, ) Am Freitagmorgen wurden zwei baskische Benediktinermönche wegen einer angeblichen Verbindung mit der terroristischen baskischen Befreiungsorganisation ETA von der Polizei einvernommen. Einer der Mönche lebt im französischen und der andere im spanischen Baskenland. Das berichtete die spanische Presse.

Die Basken sind ein vorindoeuropäischer Volksstamm im westlichen Teil der Pyrenäen bis an den Golf von Biskaya. 500.000 Basken leben unter spanischer und 120.000 Basken unter französischer Herrschaft. Die Herkunft ihrer Sprache ist bisher ungeklärt.

Die baskische Frage wurde sowohl in Spanien als auch in Frankreich aufgrund der herrschenden Staatsideologien in der Vergangenheit fast immer zugunsten der Zentralmacht entschieden. Baskische Priester waren immer schon im nationalen Widerstand engagiert.

Der erste einvernommene Benediktiner ist Pater Juan José Aguirre Beguiristain (74). Er ist der Direktor des Archivs des Benediktinerklosters von Lazkao in der Provinz Guipúzcoa im spanischen Teil des Baskenlandes. Aus dieser Provinz stammt übrigens ein anderer berühmter Baske, der heilige Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens.

Pater Aguirre ist ausgebildeter Bibliothekar. Seit 1973 führt er die Bibliothek seines Klosters und hat dort geheime baskische Informationen aus der Zeit der Herrschaft von General Franco bis in die Gegenwart gesammelt. Dazu gehören Bücher, Zeitschriften und geheime Publikationen. Die Bibliothek wird von Wissenschaftlern und Doktoranten aus der ganzen Welt besucht.

Kenner und Mitarbeiter des Paters bestätigten einer spanischen Presseagentur, daß die terroristische Befreiungsorganisation ETA dem Archiv regelmäßig Dokumente zukommen läßt. Dazu gehört auch das interne Mitteilungsblatt der Organisation. Pater Agirre archiviert die Dokumente mit der Begründung, daß das, „was heute Terrorismus und Politik ist, morgen Geschichte sein wird“.

Im Archiv des Klosters, das mit Mitteln der Baskischen Lokalregierung computerisiert wurde, finden sich wichtige geschichtliche Dokumente wie die Gründungsakte der ETA. Der Pater hat in der Vergangenheit selber Befürchtungen geäußert, daß seine Tätigkeit als Archivar zu Problemen mit der Polizei führen könnte.

Die Fahndungsbehörden verdächtigen Pater Aguirre, als Postbote des Anführers der ETA, Mikel Albisu, gewirkt zu haben. Albisu wurde im letzten Oktober von der französischen Polizei verhaftet. Der Pater wurde aufgrund eines Antrags der französischen Richterin Laurence Le Vert verhört. Frau Le Vert befaßt sich mit dem Antiterrorismus.

Die spanische Polizei verließ das Kloster nach vier Stunden. Der Mönch konnte im Kloster verbleiben, muß sich aber für weitere Abklärungen zur Verfügung halten. Er erklärte, niemals direkte Kontakte mit der ETA unterhalten zu haben. Die Polizei verließ das Kloster, ohne irgend etwas mitzunehmen.

Gleichzeitig wurde im französischen Baskenland ein weiterer Benediktinermönch, Pater Marcel Etxeandia (72), verhaftet. Er gehört zum Benediktinerkloster von Urt im Osten von Bayonne und stammt ursprünglich aus Navarra in Spanien.

Pater Etxeandia hat viele Bücher sowohl in baskischer als auch in französischer Sprache verfaßt. Er trat 1943 ins Benediktinerkloster Notre Dame de Belloc in Urt ein und studierte in Rom. Die Mönche des Klosters waren von seiner Verhaftung überrascht.

Bereits vor einigen Jahren wurde das Kloster Notre Dame de Belloc von der Polizei auf Kontakte mit der ETA untersucht. Die Fahnder stießen aber auf keine Anhaltspunkte. Im Jahre 1962 war dieses Kloster der Ort der ersten Zusammenkünfte der ETA, nachdem die ersten Attentate bereits stattgefunden hatten. Bei diesen Treffen wurden sechs Arbeitsgruppen gebildet, die sich unter dem Namen „Baskische revolutionäre Bewegung für die Nationale Befreiung“ organisierten.

Seit Sonntag nachmittag ist der Benediktiner wieder auf freiem Fuß. Dem Mönch war vorgeworfen worden, er habe als „Briefkasten“ für die ETA fungiert.
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