Montag, 25. Februar 2008 10:56
Während seiner Zeit in Bonn predigte der Theologieprofessor Joseph Ratzinger regelmäßig dort. Jetzt geht es der Kirche an den Kragen.


Die Namen-Jesu-Kirche in Bonn
(kreuz.net, Bonn) Die Zukunft der Namen-Jesu-Kirche in Bonn liegt im ungewissen. Das berichtete der ‘Kölner
Stadt-Anzeiger’ am 19. Februar.
Das Bonner Gotteshaus befindet sich in der Bonngasse in der Fußgängerzone
der Innenstadt. Dort steht auch das Geburtshaus von Ludwig van Beethoven († 1827).
Die Namen-Jesu-Kirche
gehört dem Land Nordrhein-Westfalen. Sie wurde im Jahr 1717 eingeweiht. In den frühen 60er Jahren predigte
der damalige Bonner Theologieprofessor Joseph Ratzinger dort regelmäßig.
Zuletzt nutzte die Katholische
Hochschulgemeinde die Barock-Kirche. Doch seit Mitte letzten Jahres hat die zuständige Bonner Münsterpfarrei
erklärt, für die Kirche keine Verwendung mehr zu haben.
Jetzt sucht das Land Nordrhein-Westfalen für
das nutzlose Gotteshaus eine Verwendung.
Der Bonner Kunsthistoriker Gisbert Knopp möchte die Kirche
in ein Veranstaltungsgebäude umwandeln: „Sie könnte Aula, Konzert- oder auch Konferenzsaal werden“ –
zitiert ihn der ‘Kölner Stadt-Anzeiger’.
Doch diese Lösung würde einen teuren Umbau voraussetzen.
Die Kirche besitzt kaum eine Heizung und keine Entlüftungsanlage. Die Säulen leiden an der Feuchtigkeit
aus dem Fußboden. Es fehlen Nebenräume und Toiletten. Die Fenster sind morsch, die Türme notsaniert.
Gegenwärtig wird über dem Kirchenportal ein Schutzgerüst angebracht, um Passanten vor möglicherweise
herabfallenden Fassadenteilen zu schützen.
Einst galt die Vorderansicht der Kirche dem bekannten Bonner
Kunsthistoriker Paul Clemen († 1947) als schönste Barock-Fassade der ganzen Rheinprovinz.
Doch das Land
Nordrhein-Westfalen will für das Innere der Kirche kein Geld ausgeben. Darum steht auch ein Verkauf im
Raum.
Es ist unter anderem die Rede von Einzelhandel für Damenoberbekleidung.
Der Hof rechts neben
der Kirche könnte mit Glas überdacht als Gastronomiebereich verwendet werden.
Landeskonservator Udo
Mainzer sieht das Ende des Gotteshauses mit Gelassenheit. Viele Kirchen seien heute nur darum erhalten,
weil sie zeitweise umgenutzt worden seien.
Mainzer gibt als Beispiel den Altenberger Dom 35 Kilometer
nördlich von Köln, der zeitweise als chemische Fabrik genutzt wurde. Der Kölner Dom war gar ein Pferdestall.
Die Architekturhülle einer Kirche müsse erhalten bleiben.
Bei der Ausstattung gebe es verschiedene
Vorgehensweisen. Mainzer rät Bistümern, die Kirchen zumachen, in einem leerstehenden Gotteshaus Depots
anzulegen.
Wichtigste Prämisse des Denkmalschutzes: „Alle Umnutzungen sollten so sein, daß sie reversibel
sind.“
© Titelbild: Flickr-Benützer „russtproof“, CC