Dienstag, 15. Februar 2005 10:46
Wegen der anhaltenden Skandale im Klerus der orthodoxen Gemeinschaft in Griechenland tritt jetzt das oberste Leitungsgremium, der Heilige Synod, zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

(kreuz.net, Athen) Die orthodoxe Gemeinschaft in Griechenland plant ein Gipfeltreffen, um die
anhaltenden
Skandale, in welche orthodoxe Gottesmänner verwickelt sind, zu diskutieren. Das berichtete gestern der
britische Rundfunk.
Erst kürzlich wurde in Griechenland ein orthodoxer Metropolit und Bischof unter
dem Vorwurf der Veruntreuung suspendiert. Ein Priester ist gegenwärtig sogar in Haft. Er ist des illegalen
Antiquitätenhandels angeklagt. Ebenfalls soll er sein Geld dazu verwendet haben, um Richter zu bestechen
und den Ausgang von Gerichtsverhandlungen zu manipulieren.
Die orthodoxe Gemeinschaft ist in Griechenland
sehr einflußreich. 97% der Bevölkerung bezeichnen sich als griechisch-orthodox. Die Autorität der Kirche
ist von der Staatsverfassung anerkannt.
Jetzt zeigen angeblich zwei Meinungsumfragen, die von zwei landesweit
erscheinenden Tageszeitungen durchgeführt wurden, daß sich eine Mehrheit der Bevölkerung eine Trennung
von Kirche und Staat wünscht.
Die jüngsten Skandale haben sogar den gegenwärtigen griechischen Premierminister
Costas Karamanlis alarmiert. Er rief den Klerus auf, die Ordnung in den eigenen Reihen wiederherzustellen.
Karamanlis gehört zur Konservativen Partei, die traditionell enge Bindungen zu den Orthodoxen unterhält.
Der Heilige Synod, der die oberste kirchliche Entscheidungsbehörde der Orthodoxen in Griechenland ist,
hat am nächsten Freitag und Samstag eine Krisensitzung anberaumt, um die offizielle kirchliche Antwort
auf die Skandale zu beschließen.
Beobachter sind der Auffassung, daß der Druck der öffentlichen Meinung
die Bischöfe dazu geführt habe, ihren ursprünglichen Widerstand gegen eine offizielle Diskussion der
Probleme aufzugeben. Der Krisengipfel ist das erste Zusammentreffen dieser Art in der griechisch-orthodoxen
Gemeinschaft der Neuzeit.
Der Skandal brach Anfang Februar aus, als der Archimandrit Iavkos Giosakis
angeklagt wurde, Antiquitäten geschmuggelt und Richter bestochen zu haben. Ein Archimandrit ist ein unverheirateter
Diözesanpriester.
Vier Richter sind ebenfalls angeklagt, in den Skandal verwickelt zu sein.
Anschließend
wurde ein weiterer Gottesmann, der Metropolitanbischof Panteleimon von Attika in der Nähe von Athen von
den kirchlichen Oberen suspendiert. Es wird ihm Veruntreuung vorgeworfen. Der Bischof bestreitet die Anschuldigungen.
In der Zwischenzeit forderten linke Oppositionsparteien eine Trennung von Kirche und Staat.