Montag, 3. März 2008 10:30
Wer heute von der kirchlichen Mitte spricht, der meint die Linke. Ehrlich währt am längsten. Ein Kommentar.


Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg
(kreuz.net) Die durch das
Interview des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ausgelöste
mediale Aufgeregtheiten könnte man eigentlich auf sich beruhen lassen.
Das erklärt Klaus Nientiedt
(54) in einem Kommentar unter dem Titel „Brückenbauer“, der im ‘Konradsblatt’ publiziert wurde.
Das
‘Konradsblatt’ ist die Diözesanzeitung der Erzdiözese Freiburg. Nientiedt ist seit 1998 deren Chefredaktor.
Doch Nientiedt glaubt, daß Vorgänge wie diese „für die momentane kirchliche Situation“ typisch seien.
„Man vergegenwärtige sich noch einmal, was hier eigentlich stattgefunden hat“ – beschwört er die Lage:
„Mit theologischen und kirchlich-pastoralen Aussagen, die einen eigentlich als Vertreter des kirchlichen
»Mainstreams«, der Mitte ausweisen, kommt der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz mit bestimmten
Teilen des Katholizismus in die Bredouille.“
Wundert sich Nientiedt im Ernst, daß die altbekannte Andeutungs-
und double-speech-Taktik, die sich in die angebliche Mitte positioniert und gleichzeitig nach links schielt,
den Bischöfen inzwischen nicht mehr abgenommen wird?
Es hat sich herumgesprochen, daß man Bischöfe
nicht beim Wort nehmen darf, weil sie sich gewöhnlich drehen und wenden wie Reptilien. Bei Bischöfen
muß man die Kunst beherrschen, zwischen den Zeilen zu lesen.
Darum ist auch Nientiedts folgende Klage
verfehlt:
„Als unangemessen »liberal« und »progressiv« gilt bereits jemand, der lediglich darstellt,
was in jedem einigermaßen repräsentativen theologisch-pastoralen Handbuch nachzulesen ist und was auch
die Ausbildungspraxis in den meisten deutschsprachigen Seminaren prägt.“
Die Anführungszeichen vor
„liberal“ und „progressiv“ hätte er weglassen können.
Denn wer sich auf „einigermaßen repräsentative
theologisch-pastorale Handbücher“ oder die Ausbildungspraxis an den leeren Priesterseminaren beruft,
der landet in der linken und häufig in der ultralinken Ecke.
Darum klingt es wie ein schlechter Scherz,
wenn Nientiedt die jüngste Zölibats-Diskussion auf die angebliche Tatsache zurückführt, daß sich
die Kirche gegenwärtig in einem „restaurativen Klima“ befinde.
In diesem Klima werde versucht, alles,
„was da nicht hineinzupassen scheint, auszugrenzen.“
Wie bitte? Über welche „Ausgrenzung“ wollen die
Linken jammern, solange Bischofskonferenzen, Klerus, Kirchenzeitungen, theologische Fakultäten, katholische
Verlage, Zeitschriften, Diözesanbürokratien, Laienorganisationen, Pfarrgemeinderäte felsenfest in ihrer
Hand sind?
Ausgrenzung des Katholischen ist seit Jahrzehnten das Programm der linken Zwingherren, welche
die Kirche seit dem Konzil mit Intoleranz und unbarmherziger Härte in der babylonischen Gefangenschaft
halten.
Gibt es in Deutschland noch einen einzigen katholischen Theologieprofessor, der sich ohne tausendfaches
Wenn und Aber zum Katholizismus bekennt?
Statt sich dieser Wirklichkeit zu stellen, zieht es Nientiedt
vor, eine lächerliche Verschwörungstheorie zu konstruieren:
„Hier ist ein eigenes Milieu entstanden,
das – hoch vernetzt und jederzeit auf dem Sprung, sich zu Wort zu melden – die kirchliche Tagesordnung
diktiert.“
Meint der Chefredaktor hier ‘kreuz.net’ oder hat er sonst noch jemanden im Auge?
Gott gebe,
daß ein solches hochvernetztes Milieu einmal entstehen möge. Aber es ist des Optimismus zuviel, seine
Geburt schon jetzt zu beklagen.
Nientiedt zitiert im weiteren einen „prominenten Priester“ des Erzbistums
Freiburg.
Dieser habe vor einem halben Jahr sinngemäß gesagt, daß die katholische Kirche sich doch
„endlich wieder“ um die „Fragen und Anliegen der kirchlichen Mitte“ kümmern solle.
Das ist ein weiteres
verbales Ablenkmanöver.
Denn erstens hält sich jeder Egoist und jeder Extremist für die Mitte der
Welt und zweitens geht es in der Kirche nicht um politische Positionsbestimmungen, sondern um die katholische
Wahrheit.
Diese ist weder links rechts oder in der Mitte, sondern eben „wahr“ – im Gegensatz zu „falsch“.
Wer von Ortsbestimmungen statt von Sachverhalten spricht, beweist, daß es ihm nicht um Wahrheit, sondern
um Politik geht, wie zum Beispiel in folgender Aussage von Nientiedt:
„Man droht sonst zunehmend den
Kontakt zu zentralen und tragenden Teilen in den Gemeinden und kirchlichen Gruppierungen zu verlieren.“
Diese Aussage ersetzt die Theologie, die einstmals von Gott als Mitte, Inhalt und Fundament der Kirche
und Gläubigen sprach, durch einen wahrheitslosen Mode-Konsens.
In diesem Sinn fährt Nientiedt weiter:
„Im Zusammenhang mit der Wahl des Nachfolgers von Kardinal Lehmann als Konferenzvorsitzendem fiel auffallend
häufig das Wort vom »Brückenbauer«.“
Die katholische Kirche brauche mehr denn je Brückenbauer –
erklärt er.
Mit diesem zu häufig gehörten Rezept bleibt Nientiedt aber auf der Ebene der Symptombekämpfung.
Wo Brücken notwendig sind, da sind Gräben aufgerissen worden. Diese müssen nicht überbrückt oder
überdacht, sondern mit dem Kitt der Wahrheit geschlossen werden.
Wer in dieser Situation statt dessen
in der Mitte stehenbleibt, der schwebt über dem Abgrund.