Die Art der heutigen Handkommunion gleiche auf eine gewisse Art der „Selbstkommunizierung“. Ein Bischof räumt mit den Argumenten auf, die bei der Einführung der Mundkommunion verwendet wurden.
Weihbischof Schneider erklärt auf ‘gloria.tv’ die Handkommunion.
(kreuz.net) Mons. Athanasius Schneider, der Weihbischof von Karaganda in Zentralkasachstan, sprach am
vergangenen Wochenende mit der katholischen Videowebseite ‘gloria.tv’ über sein vor kurzem auf Italienisch
erschienenes Buch ‘Dominus est’ – ‘Es ist der Herr’.
Das Werk solle dazu beitragen, die Heiligkeit der
Eucharistie und der Kommunion hervorzuheben. Insbesondere ermutige die Schrift zum Empfang der knieenden
Mundkommunion.
Mons. Schneider gehört den ‘Regularkanonikern vom Heiligen Kreuz’ – dem Orden des Engelwerkes –
an.
Als Bischof – so Mons. Schneider gegenüber dem Internetfernsehen – dürfe er „nicht schweigen zu
dem Zustand, der objektiv in vielen Kirchen herrscht“.
Im Video-Interview entkräftet Mons. Schneider
das Argument, wonach der Mensch mit dem Mund mehr sündige als mit der Hand. Diese Behauptung ist für
den Weihbischof „völlig fehl am Platz“ und „nicht intelligent“.
Auch wer die Kommunion mit der Hand
empfange, lege sie nachher auf die Zunge. Außerdem könne nicht ein Körperteil des Menschen sündigen.
Wer sündige, sei das Innere des Menschen, so Mons. Schneider.
In dem Interview beschreibt Weihbischof
Schneider auch die antike Mundkommunion.
Bei der Einführung der Handkommunion habe man das Argument
der im ersten Jahrhundert gebräuchlichen Handkommunion „tendenziös“ verwendet. Die damalige Praxis sei
keine Handkommunion im heutigen Sinn gewesen.
„Die heutige Form der Handkommunion war nie da:“
Damals
sei die Kommunion auf die rechte Hand empfangen und dann direkt mit der Zunge aufgenommen worden. Gleichzeitig
habe man eine tiefe Verbeugung gemacht. Der Empfang mit der linken Hand – so wie heute gebräuchlich –
wäre dem Altertum „ein Gräuel“ gewesen, erklärt Mons. Schneider.
Die Frauen hätten in der Antike
ein weißes Tuch – ein Corporale – mitgebracht, auf dem sie die heilige Kommunion empfingen. Die Hand
habe in der Antike – so die Schlußfolgerung des Weihbischofs – in etwa die Funktion einer Patene bzw.
eines Corporale gehabt. Die Hand bzw. das Tüchlein seien anschließend gereinigt worden.
In der heutigen
Praxis werde die Kommunion auf die linke Hand gelegt. Anschließend greife der Gläubige mit den Fingern
nach der Kommunion: „Das ist ein Greifen nach. Das ist eine gewisse Art der Selbstkommunizierung“, so
Weihbischof Schneider.
Dieses Greifen nach sei sehr profan. Hier werde der Unterschied zwischen einer
alltäglichen Speise und dem Sakralen verwischt.
Weihbischof Schneider beklagt auch, daß die Austeilung
der Heiligen Kommunion heute vielfach „wie die Austeilung von Keksen“ funktioniere.
Bei der neuen Art
der Handkommunion sei von der Geste her der Ausdruck der Empfangsbereitschaft auf ein Minimum reduziert.
Von der äußeren Form her wäre es besser gewesen, die alte Form der Handkommunion einzuführen, resümiert
der Weihbischof. Aber die Berufung auf eine Praxis aus dem ersten Jahrhundert sei ein „liturgischer Archäologismus“.
Dieser sei vom kirchlichen Lehramt verurteilt worden.
Die „tiefere Einsicht in die Größe der heiligen
Kommunion“ habe im 6. Jahrhundert „instinktiv“ dazu geführt, daß die Handkommunion durch die Mundkommunion
abgelöst wurde.
Das sei ein organisches Wachstum gewesen. Die moderne Einführung der Handkommunion
war für den Bischof nicht „das Produkt einer jahrhundertelangen Vertiefung in der Frömmigkeit“, sondern
geschah zuerst aus Ungehorsam und wurde anschließend von Rom legitimiert.
Das Buch ‘Dominus est’ erschien
vor etwa einem Monat in der vatikanischen Buchhandlung. Die deutsche Übersetzung ist derzeit in Arbeit.