Montag, 3. März 2008 20:55
Handkommunion: Wie die Verteilung von Keksen
Die Art der heutigen Handkommunion gleiche auf eine gewisse Art der „Selbstkommunizierung“. Ein Bischof räumt mit den Argumenten auf, die bei der Einführung der Mundkommunion verwendet wurden.
Weihbischof Schneider erklärt auf 'gloria.tv' die Handkommunion.
Weihbischof Schneider erklärt auf ‘gloria.tv’ die Handkommunion.
(kreuz.net) Mons. Athanasius Schneider, der Weihbischof von Karaganda in Zentralkasachstan, sprach am vergangenen Wochenende mit der katholischen Videowebseite ‘gloria.tv’ über sein vor kurzem auf Italienisch erschienenes Buch ‘Dominus est’ – ‘Es ist der Herr’.

Das Werk solle dazu beitragen, die Heiligkeit der Eucharistie und der Kommunion hervorzuheben. Insbesondere ermutige die Schrift zum Empfang der knieenden Mundkommunion.

Mons. Schneider gehört den ‘Regularkanonikern vom Heiligen Kreuz’ – dem Orden des Engelwerkes – an.

Als Bischof – so Mons. Schneider gegenüber dem Internetfernsehen – dürfe er „nicht schweigen zu dem Zustand, der objektiv in vielen Kirchen herrscht“.

Im Video-Interview entkräftet Mons. Schneider das Argument, wonach der Mensch mit dem Mund mehr sündige als mit der Hand. Diese Behauptung ist für den Weihbischof „völlig fehl am Platz“ und „nicht intelligent“.

Auch wer die Kommunion mit der Hand empfange, lege sie nachher auf die Zunge. Außerdem könne nicht ein Körperteil des Menschen sündigen. Wer sündige, sei das Innere des Menschen, so Mons. Schneider.

In dem Interview beschreibt Weihbischof Schneider auch die antike Mundkommunion.

Bei der Einführung der Handkommunion habe man das Argument der im ersten Jahrhundert gebräuchlichen Handkommunion „tendenziös“ verwendet. Die damalige Praxis sei keine Handkommunion im heutigen Sinn gewesen.

„Die heutige Form der Handkommunion war nie da:“

Damals sei die Kommunion auf die rechte Hand empfangen und dann direkt mit der Zunge aufgenommen worden. Gleichzeitig habe man eine tiefe Verbeugung gemacht. Der Empfang mit der linken Hand – so wie heute gebräuchlich – wäre dem Altertum „ein Gräuel“ gewesen, erklärt Mons. Schneider.

Die Frauen hätten in der Antike ein weißes Tuch – ein Corporale – mitgebracht, auf dem sie die heilige Kommunion empfingen. Die Hand habe in der Antike – so die Schlußfolgerung des Weihbischofs – in etwa die Funktion einer Patene bzw. eines Corporale gehabt. Die Hand bzw. das Tüchlein seien anschließend gereinigt worden.

In der heutigen Praxis werde die Kommunion auf die linke Hand gelegt. Anschließend greife der Gläubige mit den Fingern nach der Kommunion: „Das ist ein Greifen nach. Das ist eine gewisse Art der Selbstkommunizierung“, so Weihbischof Schneider.

Dieses Greifen nach sei sehr profan. Hier werde der Unterschied zwischen einer alltäglichen Speise und dem Sakralen verwischt.

Weihbischof Schneider beklagt auch, daß die Austeilung der Heiligen Kommunion heute vielfach „wie die Austeilung von Keksen“ funktioniere.

Bei der neuen Art der Handkommunion sei von der Geste her der Ausdruck der Empfangsbereitschaft auf ein Minimum reduziert.

Von der äußeren Form her wäre es besser gewesen, die alte Form der Handkommunion einzuführen, resümiert der Weihbischof. Aber die Berufung auf eine Praxis aus dem ersten Jahrhundert sei ein „liturgischer Archäologismus“. Dieser sei vom kirchlichen Lehramt verurteilt worden.

Die „tiefere Einsicht in die Größe der heiligen Kommunion“ habe im 6. Jahrhundert „instinktiv“ dazu geführt, daß die Handkommunion durch die Mundkommunion abgelöst wurde.

Das sei ein organisches Wachstum gewesen. Die moderne Einführung der Handkommunion war für den Bischof nicht „das Produkt einer jahrhundertelangen Vertiefung in der Frömmigkeit“, sondern geschah zuerst aus Ungehorsam und wurde anschließend von Rom legitimiert.

Das Buch ‘Dominus est’ erschien vor etwa einem Monat in der vatikanischen Buchhandlung. Die deutsche Übersetzung ist derzeit in Arbeit.
Copyright © 2008 kreuz.net