Donnerstag, 6. März 2008 10:52
Betäubter Schafhirt?
Was die Bibel über Gotteserscheinungen berichtet, ist nur die Folge eines simplen Drogenrausches. Die Märchenexegese hat inzwischen auch das Judentum erreicht.
Mosesdarstellung des spanischen Malers Jusepe de Ribera († 1652)
Mosesdarstellung des spanischen Malers Jusepe de Ribera († 1652)
(kreuz.net) Der israelische Psychologe Benny Shanon (59) glaubt, daß die in der Bibel berichteten Gotteserscheinungen des Moses keine übernatürlichen Ereignisse sind.

Darüber berichtete die in Graz erscheinende ‘Kleine Zeitung’ am 4. März.

Shanon ist Professor für kognitive Psychologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Seiner Ansicht nach stand Moses unter Drogen, als er auf dem Berg Sinai Gott hörte und von ihm die Tafeln mit den Zehn Geboten empfing.

Jetzt behauptet Shanon, daß bewußtseinsverändernde Halluzinogene bei den religiösen Riten der Israeliten im biblischen Zeitalter angeblich eine „wichtige Rolle“ gespielt hätten.

Darstellung des britischen Malers John Millais († 1896) Moses muß während der Schlacht die Arme nach oben halten, um zu siegen. Typologie der Kreuzeshaltung Christi.
Darstellung des britischen Malers John Millais († 1896)

Moses muß während der Schlacht die Arme nach oben halten, um zu siegen. Typologie der Kreuzeshaltung Christi.
In der Bibel gibt es diesbezüglich keine Hinweise.

Seine These verbreitete Shanon in einem Artikel in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift für Philosophie ‘Time and Mind’.

Der Psychologe glaubt im Fall des Moses nicht an ein „übernatürliches, kosmisches Ereignis“ oder an eine bloße Legende.

Ein Vorfall, der sich unter Drogeneinfluß ereignet habe, sei „viel wahrscheinlicher“ – sagte Shanon am Dienstag im israelischen Radio.

Auch als Moses den brennenden Dornbusch sah, stand er nach Ansicht von Shanon unter dem Einfluß von Betäubungsmittel, obwohl er nach Angaben der Bibel damals gerade beim Hüten von Schafen war.

Der Grund für Shanons Theorien scheint in seiner persönlichen Erfahrung zu liegen.

Der Psychologe hat während einer religiösen Zeremonie im brasilianischen Amazonas-Regenwald selber pflanzliche Drogen zu sich genommen: „Ich bekam Visionen, die religiös-spirituelle Bedeutung hatten.“

In den letzten zehn Jahren beschäftigte er sich vor allem mit dem Geisteszustand, der durch die Einnahme von Ayahuasca bewirkt wird.

Es handelt sich dabei um ein halluzinogenes Gebräu aus dem Regenwald des Amazonas.

Die Substanz, welche die dortigen Völker noch heute bei ihren Riten einnehmen, sei derjenigen ähnlich, die aus der Rinde des Akazienbaums gewonnen werde.

Dieser Baum werde in der Bibel häufig erwähnt, erklärte der angebliche Wissenschafter. Er enthält eine stark halluzinogene Substanz.

Bibelwissenschaftler sind von Shanons Theorien nicht beeindruckt: „Der arme Shanon hat nicht begriffen, daß es Moses gar nicht gegeben hat“ – erklärte ein Alttestamentler in einem US-Weblog.
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