Montag, 10. März 2008 10:53
Die Welt dreht sich um die Alte Liturgie: Jetzt möchte sogar eine Delegation des Jerusalemer Großrabbinates darüber diskutieren.


Rabbiner am Flughafen Tel Aviv in Israel
(kreuz.net) Papst Benedikt XVI. hat keine Absicht, die für den Alten Ritus neuformulierte Karfreitags-Fürbitte
um die Bekehrung der Juden noch einmal zu ändern.
Das erklärte der Kurienkardinal Walter Kasper nach
Angaben der französischen Tageszeitung ‘Le Monde’ im Ersten Deutschen Fernsehen.
Kardinal Kasper ist
der Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, dem auch der Dialog mit dem Judentum
obliegt.
Die Sendung wird heute abend ausgestrahlt.
Die Fürbitte sei „auf theologischer Ebene“ korrekt –
erklärte der Kardinal. Der Papst werde die Fürbitte so sein lassen, wie sie ist.
Es sei „für die Juden“
einfach schwierig, die Fürbitte anzunehmen.
Am vergangenen Dienstag hatte der Kardinal angekündigt,
daß sich eine Delegation des großen Rabbinates von Jerusalem nach Rom begeben wird, um die Karfreitags-Fürbitte
des Alten Ritus zu diskutieren.
Zu Beginn dieser Begegnung wird Staatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone
eine Erklärung abgeben, um die Frage zu klären – erklärte Kardinal Kasper:
„Danach hoffe ich, daß
die Dinge klarer sein werden, zwar nicht gelöst, aber klarer. Ich glaube, daß wir diese Irritation der
jüdischen Welt überwinden können.“
Der neuformulierte Text der Karfreitags-Fürbitte im Alten Ritus
lautet:
Wir wollen beten für die Juden.
Daß unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus
Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.
Lasset uns beten. Beugen wir die Knie. Erhebet Euch.
Allmächtiger
ewiger Gott, der Du willst, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen,
gewähre gnädig, daß ganz Israel gerettet werde, wenn die Fülle aller Völker in Deine Kirche eintritt.
Durch Christus, unseren Herrn.

Interreligiöses Schachbrett: jüdische gegen katholische Figuren
Verschiedene vom ‘Ersten Deutschen Fernsehen’ befragte Vertreter der deutschen
Juden ergossen sich ob der neuformulierten Karfreitags-Fürbitte in die habituellen Entrüstungsrituale.
Die Fürbitte müsse „auf jeden Fall“ modifiziert werden – erklärte Salomon Korn, Vizepräsident des
umstrittenen ‘Zentralrates der Juden in Deutschland’.
Korn forderte, daß die deutsche Bischofskonferenz
beim Papst interveniere.
„Was nützen fünfzig oder sechzig Jahre Dialog, die nach dem Holocaust zu einem
Schuldeingeständnis geführt haben, wenn man so wenig Respekt zeigt“ – diffamierte der progessistische
Rabbiner Walter Homolka die neuformulierte Karfreitags-Fürbitte.
Homolka ist ein Konvertit zum Judentum.
Er besitzt einen theologischen Abschluß der Universität München.
Unter anderem ist er auch Mitglied
im Gesprächskreis „Juden und Christen“ beim ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’.
Der Einfluß
dieses Gremiums soll bei der Neuformulierung der altrituellen Karfreitags-Fürbitte maßgebenden Einfluß
auf den Papst ausgeübt haben.
Der emeritierte Augsburger Pastoraltheologe, Hw. Hanspeter Heinz – ebenfalls
Mitglied des Gesprächskreises – beschimpfte die neue Karfreitags-Fürbitte als „Beleidigung“ für die
Juden und als „Bedrohung für das Judentum als Religion.“
© Titelbild: Adib Roy, CC
© Schachbrett:
David Fielding, CC