Mittwoch, 12. März 2008 14:33
Bei der Beerdigung des
Gründers der Benediktinerabtei in Le Barroux hat der Sekretär der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Prälat Camille Perl, ein besonderes Zeugnis abgegeben. Der Text.


Dom Gerard Calvet
(kreuz.net) Der gnädige Herr Abt von Le Barroux hat mich gebeten, ein persönliches Zeugnis über den
Verstorbenen abzugeben. Das tue ich gerne.
Ich habe Dom Gérard im November 1987 kennengelernt. Damals
begleitete ich Kurienkardinal Édouard Gagnon († 2007) während der apostolischen Visitation des Klosters
Le Barroux, die im Hinblick auf eine Wiederversöhnung mit dem Apostolischen Stuhl durchgeführt wurde.
Am Abend nach unserer Ankunft saßen wir im großen Sprechzimmer um das Kaminfeuer: Dom Gérard, damals
noch Prior, war sichtbar ergriffen. In einem bestimmen Augenblick warf er sich neben dem Kardinal auf
die Knie und bat diesen um Vergebung für alles, was er je gegen den Papst und den Heiligen Stuhl gesagt
hatte.
Das war Dom Gérard: Er nahm gewiß kein Blatt vor den Mund. Aber zutiefst in seinem Herzen blieb
er demütig und fähig, seine Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu bitten.


Dom Gerard Calvet
Auf diese Weise begann
das Tauwetter zwischen Rom und Le Barroux. Es führte im folgenden Jahr zu einer vollen Versöhnung, die
dieses Mal durch einen anderen großen Kardinal, Paul Augustin Mayer (96), ebenfalls Benediktiner, besiegelt
wurde.
Kardinal Mayer war in der Zwischenzeit der erste Präsident der von Johannes Paul II. gewollten
päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ geworden.
Am Ende des Weges weihte der gleiche Kardinal Mayer
Dom Gérard zum Abt.
Heute sendet auch er, 96jährig, sein aufrichtiges Beileid an die ganze Gemeinschaft,
ebenso wie der aktuelle Präsident der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillón
Hoyos.
Nach seiner Ernennung zum Abt von Sainte-Madeleine wünschte sich Dom Gérard für die Abtsweihe
eine etwas besondere Mitra, die sehr schön, aber außerordentlich klein war.
Auch das war Dom Gérard:
Er war sich seiner Würde als Abt bewußt. Aber er blieb bescheiden.
Er liebte die Schönheit in allem,
was das Haus Gottes und die Liturgie betrifft, aber er wollte keinen Glanz und keine Pracht für sich
selber.
Da war auch seine Treue zum Stuhle Petri. Nachdem die Einheit einmal erlangt war, blieb er dem,
was er während seiner Abtweihe gemäß dem Pontificale Romanum versprochen hatte, treu:
„Ego ab hac
hora inantea fidelis et oboediens ero beato Petro Apostolo, sanctæque Romanæ Ecclesiæ, et Domino nostro
Papae suisque successoribus canonice intrantibus“ – Ich werde von dieser Stunde an dem Seligen Apostel
Petrus und der Heiligen Römischen Kirche und unserem Herrn Papst und seinen kanonischen Nachfolgern treu
und gehorsam sein.
Wenn er manchmal Schwierigkeiten mit den Oberen hatte, litt er darunter. Er sprach
und schrieb darüber manchmal mit lauter Stimme. Aber er ließ an seiner Treue keine Zweifel aufkommen.
Dom Gérard, Benediktinermönch aus ganzem Herzen, wäre gerne wie ein Soldat in der Schlacht in seiner
Stalle im Chor der Kirche von Le Barroux gestorben – nach dem Wort des Heiligen Benedikt, wonach die Mönche
unter Regel und Abt Kriegsdienst leisten.
Der Herr hat seine etwas ungewöhnliche Bitte nicht erhört.
Aber seine letzten Worte waren jene der Non, die er mit seinem Abt rezitierte:
Pater noster, qui es in
cælis, sanctificetur nomen tuum, adveniat regnum tuum… fiat voluntas Tua.
Übersetzung der im Original
auf gehaltenen Ansprache.