Mittwoch, 12. März 2008 11:16


Der Ritus der Alten Messe existiert seit mehr als 1.500 Jahren.
(kreuz.net) Gerd Vieler (51) – Diplomtheologe und „Chef vom Dienst“ bei der Paderborner Kirchenzeitung
‘Der Dom’ – weiß es:
Der Wandel von der „Grundform der Privatmesse ohne Gläubigenkommunion“ hin zur
„Feier einer Mahlgemeinschaft“ war 1970 von starken Emotionen begleitet.
Das erklärte Vieler in einem
Kommentar, den er mit „Panama riecht nach Bananen“ überschrieb.
Mahlgemeinschaft? Ist das die Erfahrung,
die ein Durchschnittsgläubiger in der Heiligen Messe macht oder machen sollte?
Der von Vieler beschworene
„Wandel“ hat – so der Autor – auch zu „Abspaltungen“ durch unterschiedliche Anschauungen über die Eucharistiefeier
geführt.


Fragwürdige Meinung im Paderborner Bistumsblatt „Der Dom“
In der Tat: Mit dem Novus Ordo entwickelte sich die Liturgie von einer Quelle der Einheit zu
einer Quelle der Zwietracht.
Dann fällt dem „Chef vom Dienst“ eine Kindergeschichte des deutschen Kirchenhassers
Janosch (77) ein.
Darin entwickelt der kleine Bär beim Anblick einer alten Bananenkiste vor dem kleinen
Tiger Panama-Träumereien.
Vieler wendet das auf die Altgläubigen an und unterstellt ihnen „ähnlich
vage Vorstellungen und Sehnsüchte“, weil sie sich nach einem Meßritus „zurücksehen“, von dem Vieler
glaubt, daß er „aus dem 16. Jahrhundert“ stammt.
Vieler vergißt zu erwähnen, daß sich die Altgläubigen
bei der Alten Messe auch nach dem Evangelium „zurücksehnen“ – das noch älter und verstaubter ist als
diese.
Der „Chef vom Dienst“ ist nicht der einzige, der Katholiken unterstellt, „in der Vergangenheit
zu leben“.
Das ist das kirchenfeindliche Pauschalargument jener, die nicht begreifen können, daß es
hier und heute Menschen gibt, die in ihrer Seele ein echtes geistliches Bedürfnis nach Gott und eine
Liebe zum Übernatürlichen verspüren.
Vieler scheint nicht zu ihnen zu gehören. Ansonsten würde er
sich für Aussagen wie die folgende schämen:
„Das Meßbuch Pius V., dem nach seinem Willen »niemals
irgend etwas hinzugefügt, weggenommen oder geändert« werden darf, beinhaltet nämlich mehr als die
Feier in lateinischer Sprache, der gleichen Blickrichtung von Priester und Gläubigen und das Umhertragen
des Meßbuches.“
Will Vieler wirklich unterstellen, daß Menschen die Alte Messe besuchen, um zu sehen,
wie der Ministrant das Meßbuch spazierenführt?
Und was ist das „Mehr“, das er selber im alten Meßbuch
findet?
Vieler: „Zur Entstehungszeit hatte es wegen seiner Einheitlichkeit und Unveränderlichkeit seinen
Sinn, um in den Wirren der Reformation die katholische Identität zu wahren.“
Wenn Vieler mit dieser
Aussage behaupten will, daß die Römische Liturgie während der Reformation „gemacht“ wurde, um einer
bestimmten kirchenpolitischen Strategie zu dienen, so wie das in den 60er Jahren beim Novus Ordo der Fall
war, dann ist er ein Scharlatan und Ignorant, der es nicht verdient, ernstgenommen zu werden.
Dagegen
ist seiner Aussage, daß die Römische Liturgie Kern und Inhalt der religiösen Identität des Katholizismus
ist, nichts hinzuzufügen.
Das galt für den Römischen Ritus zur Zeit von Papst Gregor dem Großen († 604)
nicht weniger als heute. Wenn die religiöse Identität nicht in der Liturgie zum Ausdruck kommt – wo
dann?
Es ist darum rätselhaft, was Vieler meint, wenn er sagt: „Was jedoch zu einer bestimmten Zeit
hilfreich ist, muß es nicht für alle Zeiten sein.“
Ist der „Chef vom Dienst“ vielleicht der Meinung,
daß die moderne Liturgie die religiöse Identität verdunkeln solle?
Völlig weltfremd ist auch Vielers
folgende Aussage:
„Wer also die alten Riten nicht nur als Versatzstücke mit musealem Charakter zurückholen
will, der muß das ganze Paket nehmen: die Meßfeier ohne Gläubigenkommunion und die Privatmesse als
Grundform, bei der die Gemeinde außer durch frommes Zuschauen, Mitlesen der priesterlichen Texte, Singen
von Kirchenliedern oder dem Beten des Rosenkranzes kaum beteiligt ist.“
Wer den geistlichen und inneren
Mitvollzug bei der Liturgie leugnet und alles an äußerem Gehabe und Getue mißt, der muß die Alte Liturgie –
und jede andere klassische Liturgie – in Bausch und Bogen werfen.
Er kann dann gleich auch noch Oper,
Theater, Konzerte, Kunst, das Lesen eines Buches und natürlich das teuflische Fernsehen pauschal verdammen.
Denn dort sind die dummen Zuschauer im Sinne Vielers äußerlich noch viel weniger „beteiligt“ als in
der Alten Messe.
Vieler gehört hingegen darüber belehrt, daß die im Novus Ordo übliche und an einen
Kasernenplatz erinnernde Sprechchor-Liturgie – wie die Erfahrung zeigt – in sich nichts mit der echten,
inneren Teilnahme zu tun hat, die für den Gläubigen bei der Messe das alles Entscheidende ist.
Daß
es in der Alten Liturgie – wie Vieler an dieser richtig beifügt – keine Mädchen als Meßdiener oder
sonstige [liturgische] Laiendienste gibt, ist in dieser Perspektive völlig belanglos.
In der Messe geht
es nicht um Rollenkämpfe, sondern um Christus.
Darum kehrt sich Vielers abschließender Vorwurf gegen
ihn selber:
„Wer aber den ganzen sogenannten tridentinischen Ritus alleinig zurückhaben will, verkennt
die gegenwärtigen pastoralen Gegebenheiten. Die Welt dreht sich eben weiter.“
Die Welt dreht sich bekanntermaßen
im Kreis und um sich selber.
Diese Art „aktiver Teilnahme“ hat in der Liturgie nichts verloren.