Mittwoch, 12. März 2008 17:51
Lebenslänglich
Der katholische Vikar zeigte dem Baggerfahrer die schwächste Stelle in der Kirche. Kurze Zeit später waren 1500 Menschen tot.
Links: Opfer des Völkermords in Ruanda Rechts: Hw. Athanase Seromba
Links: Opfer des Völkermords in Ruanda
Rechts: Hw. Athanase Seromba
(kreuz.net) Im Dezember 2006 wurde der Priester Athanase Seromba wegen seiner Beteiligung am Völkermord in Ruanda zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Urteil wurde von einem Gericht der Vereinten Nationen ausgesprochen, das in der Stadt Arusha in Tansania tagt.

Der Geistliche soll am Tod von 1500 dem Tutsi-Stamm angehörigen Menschen beteiligt gewesen sein.

Das Massaker ereignete sich in Nyange in Westruanda. Die Opfer hatten Zuflucht in der Kirche gesucht, wo Hw. Seromba als Vikar amtete.

Der damals 31jährige Priester soll aktiv daran beteiligt gewesen sein, das mit Menschen angefüllte Gotteshaus mit Bulldozern niederzumachen.

Er habe zum Beispiel dem Bagger-Fahrer die Stelle gezeigt, von der aus das Gebäude am besten zerstört werden konnte.

Danach beauftragte er Milizionäre, eventuelle Überlebende mit Buschmessern und Gewehren zu ermorden. Es gab keine Überlebenden.

Der Völkermord ereignete sich im Jahr 1994. Dabei kamen etwa 800.000 Menschen ums Leben.

Ursache der damaligen Ereignisse war ein Konflikt zwischen den zwei Stämmen der Hutu und der Tutsi.

Die Tutsi stellten in Ruanda eine kleine, aber ökonomisch mächtige Minderheit dar. Sie regierten das Land jahrelang und waren die Hauptopfer des Völkermordes.

Hw. Seromba appellierte gegen seine Verurteilung und erhielt nach den Berufungsverhandlungen noch eine Strafverschärfung. Er wurde zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt.

Das berichtete der ‘Britische Rundfunk’.

Das Gericht unter Vorsitz des deutschen Richters Wolfgang Schomburg kam zum Schluß, daß der Priester noch stärker in die Schlächterei verwickelt war, als bisher angenommen und daß seine Verantwortung über die bisher angenommene Ermutigung und Unterstützung der Schlächtereien hinausging.

Im Jahr 1997 tauchte Hw. Seromba unter falschem Namen in Florenz auf und war dort zwei Jahre als Priester tätig. Schließlich wurde er von einer Menschenrechtsorganisation enttarnt.

Erst im Juni 2001 erhoben die Strafverfolger des Ruanda-Tribunals gegen ihn Anklage. Im Jahr 2002 wurde er zum ersten Mal dem Gericht vorgeführt.

© Titelbild: Flickr-Benützer „sorenshaman“, CC
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