Mittwoch, 16. Februar 2005 10:54
Produktive Bewältigung von Todesfällen
Auf der diesjährigen Frühlingsversammlung der deutschen Bischöfe wurde das Wort „Tote begraben und Trauernde trösten“ vorgestellt. Darin lehnen die Bischöfe anonyme Beisetzungen ab. Die Bestattung von Nichtchristen könnte dagegen in Zukunft ein Priester ohne liturgische Gewänder übernehmen.
(kreuz.net, Stapelfeld) Seit Montagabend tagt die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Stapelfeld bei Cloppenburg in Norddeutschland. Die 69 Konferenzmitglieder widmen sich als Schwerpunkt der Situation der Frauen- und Männerorden.

Am Dienstag sprach der Erfurter Bischof Joachim Wanke als Vorsitzender der Pastoralkommission zum Wandel der Begräbniskultur. Die Kirche suche nun neue Formen des Totengedenkes zu entwickeln. Im April werden die deutschen Bischöfe ein Dokument mit dem Titel „Tote begraben und Trauernde trösten“ herausgeben. Vor allem die Situation von Stadtmenschen und Nichtchristen soll darin angesprochen werden.

Karl Kardinal Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, meinte, es gebe einen ungeheueren Wandel im Umgang mit dem Tod. Manche Menschen hätten heute ein schockierendes Verhältnis zu Toten und wollten diese nur noch entsorgen lassen.

Die Kirche wolle in Zukunft Priestern ermöglichen, Begräbnisse von Nichtchristen ohne liturgische Kleidung zu halten.

Wichtig seien auch Trauerbesuche Angehöriger und Trauergottesdienste zu festen Zeiten.

Kardinal Lehmann und Bischof Wanke sprachen sich klar gegen anonyme Beisetzungen – etwa in sogenannten namenlosen „Friedwäldern“ – aus. „Trauer und Erinnerung brauchen Rituale und konkrete Orte. Ohne Gestaltung des Abschieds und der Erinnerung an den Toten kann der Verlust nicht produktiv bewältigt werden“, sagte Kardinal Lehmann.

„Wenn auf Trauer und Totengedächtnis leichtfertig verzichtet wird, gehen Möglichkeiten des Menschseins verloren.“ Man verliere die Fähigkeit zur Erinnerung und zu bewahrendem Eingedenken, ohne die es keine Hoffnung auf eine gute Zukunft geben könne.

Am Friedhof als Stätte des Gedenkens und der Trauerkultur sei, so Bischof Wanke, festzuhalten. Die katholische Kirche sei jedoch offen dafür, daß dort künftig auch mehr Menschen muslimischen Glaubens beerdigt würden.
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