Montag, 17. März 2008 10:32
Ein neokonservativer emeritierter Kurienkardinal hat nicht gemerkt, daß Lesung und Evangelium in der Alten Liturgie sorgfältig auf die restlichen Meßtexte abgestimmt sind.


Kardinal Medina verkündete nach dem letzten Konklave den neuen Papst.
(kreuz.net, Vatikan) Der emeritierte chilenische Kurienkardinal Jorge Arturo Medina Estévez hat der römischen
Webseite ‘Papanews’ ein Interview gegeben.
Der Kardinal war bis zum Jahr 2002 Präfekt der Gottesdienstkongregation
und hat sich in der Vergangenheit stark für das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ eingesetzt.
Am 19.
April 2005 verkündigte er der Welt die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst.
Seit seiner Pensionierung
wohnt er wieder in Chile.
Im Interview stellt Kardinal Medina fest, daß die Alte Messe jetzt in der
Kirche das gleiche Bürgerrecht und die gleiche Würde wie der Novus Ordo besitzt, obwohl sie als „außerordentlich“
bezeichnet werde.
Man müsse auch daran erinnern, daß die Bischöfe, die sich gegen das Motu Proprio
gestellt haben, zwar das Recht hätten, ihre Meinung „anständig“ zu äußern: „Doch letztlich sind sie
dem Papst gegenüber zu Gehorsam und Respekt verpflichtet“.
Der Kurienkardinal wird auch mit einer Äußerung
des emeritierten Erzbischofs von Mailand, Carlo Maria Kardinal Martini, konfrontiert. Dieser hatte erklärt,
in der Alte Messe ein „Eingeengtheit“ zu verspüren.
„Ich habe persönlich immer Messen nach dem Alten
Ritus zelebriert. Eine »Eingeengtheit« habe ich nie bemerkt“ – kontert Kardinal Medina.
Anschließend
wird er auf die zahlreichen liturgischen Mißbräuche im Neuen Ritus angesprochen und bestätigt: „Ja,
die liturgischen Mißbräuche werden immer zahlreicher.“
„Um dieses Problem zu lösen, würde es genügen,
sich bewußt zu werden, daß die Hauptperson in der Messe Christus ist – niemals der Priester.“
Die Schuld
dafür sieht der Kardinal nicht im „Zweiten Vatikanum in sich“, sondern in „einigen Auslegern“ des Konzils.
An der Alten Messe schätzt er vor allem die Einfachheit, Eleganz und den starken Bezug zur Transzendenz,
„die andauernde Suche nach Gott“.
Das bedeute aber nicht, daß er gegen den Novus Ordo sei: „Ich glaube
vielmehr, daß die Leseordnung des Novus Ordo sogar inhaltlich reicher ist als jene des Ritus des Heiligen
Pius V.“
In diesem Zusammenhang macht der Kardinal einen Vorschlag: „Man könnte einen Mittelweg finden
und die Feier der Messe mit dem Ordinarum der Bücher des Heiligen Pius V. und mit der Leseordnung des
Neuen Ritus gestatten.“
Er bittet die Redaktion von ‘Papanews.it’ zu diesem Vorschlag bei den Lesern
eine Umfrage zu starten.
Abschließend lobt der Kardinal auch den Gregorianischen Choral: „Er stellt
die wahre Kirchenmusik dar – es ist sinnlos, sich vor dieser Erkenntnis zu drücken –, weil er die Idee
der Gemeinschaft beinhaltet.“
Sogar Wolfgang Amadeus Mozart habe sich an einem gewissen Punkt seines
Lebens darüber beklagt, den Gregorianischen Choral nicht entdeckt zu haben.
Im Interview wird der Kardinal
auch über die Handkommunion befragt: „Persönlich bin ich für die Mundkommunion, um zu verhindern, daß
Partikel auf den Boden fallen oder daß Hostien von Satanisten geraubt werden.“
Es sei selbstverständlich
angebracht, festzuhalten, daß die Kommunion ursprünglich in die Hände gegeben worden sei und daß der
Mund nicht weniger unrein sei als die Hände:
„Aber ich wiederhole es, daß ich weiterhin für die Mundkommunion
bin.“