Die Rede vom Priestermangel dient oft nicht dazu, Priesterberufungen zu fördern, sondern Kompetenzüberschreitungen von Laientheologen zu rechtfertigen. Von Pfarrer Matthias Rey.
Es braucht Laien, die das Priestertum unterstützen und fördern, nicht es ersetzen wollen.
(kreuz.net) Auf meinen Artikel „Kein Priestermangel“ habe ich zahlreiche Reaktionen erhalten.
Dabei schien
immer wieder auf, daß das eigentliche Problem nicht darin liegt, daß Laientheologen in den Pfarrhäusern
wohnen, sondern daß diesen Laientheologen oftmals die volle Identifikation mit der Katholischen Kirche
fehlt.
Nicht so sehr die Tatsache, daß sie in der Heiligen Messe predigen, tut weh, sondern vor allem
schmerzt, was sie predigen.
Nicht nur, daß den Gläubigen in manchen Gemeinden wichtige Glaubensinhalte
permanent vorenthalten werden: Man muß sich auch immer wieder ärgern, daß sogar frontal gegen die Lehre
der Kirche gepredigt wird.
Leider werden diese Pastoralassistenten vor allem im Bistum Basel von der
Diözesanleitung geschützt. Das schreibe ich nicht, um das Bistum Basel schlecht zu machen, sondern weil
mir das von vielen Seiten berichtet wurde.
Den Gläubigen, die sich im Bistum Basel um ihre Rechte wehren,
werden diese Rechte nicht nur verweigert – nein, die Gläubigen werden oftmals zusätzlich gemaßregelt.
Aufgrund vieler Gespräche spüre ich sehr stark, daß die Position der Laientheologen insbesondere im
Bistum Basel bewußt gestärkt wird.
Das war ja auch die Absicht, als vor einigen Jahren den Bischofsvikaren
jeweils ein Laientheologe oder Diakon und eine Laientheologin zur Seite gestellt wurde.
Willkommene und
unwillkommene Priester
Als Priester spürt man einfach, wo man willkommen ist und wo nicht. Wenn ich
zum Beispiel einige Tage in Italien in einem kleinen Dorf auf Besuch bin, organisiert die Frau, die im
Pfarrhaus wohnt, daß die Leute zur täglichen Messe kommen, die ich in der Kirche zelebriere.
Diese
Frau ist nota bene auch ein Laie. Aber sie glaubt an die Gnaden, die in der Heiligen Messe fließen und
ist deshalb froh und dankbar, wenn ein Priester während der Woche die Heilige Messe feiert.
Solche Laien
könnten auch wir in der Schweiz als kirchliche Mitarbeiter brauchen: Laien, die hungern und dürsten
nach den Sakramenten.
Sodann möchte ich anfügen, daß es sehr eigenartig ist, daß zum Beispiel im
Erzbistum Vaduz jede Pfarrei mit einem Pfarrer oder sogar mit Pfarrer und Vikar besetzt ist, während
in den angrenzenden Pfarreien des Bistums Sankt Gallen, die sich in Sichtweite befinden, ein offenbar
akuter Priestermangel herrscht und die Gemeinden in die Hände von Laientheologen zwängt.
Priester aus
Indien Die Idee, Priester zum Beispiel aus Indien zu engagieren, möchte ich hier – nachdem dies kritisiert
wurde – präzisieren.
Es kann durchaus problematisch sein, einfach so Priester aus fernen Diözesen „auszuleihen“.
Denn diese können manchmal – so wie viele von uns – mit dem Wohlstand nicht umgehen.
Es wäre aber denkbar,
zum Beispiel Theologiestudenten aus fernen Diözesen am Anfang ihres Studienganges in unsere Diözesen
zu integrieren. Sie würden dann nicht unvorbereitet in die Pfarreiarbeit geschickt.
Allerdings bräuchte
es in der Schweiz eine gute Hochschule, die sich mit der Katholischen Kirche und nicht mit etwas Anderem
identifiziert.
Jedenfalls erlaube ich mir die Frage, ob ein Priester aus einem fernen Land, der in unseren
Breitengraden seine Ausbildung genießen durfte, nicht besser auf unsere Mentalität eingehen kann, als
eine deutsche Pastoralassistentin, die fertig ausgebildet in die Schweiz kommt und meint, hier regieren
zu können.
Niemand möge diese Frage als Pauschalurteil verstehen. Aber da mir nun mal vorgeworfen wurde,
daß meine Idee unhaltbar sei, Priester aus fernen Ländern zu „importieren“, möchte ich doch die Frage
stellen, wie verträglich die deutsche mit der schweizer Mentalität ist.
Letztlich gilt aber in jedem
Fall: Wenn der Glaube in der Tiefe die Herzen verbindet, ist die Herkunft – ob Deutsch, Polnisch oder
Indisch – völlig sekundär.
Neue Formen der Seelsorge Zuletzt möchte ich anfügen, daß ich das alles
nicht schreibe, weil ich mit meiner eigenen Situation unglücklich wäre.
Ich mache in der Kaplanei Biberegg
mehr Seelsorge als all die Jahre zuvor, wo ich meine ganze Zeit der Pfarreiarbeit gewidmet hatte.
Der
Grund, warum ich mich zum Thema Priestermangel äußere, ist, daß in letzter Zeit vermehrt von Priestermangel
die Rede war.
Darum regte sich mein Gerechtigkeitssinn. Ich mußte schreiben, daß die Rede vom Priestermangel
oft nicht dazu dient, Priesterberufungen zu fördern, sondern Kompetenzüberschreitungen von Laientheologen
zu rechtfertigen.
Das darf niemals so stehen gelassen werden, auch nicht von den Gläubigen, die sich
in ihren Kirchgemeinden so manches gefallen lassen müssen.
Vielleicht müßte man sich in gewissen Kirchgemeinden
Gedanken machen, wer von den Kirchensteuern profitiert.
Je nach Handlungsweise der Seelsorger könnte
man sich die Überlegung machen, den Austritt aus der Kirchgemeinde etwa so zu begründen:
„Hiermit trete
ich aus der Kirchgemeinde … aus, weil ich römisch katholisch bleiben will und nicht bereit bin, daß
meine Steuergelder an Kirchenbedienstete ausbezahlt werden, die sich nicht voll und ganz mit der Römisch
Katholischen Kirche identifizieren.“
Das frei werdende Geld könnte man dann entweder direkt dem Bischof
überweisen – sofern dessen Personalpolitik glaubwürdig ist –, oder einer Organisation oder einem Priester,
von dessen Katholizität man überzeugt ist.
Die Denkweise, jemandem das Geld zu verweigern, von dessen
Haltung man nicht überzeugt ist, stammt übrigens nicht von rechtsextremen Katholiken, sondern von den
Schweizer Kantonalkirchen selber.
Diese denken jetzt zum zweiten Mal in ihrer Geschichte laut darüber
nach, Zahlungen an einen Bischof zu verweigern, falls er seine Personalpolitik nicht ihren Vorstellungen
gemäß ausführt.
Der Verfasser ist Priester der Diözese Chur und wohnt in der Kaplanei Biberegg in
der Zentralschweizer Ortschaft Rothenthurm.