Montag, 17. März 2008 22:47
Wird sich Rom unterwerfen?
Der Vatikan plant angeblich, die Aussage der neuen Karfreitagsfürbitte weiter herunterzuspielen. Entscheiden Juden und Kirchenpolitiker, was der Inhalt des katholischen Glaubens ist?
Klösterliche Karfreitagsliturgie im Neuen Ritus.
Klösterliche Karfreitagsliturgie im Neuen Ritus.
(kreuz.net, Vatikan) Der vatikanische Staatssekretär Tarcisio Kardinal Bertone wird einem israelischen Oberrabbiner eine versöhnliche Stellungnahme zur neuen Karfreitagsfürbitte schreiben.

Das berichtete die Nachrichtenagentur ‘Reuters’ unter Berufung auf Quellen, denen ein Entwurf der angeblichen Stellungnahme bekannt ist.

Papst Benedikt XVI. habe den Text des Briefes bestätigt. Er werde „bald“ veröffentlicht, aber vielleicht nicht mehr vor dem Karfreitag.

Kardinal Bertone wird laut ‘Reuters’ erklären, daß das neue Gebet nicht zur Bekehrung der Juden aufrufe.
Der Text der neuen Karfreitagsbitte
Wir wollen beten für die Juden.
Daß unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.
Lasset uns beten. Beugen wir die Knie. Erhebet Euch.
Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, gewähre gnädig, daß ganz Israel gerettet werde, wenn die Fülle aller Völker in Deine Kirche eintritt. Durch Christus, unseren Herrn.


Der Staatssekretär werde sich auf die Konzilserklärung über den interreligiösen Dialog, ‘Nostra Aetate’ berufen.

‘Reuters’ vermutet, daß der Brief ein quietistisches Heilskonzept unterstreicht, wonach die Erlösung Israels „in Gottes Hand“ sei. Das entscheidende Problem, daß niemand ohne Taufe gerettet werden kann, erwähnt der Artikel nicht.

Ungenannte Vertreter des Judentums kommentierten die Stellungnahme bereits vor ihrem Erscheinen. Sie hoffen, daß der Brief Kardinal Bertones eine angebliche Kontroverse beilegt.

Heilsnotwendigkeit der Kirche
Die katholische Dogmatik lehrt, daß die Zugehörigkeit zur Kirche für alle Menschen heilsnotwendig ist.

Darin waren sich alle Päpste, Konzilien und Kirchenväter der Vergangenheit selbstverständlich einig. Der Eichstätter Dogmatikprofessors Ludwig Ott spricht in seinem Handbuch von einer „einmütigen Überzeugung der Väter, daß außerhalb der Kirche das Heil nicht zu erlangen ist“.

Dem übereinstimmenden Zeugnis der Väter schreibt die Kirche Unfehlbarkeit zu.

Diese Lehre verkündete auch das 4. Laterankonzil im Jahr 1215: „Außerhalb der einzigen Kirche wird keiner gerettet.“

Das Unionskonzil von Florenz, die Päpste Innozenz III. († 1216), Bonifaz VIII. († 1303), Klemens VI. († 1352), Benedikt XIV. († 1758), Pius IX. († 1878), Leo XIII. († 1903) und nicht zuletzt Pius XII. († 1958) bestätigten den katholischen Lehrsatz.

Pius IX. erklärte gegenüber dem religiösen Indifferentismus: „Auf Grund des Glaubens ist festzuhalten, daß außerhalb der apostolischen, Römischen Kirche niemand das Heil erlangen kann. Sie ist die einzige Arche des Heils. Wer nicht in sie eintritt, wird in der Flut umkommen.“

Unter besonderen Umständen kann die aktive Zugehörigkeit zur Heilsanstalt Kirche durch das Verlangen danach ersetzt werden.

Das ist der Fall, wenn ein Mensch unter unverschuldeter und unüberwindlicher Unkenntnis der katholischen Religion leidet. Er muß die sittliche Bereitschaft besitzen, dem Willen Gottes zu folgen.

© Titelbild: Daniel Kedinger, CC
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