Mittwoch, 16. Februar 2005 15:35
Bei drusischen Ausschreitungen gegen Christen in Nordisrael ist ein ganzes christliches Quartier verwüstet worden. Christliche Geschäfter wurden niedergebrannt, während die israelische Polizei zuschaute.

(kreuz.net, Jerusalem) Der Erzbischof von Jerusalem, Michel Sabbah, beklagte in einem scharfen Brief an
den Staatspräsidenten von Israel, daß die jüdischen Autoritäten die Sicherheit der Christen in Israel
vernachlässigten.
Grund für den Brief des Erzbischofs waren ethnische Auseinandersetzungen zwischen
Drusen und Christen in der galiläischen Ortschaft Maghar. Maghar befindet sich im Gebiet westlich des
oberen Endes des Sees Genesaret.
Die Drusen sind eine aus dem schiitischen Islam hervorgegangene Sekte
im südlichen Libanon und nördlichen Israel. Sie leben nach einer feudal-patriarchalischen Verfassung.
Ihre Glaubenslehre wird von einem kleinen Kreis von Eingeweihten geheimgehalten. Schon um 1850 waren die
Drusen an Christenmassakern in Syrien beteiligt.
Erzbischof Sabbah beschuldigte die israelische Polizei,
den drusischen Pogromen gegen Christen in Galiläa tatenlos zuzuschauen. In einem Interview mit der israelischen
Tageszeitung Ha’aretz („Das Land“) erklärte der Erzbischof, daß Israel eine ganze Armee unterhalte,
um im besetzten Hebron, südlich von Jerusalem, eine winzige Gruppe von jüdischen Siedlern zu bewachen,
während ein ganzer christlicher Dorfteil vernichtet worden sei, ohne daß die israelische Polizei reagiert
hätte.
Gestern erklärte die Polizei, daß ein 16-jähriger drusischer Junge gestanden habe, Gerüchte
in die Welt gestreut zu haben, welche die Gewalttätigkeiten auslösten.
Dutzende von christlichen Geschäften
wurden niedergebrannt und viele christliche Familien flohen wegen der Übergriffe aus dem Dorf. Die drusischen
Angriffe begannen am Donnerstagabend, nachdem das Gerücht verbreitet wurde, daß christliche Jugendliche
pornographische Bilder von drusischen Mädchen ins Internet gestellt hätten.
Nach detaillierten Untersuchungen
durch Experten für Computerkriminalität stellte die Polizei fest, daß der Jugendliche gelogen hatte.
Der junge Druse sei erzürnt gewesen, weil eine ungenannte Person, mit der er über Email korrespondierte,
abwertende Bemerkungen über die Drusen gemacht habe.
Im Laufe des Montags widerrief der Jugendliche
sein Geständnis und behauptete, die Polizei hätte einen Sündenbock gesucht und ihn fälschlicherweise
beschuldigt. Er fügte hinzu, daß er viele christliche Freunde besitze.
Die Polizei hat in der Zwischenzeit
vier Computer konfisziert, auf denen die angeblichen Bilder angeschaut oder empfangen worden seien. Die
Überprüfung konnte auf den Rechnern keine Spuren solcher Bilder entdecken.
Am Sonntagabend versammelte
sich eine große Gruppe von Drusen in der Ortschaft, weil angeblich ein Aufmarsch von Christen geplant
gewesen sein soll. Die versammelten Drusen wurden aber von den Vorstehern der Volksgruppe nach Hause geschickt.
Vorgestern Montag beließ die israelische Polizei ein größeres Aufgebot im Dorf, um ein Aufflackern
der Gewalt zu vermeiden.
Ihren Höhepunkt erreichten die Christenverfolgungen am vergangenen Samstagnachmittag.
Acht Dorfbewohner und drei Polizisten wurden verletzt.
Ein Polizeifunktionär nannte die Gewalttätigkeiten
ein „Pogrom“.