Mittwoch, 19. März 2008 13:00
Der Bischof von Fulda bleibt standhaft
Ein Drogeriemarkt in der Bistumsstadt Fulda hat sich seit Jahren in einer kirchlichen Immobilie eingemietet. Dafür verzichtet er auf den Verkauf obszöner Gegenstände.
Die Schlecker-Filiale in Fulda darf als Mieter in einem kirchlichen Gebäude keine Kondome verkaufen: die beste Werbung.
Die Schlecker-Filiale in Fulda darf als Mieter in einem kirchlichen Gebäude keine Kondome verkaufen: die beste Werbung.
(kreuz.net, Fulda) Die Fuldaer Filiale der Drogerie-Kette ‘Schlecker’ verkauft keine Gummitüten für männliche Fortpflanzungs- organe. Das berichtete die deutsche Tageszeitung ‘Welt’ am Dienstag.

Der Grund: „Wir dürfen keine Kondome verkaufen, weil das Haus der katholischen Kirche gehört“ – jammert Filialleiterin Monika Michel.

Dabei hat Frau Michel in ihrem Mietvertrag unterschrieben, keine Produkte zu verkaufen, die dem Ansehen der Kirche schaden.

Frau Michel behauptet aber, daß sie Umsatz verliere: „Wir müssen Kunden, die Kondome kaufen wollen, zur Konkurrenz schicken.“

Doch in Wahrheit ist die Filiale gerade wegen ihrer moralischen Unbedenklichkeit beliebt.

Der Drogeriemarkt wird bei manchen Stadtführungen eigens erwähnt. Manche Touristen besuchen das Geschäft nur und gerade, weil es kondomfrei ist. Sie schießen sogar Fotos von der keuschen Schlecker-Filiale.

In Stadtrallyes ist es eine eigene Aufgabe herauszufinden, welches Produkt sich ausnahmsweise nicht in den Regalen des Schlecker-Marktes befindet.

Frau Michel war in der Angelegenheit schon bei Bischof Heinz-Josef Algermissen von Fulda. Der blieb standhaft. Frau Michel dazu: „Irgendwann wird man müde und fügt sich.“

Bistumssprecher Christoph Ohnesorge weiß nicht, was an der Regelung kurios sein soll: „Die Kirche kann nicht einerseits mechanische Verhütungsmittel ablehnen, aber andererseits dulden, daß in einem Haus der Kirche mit Kondomen Geschäfte gemacht werden.“

Ein Pressesprecher der Marktkette Schlecker wollte sich nicht äußern und erklärte trotzdem: „Dieser Eingriff in unser dortiges Verkaufssortiment geht sicherlich weit.“

In den Immobilien der Diözese Fulda sind Kunden neben Kondomen auch vor pornographischen Materialien verschont.

Ein Kunde vor der Fuldaer Drogerie wies darauf hin, daß es die Kirche den Medien nie recht machen könne: „Werden keine Kondome verkauft, gibt es Proteste. Wären sie dagegen im Sortiment, würde man der Kirche Heuchelei vorwerfen.“
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