Donnerstag, 20. März 2008 18:48
Warum regen sich gewisse Juden über die neue Karfreitagsfürbitte auf? Das ist doch alles nur leeres Gerede ohne inhaltliche Folgen. Seltsame Beschwichtigungen und Manipulationen eines deutschen Kurienkardinals.


Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper
(kreuz.net) Unter der Überschrift „Das Wann und Wie entscheidet Gott“ hat sich Kardinal Walter Kasper
heute in der deutschen ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ zur neuen Karfreitagsfürbitte im Alten Ritus
geäußert.
Kardinal Kasper ist Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.
Die Neuformulierung der Fürbitte war nach seinen Angaben „notwendig“, weil einige alte Formulierungen
von jüdischer Seite als beleidigend und von vielen Katholiken als anstößig empfunden worden seien.
Der Kardinal muß allerdings auch zugeben, daß die neue Formulierung zu neuen Irritationen geführt
hat.
Diese Irritationen seien „auf jüdischer Seite weithin nicht rational, sondern emotional begründet“ –
so der Kardinal.
Dennoch empfiehlt er, diese Emotionalitäten nicht als „Ausdruck von Überempfindlichkeit“
abzutun.
Auch bei „jüdischen Freunden“, die seit Jahrzehnten in intensivem Gespräch mit Christen stünden,
seien angebliche „kollektive Erinnerungen“ an angebliche „Zwangskatechesen und Zwangsbekehrungen“ noch
lebendig.
Manche Juden würden die Judenmission sogar als existenzbedrohend und als „Schoa mit anderen
Mitteln“ bezeichnen. Deshalb bedürfe es im jüdisch-christlichen Verhältnis noch immer eines „hohen
Maßes an Sensibilität“.
Der Kardinal erwähnt auch, daß die Karfreitagsfürbitte des Neuen Ritus nicht
verändert wurde. Das beweise, daß die Kirche mit der neuen Formulierung nicht „hinter das Zweite Vatikanum“
zurückgegangen sei.
Im Unterschied zu der Karfreitagsfürbitte des Novus Ordo spreche die neuformulierte
Fürbitte von Jesus als dem Christus und dem „Heil aller Menschen – also auch der Juden“.
Das werde von
vielen als „neu“ und gegenüber den Juden als „unfreundlich“ empfunden: „Doch die Fürbitte ist im Ganzen
des Neuen Testaments begründet“ – erklärt Kardinal Kasper:
„Die Neuformulierung des Karfreitagsgebets
von 1962 sagt also nichts Neues, sondern spricht nur aus, was schon bisher als selbstverständlich vorausgesetzt,
aber offensichtlich nicht hinreichend thematisiert wurde.“
Der Kardinal möchte vor allem eine offenbar
nur in der Vergangenheit gebrauchte „Sprache der Verachtung“ überwinden und die jeweilige Verschiedenheit
gegenseitig anerkennen:
„Wir erwarten von den Juden nicht, daß sie dem christologischen Inhalt des Karfreitagsgebets
zustimmen. Aber sie sollen respektieren, daß wir als Christen unserem Glauben gemäß beten, so wie wir
selbstverständlich ihre Art zu beten respektieren.“
In dieser Hinsicht hätten beide Seiten noch zu
lernen.
Dann gesteht der Kardinal ein, daß die Bitte um Bekehrung der Juden in der Bitte um deren Erleuchtung
indirekt eingeschlossen sei – dreht diese Aussage aber sofort dialektisch in ihr Gegenteil:
Doch man
könne darauf hinweisen, „daß die katholische Kirche im Unterschied zu manchen evangelikalen Kreisen
keine organisierte und institutionalisierte Judenmission kennt.“
Mit diesem Hinweis glaubt er, die Judenmission
„faktisch“ – aber noch nicht „theologisch“ – erledigt zu haben.
Deren „theologische“ Weginterpretierung
begründet Kardinal Kasper aus dem zweiten Teil der neuformulierten Bitte.
Der Papst gehe dort vom Kapitel
11 des Römerbriefs aus. Dort heißt es, daß ganz Israel gerettet wird, wenn die Fülle der Heiden in
das Heil eingeht: „Israel bleibt also Träger der Verheißung und des Segens.“
Der Apostel Paulus sehe
seine Missionsarbeit als Sammlung der Heiden, welche Israel zum Heil gereiche.
Der Kardinal erklärt,
daß Gott das Heil Israels nicht aufgrund von Judenmission, sondern aufgrund der Heidenmission heraufführen
werde: „Allein er, der den Großteil Israels verstockt hat, kann die Verstockung auch wieder lösen.“
Mit seinem integristischen Ansatz eschatologisiert Kardinal Kasper die neutestamentlich begründete Judenmission
und schiebt sie auf einen Sankt Nimmerleinstag der Apokalypse.
Die Bitte um die Bekehrung der Juden sei
somit „ihrer Natur nach kein an die Kirche gerichteter Aufruf zu missionarischer Aktion.“
Der Kardinal
steigert seine Aussage noch und mystifiziert sie: „Im Gegenteil, sie respektieren die ganze Abgründigkeit
des verborgenen Gottes.“
Die Kirche nehme mit ihrer Bitte die „Verwirklichung des unergründlichen Mysteriums
nicht selbst in Regie“. Das könne sie „gar nicht“. Sie lege das Wann und das Wie vielmehr ganz in Gottes
Hände:
„Gott allein kann das Reich Gottes heraufführen, in dem ganz Israel gerettet und der Welt der
eschatologische Frieden zuteil wird.“
Dann dreht sich der Kardinal dialektisch erneut und erklärt: „Der
Ausschluß einer gezielten und institutionalisierten Judenmission bedeutet nicht, daß die Christen die
Hände in den Schoß legen sollen.“
Man muß „gezielte und organisierte Mission“ und „christliches Zeugnis“
unterscheiden.
Das hat nach den Worten des Kardinals angeblich schon der Heilige Paulus getan: „Auf seinen
Missionsreisen ging er jeweils zuerst in die Synagoge und erst wenn er dort keinen Glauben fand, zu den
Heiden.“
Ein solches Zeugnis sei auch „von uns heute“ gefordert. Es solle gewiß „taktvoll und respektvoll“
geschehen.
Etwas anderes wäre – so der Kardinal – „unredlich“.