Samstag, 19. Februar 2005 14:00
„Ich unterstütze die Priesterweihe der Frau seit langer Zeit. Wenn ich über die sozialen Sünden spreche, erwähne ich immer die Sünde des Sexismus. Ich glaube, das ist eine Frage der Gerechtigkeit.“

(kreuz.net, Detroit) Mons. Thomas Gumbleton ist der dienstälteste Bischof in den Vereinigten Staaten.
Im Jahre 1968 ernannte Papst Paul VI. den 38-Jährigen zum Weihbischof. Mons. Gumbleton war der jüngste
Priester in der US-amerikanischen Kirchengeschichte, der es zur Bischofswürde brachte.
Heute ist Weihbischof
Gumbleton ein Symbol der weltweiten katholischen Friedensbewegung. In der US-Bischofskonferenz gehört
er dem radikal-liberalen Flügel an.
Am 26. Januar feierte der Weihbischof seinen 75. Geburtstag. Beim
Erreichen dieses Alters ist jeder katholische Bischof gehalten, dem Papst seinen Rücktritt einzureichen.
Das tat Mons. Gumbleton auch, fügte aber – nach Berichten in der Lokalpresse – hinzu, daß es vielleicht
nicht angemessen sei zurückzutreten. Ältere Priester und Bischöfe könnten Zeugen für ein produktives
Leben sein. Der Weihbischof macht sich allerdings keine Illusionen, daß sein Rücktritt von Rom nicht
angenommen würde.
Allerdings wird seine Demission als Weihbischof der Erzdiözese Detroit sowieso nichts
ändern. Mons. Gumbleton nimmt schon seit über zehn Jahren keine administrativen Aufgaben in der Erzdiözese
Detroit mehr wahr. Detroit ist eine Stadt an den großen Seen im Nordosten der USA.
Der Schwerpunkt seiner
Aktivitäten ist die Pfarrei. Seit 1983 ist Weihbischof Gumbleton zugleich Pfarrer der Pfarrei St. Leo
in einem heruntergekommenen Gebiet im Nordwesten der Innenstadt von Detroit. Auch nach seinem Rücktritt
wird Mons. Gumbleton sein Pfarramt beibehalten und seine weltweite Vortragstätigkeit weiterführen.
Der Weihbischof gehörte zu den Gründern der katholischen Bewegung „Pax Christi“, die sich für den Weltfrieden
und für politisch linke Postulate einsetzt. Seit Jahrzehnten vertritt Mons. Gumbleton progressive und
pazifistische Anliegen. Der Weihbischof setzte sich für die Armen ein und kämpfte gegen soziales Unrecht
in Lateinamerika. Er fuhr mit humanitären Missionen in den Irak, um gegen die Wirtschaftsblockade der
UNO zu protestieren.
Mons. Gumbleton ist seit Jahren ein Fürsprecher für die homosexuelle Bewegung.
Die kirchliche Lehre über die Homosexualität bezeichnet er als falsch. Die sexuelle Orientierung eines
Menschen werde bereits bei der Geburt determiniert. Darum sei eine homosexuelle Beziehung eine Gewissensfrage
des einzelnen. Das sagte der Weihbischof nach einem Gespräch mit seiner Mutter und seinem Bruder, der
sich als Homosexueller ausgibt. Mons. Gumbleton versicherte seiner Mutter, daß Gott seinen Bruder nicht
dafür bestrafen werde, daß er als Homosexueller in einer festen homosexuellen Partnerschaft lebt.
1997
meinte Weihbischof Gumbleton zur Frage der Homosexualität: „Je mehr die Erfahrungen homosexueller und
lesbischer Menschen in der ganzen Kirche aufgenommen werden, desto mehr – glaube ich – wird sich die Art
und Weise, wie wir über die menschliche Sexualität reden, ändern.“
In den neunziger Jahren erklärte
Weihbischof Gumbleton, daß er keinen anderen Grund sehe, warum Frauen nicht zum Priestertum geweiht würden,
als den, daß man in der Kirche eben immer schon dagegen gewesen sei: „ Ich unterstütze die Priesterweihe
der Frau seit langem. Wenn ich über die sozialen Sünden spreche, erwähne ich immer die Sünde des Sexismus.
Ich glaube, das ist eine Frage der Gerechtigkeit.“
Obwohl er mit konservativen Denkern oft im Streite
liegt, gehört Weihbischof Gumbleton zu den freimütigsten Verteidigern der päpstlichen Lehre über den
Weltfrieden. Oft wiederholt er in seinen Reden die Worte des Papstes. Während andere US-Bischöfe die
Position des Papstes zum US-Angriffskrieg auf den Irak nur zaghaft aufnahmen, erinnerte der progressive
Mons. Gumbleton häufig an die päpstlichen Aussagen.
In den nächsten Wochen wird Weihbischof Gumbleton
in einer Friedensmission nach Haiti und Kuba reisen. Dabei ist es ihm von oberster Priorität, für die
Sonntagsmesse zurück zu sein.
Die Gottesdienste in seiner Pfarrei werden von einem Gospel Chor animiert.
Der Höhepunkt der Messe ist der zehnminütige Friedensgruß, bei dem die Pfarrangehörigen Freunde und
Neuhinzugekommene begrüßen und der Weihbischof durch die Reihen zieht.
In seiner letzten Sonntagspredigt
verknüpfte Mons. Gumbleton die Buße der Fastenzeit mit Kritiken an der reichen US-amerikanischen Gesellschaft
und dem Krieg der US-Regierung gegen den Irak: „Blinder Gehorsam einer weltlichen Macht gegenüber ist
unverantwortlich.“
Während der ganzen 40-tägigen Fastenzeit wird der Weihbischof die Fastendisziplin
des Aschermittwoches beibehalten. Er schläft auf einer Matte auf dem Boden eines Zimmers neben seinem
Büro. Sein Pfarrhaus hatte der Weihbischof schon lange einer Initiative zur Verfügung gestellt, die
jungen suchtabhängigen Müttern hilft.