Montag, 24. März 2008 14:05
Notwendige Ketzerjagd
Eine bischöfliche Kommission hat die religionspluralistischen und relativistischen Werke von zwei Ketzern kritisiert. Wird jetzt auch der Vatikan eingreifen?
Der ehemalige Generalvikar der nordspanischen Diözese San Sebastián, Hw. José Antonio Pagola
Der ehemalige Generalvikar der nordspanischen Diözese San Sebastián, Hw. José Antonio Pagola
(kreuz.net) Die spanischen Bischöfe haben sich kritisch zu zwei Theologen des Landes geäußert. Mitte Januar nahm die ‘Bischöfliche Kommission für die Glaubenslehre’ zu den relativistischen Werken des Klaretinerpaters José María Vigil und des ehemaligen Generalvikars der nordspanischen Diözese San Sebastián, Hw. José Antonio Pagola, Stellung.

Pater Vigil ist ein Befreiungstheologe, der in Panama lebt. Er arbeitete auch mit dem emeritierten linkslastigen Bischof von Sao Felix in Brasilien zusammen.

Die Glaubenskommission wirft dem Klaretinerpater vor, in seinem 2005 erschienenen Buch „Theologie des religiösen Pluralismus“ mit falschen methodologischen Voraussetzungen zu arbeiten. Aufgezählt werden:

– eine Leugnung des göttlichen Eingreifens in die Geschichte
– eine Verdrängung der kirchlichen Tradition bei der Bibelauslegung
– eine Ausdeutung des Zweiten Vatikanums als kirchengeschichtlicher „Bruch“
– eine Leugnung des Lehramtes als authentischer Interpret des Gotteswortes
– eine relativistische Auffassung der religiösen Wirklichkeiten
– eine ideologische Präsentation der Geschichte der Evangelisierung

Mit diesen Voraussetzungen gelange Pater Vigil zu Schlußfolgerungen, die bereits in der Vergangenheit vom Vatikan verurteilt wurde, erklärt die Glaubenskommission.

Sie nennt in diesem Zusammenhang die Werke des belgischen Jesuiten Jacques Dupuis und des US-Jesuiten Roger Haight.

Schon diese hätten die Menschwerdung und Präexistenz Jesu als „Symbole“ bezeichnet, eine scharfe Trennlinie zwischen dem Reich Gottes und der Kirche gezogen und andere Religionen als gültige Mittel der Offenbarung dargestellt.

Aufgrund dieser Schlußfolgerungen zerstöre Pater Vigils Buch „vor allem den Glauben der Einfachen“ – warnt die Glaubenskommission.

Die Erklärung bezieht sich auch auf eine Ansprache von Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2005 an die Römische Kurie. Diese erwähnt frühere vatikanische Maßregelungen für die Ketzer Pater Jacques Dupuis, Roger Haight, John Hick, Hw. Reinhard Messner, Leonardo Boff und Pater Jon Sobrino.

Streit unter den Bischöfen
Hw. Pagola war 22 Jahre Generalvikar der Diözese San Sebastián. Er wurde für sein Buch „Jesus: Eine historische Annäherung“ kritisiert.

Das Buch gibt es bereits in der achten Auflage. Es wurde in Spanien bereits etwa 40.000 Mal verkauft. Auch Übersetzungen in andere Sprachen sind geplant.

Der Bischof von Tarazona, Mons. Demetrio Fernández González, erklärte dazu: „Der Jesus von Pagola ist nicht der Jesus der Kirche“. Bei Hw. Pagola werde Jesus zu einem „außerordentlichen Mann“. Er sei aber nicht „eines Wesens mit dem Vater“.

Daraufhin verfaßte der Sekretär der bischöflichen Glaubenskommission, Hw. José Rico Pavés, einen Essay, in dem er Hw. Pagolas Buch für dessen exzessiven Skeptizismus im Hinblick auf die Aussage der Evangelien zu Jesu Leben und Wirken verurteilt.

Hw. Pagola interpretiere die Botschaft Jesu zu stark aus einer Perspektive des Klassenkampfes. Dabei verleugne er die Dimension der persönlichen Sünde und der Erlösung, so Hw. Pavés.

Hw. Pavés kritisierte auch die im Buch verwendete liberale Exegese.

Trotz der öffentlichen Kritik sind die spanischen Bischöfe über die Haltung, die sie zu Hw. Pagolas Buch einnehmen sollen, noch unschlüssig.

Während einige Bischöfe das Buch stark kritisieren, verteidigen etwa der Bischof von San Sebastián, Mons. Juan María Uriarte, und der ehemalige liberale Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Mons. Ricardo Blázquez von Bilbao, den Inhalt des Werkes.

Gemäß spanischen Medienspekulationen wäre es auch möglich, daß Hw. Pavés vom Vatikan gemaßregelt wird. Dies werde auch von der Verkaufszahl seiner Bücher in anderen Sprachen abhängen.
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