Dienstag, 25. März 2008 14:37
Bischöflicher Blick in den Abgrund
Was habe ich Dir getan, daß Dir das Meßopfer so wenig wert ist? Mein Volk, was habe ich Dir getan, daß Du dieses Sakrament so unwürdig behandelst? Von Mons. Vitus Huonder, Bischof von Chur.
Bischof Vitus Huonder von Chur
Bischof Vitus Huonder von Chur
(kreuz.net) „Mein Volk, was habe ich Dir getan, womit nur habe ich Dich betrübt? Antworte mir.“

Brüder und Schwestern im Herrn, am Palmsonntag nahmen wir die eben zitierten Worte aus der Karfreitagsliturgie zum Leitgedanken für die ganze Karwoche.

Sie sollen uns durch diese Tage begleiten und uns hineinwachsen lassen ins Leiden und Sterben unseres Herrn und seine Liebe zu uns erfahren lassen.

Heute feiern wir miteinander jenen Abend, da er uns das höchste der Sakramente geschenkt hat: das Allerheiligste Sakrament seines Leibes und Blutes, das Sakrament seiner göttlichen Gegenwart unter den Zeichen von Brot und Wein, das Sakrament des Kreuzesopfers.

So lassen wir uns mit Blick auf dieses höchste Sakrament vom Herrn befragen: „Mein Volk, was habe ich Dir getan, womit habe ich Dich betrübt? Antworte mir.

Was habe ich Dir getan, daß Du dieses Sakrament so unwürdig behandelst?

Was habe ich Dir getan, daß Du über dieses Sakrament Lehren verbreitest, die nicht meiner Stiftung entsprechen; daß Du sagst, dies sei gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Wein, und es sei nicht denkbar, daß die Verwandlung des Brotes in meinen heiligen Leib und des Weines in mein kostbares Blut möglich sei?

Ich selber habe doch gesagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Warum glaubst Du meinen Worten nicht?

Das Abendmahl von Leonardo da Vinci († 1519)
Das Abendmahl von Leonardo da Vinci († 1519)
Mein Volk, was habe ich Dir getan, daß Du die Kinder nicht mehr in Ehrfurcht und Liebe vor diesem heiligsten Sakrament erziehst; daß Du ihnen nicht mehr die Wahrheit dieses Sakramentes vermittelst; daß Du ihnen auch nicht mehr sagst, daß sie dieses Sakrament mit reinem, von Sünden freiem Herz empfangen sollen?

Mein Volk, was habe ich Dir getan? Antworte mir.

Was habe ich Dir getan, daß Du dieses Sakrament nicht mehr als das Sakrament meines Opfers am Kreuz anerkennen willst; daß Du sagst, die Heilige Messe sei nicht die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers; daß Du das Wort Opfer vermeiden willst, obwohl ich gesagt habe: ‘Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird?’

Was habe ich Dir getan, daß Du aus dieser heiligen Feier ein Mahl der Belustigung und Deiner Selbstbestätigung gemacht hast? Mein Volk, antworte mir.

Mein Volk, was habe ich Dir getan, daß Dir das Meßopfer so wenig wert ist; daß Du alles andere tust, nur nicht am eucharistischen Opfer teilnimmst und Dich Sonntag für Sonntag davon fernhältst?

Was habe ich Dir getan, daß Du meine Gegenwart im Tabernakel übersiehst und geringachtest?

Was hätte ich für Dich noch mehr tun können, als Dir dieses Sakrament zu schenken und mein Kreuzesopfer auf diese Weise durch alle Zeiten und für alle Menschen wirksam bleiben zu lassen?

Was hätte ich mehr tun können als meinen Aposteln aufzutragen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis?“

Mein Volk, was habe ich Dir getan, womit habe ich Dich betrübt? Antworte mir.“ – Amen.


Predigt in der Abendmahlsmesse am Hohen Donnerstag, dem 20. März 2008, in der Kathedrale in Chur.
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