Freitag, 28. März 2008 18:16
Adolf Hitler ist im Himmel
Sollen Gläubige die lateinischen Meßtexte mitlesen? Das ist nicht unbedingt nötig. Die Muttergottes hatte unter dem Kreuz auch kein Meßbuch dabei – erklärte der deutsche Distriktsobere der Piusbruderschaft, Pater Franz Schmidberger, in einer Fernsehdiskussion.
Pater Schmidberger in der Sendung 'Quergefragt'.
Pater Schmidberger in der Sendung ‘Quergefragt’.
(kreuz.net, Mainz) Am 19. März diskutierten vier Gäste in der Sendung ‘Quergefragt’ des ‘Südwestrundfunk’ über die beiden Reizthemen Exorzismus und Lateinische Messe.

Die Aufzeichnung ist auch online abrufbar.

Die vier Teilnehmer waren der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler (77), der abgefallene Priester und frühere Kirchenrechtsprofessor Horst Herrmann (67), der Vatikanist der Boulevardzeitung ‘Bild’, Andreas Englisch (44), und der Distriktsobere der Piusbruderschaft in Deutschland, Pater Franz Schmidberger.

Der erste Teil der Sendung beschäftigte sich mit dem Exorzismus.

In der Sendung dementierte Englisch eine Meldung in ‘Bild’, die er am 5. März selber verfaßt hatte. Sie lautete: „Vatikan will 3000 neue Teufelsaustreiber im Kampf gegen das Böse einsetzen.“
Andreas Englisch
„Leute auf ein Bett zu schnallen, will niemand, halte ich, halten 99 Prozent, die ich kenne, für totalen Schwachsinn.“


Nun erklärte Englisch: „Der Vatikan hat damit nichts zu tun. Es gibt eine Gruppe in der katholischen Kirche, die mehr Exorzisten möchte.“

Den Eindruck zu erwecken, daß der Vatikan Tausende von neuen Exorzisten wolle „ist falsch“ – so Englisch.

Ferner behauptete der Vatikanist, daß „kein Mensch mehr“ irgend jemanden an ein Bett schnallen und mit Weihwasser „traktieren“ wolle.

Er wiederholte wenige Minuten später: „Leute auf ein Bett zu schnallen, will niemand, halte ich, halten 99 Prozent, die ich kenne, für totalen Schwachsinn.“

Die Sendung 'Quergefragt' ist auch online abrufbar.
Die Sendung ‘Quergefragt’ ist auch online abrufbar.
Es gäbe „keinen Zweifel“ daran, daß die zuständige Stelle das für „kompletten Blödsinn“ halte.

Die Frage sei lediglich, ob jemand ein Exorzismusgebet sprechen dürfe. Darin sieht Englisch „kein Riesenproblem“.

Was Englisch nicht sagte: Noch der Heilige Pater Pio mußte einen Besessenen auf ein Bett gefesselt exorzieren. Von diesem Exorzismus gibt es eine Filmaufnahme, die Englisch erst kürzlich – bei einem anderen Auftritt in der umstrittenen deutschen Talkshow Johannes B. Kerner am 23. Februar – gesehen hat.

Pater Schmidberger betonte zur Besessenheit, daß es sich meist um psychisch kranke Menschen handle, die einer psychotherapeutischen Behandlung bedürften: „In sehr vielen Fällen ist es seelische Unausgeglichenheit.“

Die Journalistin versuchte, dem Pater spektakuläre Aussagen zu entlocken. Doch der studierte Mathematiker blieb nüchtern.

Pater Schmidberger empfahl zunächst die normale religiöse Praxis: regelmäßiges Gebet und Zuflucht zu den Sakramenten. Wenn das nicht fruchte, könne man mit dem kleinen Exorzismus beginnen.

Der große Exorzismus nehme viel Energie in Anspruch und benötige eine entsprechende Erfahrung – so Pater Schmidberger.

Heiner Geißler betonte zum Exorzismus, daß die deutsche Bischofskonferenz „diesen Unfug“ ablehne.
Der abgefallene Priester Herrmann
Heute gibt es Gottesdienste, wo „Brotschnitten durch die Gegend fliegen“: „Das Sakrale ist weg.“


Geißler erklärte sich „zutiefst“ überzeugt, daß es keine Hölle gibt. Auf Nachfrage von Pater Schmidberger spezifizierte er später in der Sendung, daß er die Existenz der Hölle nicht ausschließen könne. Aber er sei überzeugt, daß sie leer ist.

Der zweite Teil der Sendung beschäftigte sich mit der Alten Messe.

Dazu erklärte Geißler, daß er die Lateinische Messe als etwas Positives empfunden habe. Für ihn war der überlieferte Ritus – auch weil er selber gut Latein gelernt hatte – eine Heimat.

Er sei viel gereist und habe auf der ganzen Welt derselben Messe beiwohnen können.

Pater Schmidberger betonte den Unterschied zwischen der Sprache und dem Ritus. Er erklärte, daß sich die Meßriten in den Gebeten, Gesten und Definitionen unterscheiden.

Die Neue Messe verwässere den katholischen Glauben. Die Messe werde als mitmenschliches Mahl mißverstanden, der Opfergedanke verschwiegen.

Zum Latein erklärte Schmidberger, daß es verbindend und unveränderlich sei. Es habe auch den Vorteil, daß es den Menschen in eine sakrale Atmosphäre hebe.

Gläubige, die kein Latein verstehen, könnten in einem Meßbuch mitlesen. Doch das gesprochen Wort sei nicht das Entscheidende, sondern das Gesamtgeschehen.
Andreas Englisch:
Die Glaubenskongregation traue sich nicht mehr ohne Kardinal Kasper zur Ökumene tagen.


Die Muttergottes habe die Hinopferung ihres Sohnes sehr gut verstanden: „Sie hat unter dem Kreuz kein Meßbuch dabeigehabt.“

Der abgefallene Priester Herrmann erinnerte sich an die Schönheit seiner Primizmesse. Er kann aber nicht nachvollziehen, wie aus der Alten Messe ein alles entscheidende Punkt gemacht wird.

Herrmann gestand während der Sendung auch ein, daß heute „bei dem, was man Meßfeier nennt“, eine Unmenge von Mißbräuchen geschehen würden. Er erinnerte an Gottesdienste, wo „Brotschnitten durch die Gegend fliegen“: „Das Sakrale ist weg.“

Am Ende der Sendung drehte sich die Diskussion um den Ökumenismus.

Dabei erwähnte Englisch eine vatikanische Insiderinformation, um die große Bedeutung der Ökumene zu unterstreichen.

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Levada, sagte angeblich ein wichtiges Treffen ab, weil der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Walter Kardinal Kasper, nicht teilnehmen konnte:

„Die Glaubenskongregation traut sich nicht mehr ohne ihn zu tagen“ – folgerte Englisch.
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