Samstag, 29. März 2008 16:26
Die ökumenischen Bemühungen des Vatikans tragen in Osteuropa ihre ersten Früchte: Jetzt bricht die griechisch- katholische Kirche auseinander.

Lubomyr Kardinal Husar bei einem Besuch in einer urkrainisch-katholischen Kirche in New York
(kreuz.net) Am dritten März schrieb Pater Eliáš A. Dohnal einen Brief an den Papst. Der Geistliche
ist Superior des
Basilianerklosters von der Verkündigung im kleinen westukrainischen Ort Pidhirtsi.
Die ukrainischen Basilianer sind eine griechisch-katholische Ordensgemeinschaft des byzantinischen Ritus.
In seinem Brief teilt Pater Dohnal mit, daß er und drei weitere Patres seiner Gemeinschaft ohne Mandat
der griechisch-katholischen Synode der Ukraine und ohne päpstliche Zustimmung zu Bischöfen geweiht wurden.
Mons. Dohnal (61) ist Tscheche und trat im Jahr 1991 als Priester in den Basilianerorden über. Er promovierte
im Jahr 1999 in der Karls Universität in Prag.
Die weiteren drei neugeweihten Bischöfe sind ebenfalls
Basilianer. Es handelt sich um:
• den Ukrainer Mons. Markian V. Hitiuk (37). Er studierte in Polen
und schloß an der Universität Oppeln mit einem Lizentiat ab.
• den Tschechen Mons. Metoděj R. Špiřík
(39). Er studierte in Warschau und promovierte im Jahr 2002 an der Karls Universität in Prag.
• den
Slowaken Mons. Samuel R. Oberhauser (38). Er promoviert erst kürzlich in Pädagogik an der Universität
Sankt Konstantin Cyril in Nitra und ist gegenwärtig Pfarrer von Pidhirtsi, wo die Gemeinschaft beheimatet
ist.
Letzten Ostersonntag publizierte die griechisch-katholische Kirche der Ukraine eine relativ vage
Stellungnahme, die dieses jüngste Schisma bestätigt.
Das Kirchenrecht für die Ostkirchen kennt allerdings
keine automatische Exkommunikation. Die Bischöfe müßten darum durch einen formalen Prozeß ausgeschlossen
werden.
Es ist unklar, wer die vier konsekriert hat. Möglicherweise war es ein angeblicher Bischof Mychajlo
Osidach, der von sich behauptet, am 6. September 1989 im Untergrund geweiht worden zu sein. Die von ihm
angegebenen Weihebischöfe sind gestorben, bevor sie die Weihe haben bestätigen können.
Die Ereignisse
von Pidhirtsi sind bereits die zweite Erschütterung der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine.
Im vergangenen November wurde der Superior der ukrainischen Priesterbruderschaft Sankt Josaphat, die
der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. nahesteht,
exkommuniziert.
Zwischen den Basilianern von Pidhirtsi
und der Priesterbruderschaft Sankt Josaphat scheinen keine Kontakte zu bestehen.
Die VorgeschichteDer
jüngste Konflikt innerhalb des Basilianerordens war seit langem absehbar.
Bereits im Oktober 1997 erhielt
die Gruppierung innerhalb des Ordens einen besonderen Status als „Versuchsgemeinschaft“ und wurde unter
die direkte Verantwortung des Generaloberen gestellt.
Der damalige Generalobere war der jetzige griechisch-katholische
Kurienbischof Mons. Dionysius Lachovicz. Er hat die Gruppierung stark gefördert.
Doch bereits im Mai
1998 widerrief er nach einer kanonischen Visitation des Klosters den besonderen Status der Gruppierung.
Dennoch erlaubte er ihr die Gründung einer Tochtergemeinschaft in Tschechien. Diese geriet schnell mit
dem dortigen griechisch-katholischen Bischof in Konflikt.
Als im April 2003 in Tschechien ein neuer griechisch-katholischer
Bischof ernannt wurde, organisierten die Basilianer sogar eine Blockade gegen diesen, so daß die Bischofsweihe
in einer naheliegenden römisch-katholischen Pfarrei durchgeführt werden mußte.
Im gleichen Jahr eröffnete
die Gruppe in der Slowakei ein Kloster ohne Erlaubnis des Ortsbischofs.
Im Jahr 2004 wurde der Generalobere
nicht mehr gewählt und die Gegenwart des Ordens in Tschechien beendet.
Der jetzt ausgebrochene Konflikt
scheint seine Wurzeln auch in der Auseinandersetzung zwischen den beiden griechisch-katholischen Ordensgemeinschaften
der Studiten und der Basilianer zu haben.
Die Studiten stehen für eine Annäherung der griechisch-katholischen
Kirche an die Orthodoxen. Der Großerzbischof von Kiew, Lubomyr Kardinal Husar, ist ein Studit.
Dagegen
stehen die Basilianer eher für die alten griechisch-katholischen Bräuche, die oft auch aus der Westkirche
stammen.
Die RechtfertigungIn seinem Brief an den Papst begründet Mons. Eliáš A. Dohnal den Schritt
der Gemeinschaft ausführlich: „Wir haben das in bewußtem Gehorsam Ihnen gegenüber getan aus dem Wunsch
heraus, unsere ukrainische griechisch-katholische Kirche zu retten.“
Die vier Weihen seien von Bischöfen
vorgenommen worden, die selber in der Zeit der Verfolgung konsekriert worden seien: „Wir sind darum die
wahren Nachfolger der Märtyrerkirche“.
Die Details der Konsekrationen wolle man dem Papst in einer persönlichen
Audienz mitteilen.
Als Rechtfertigung heißt es in dem Brief: „Wenn ein Mensch am Sterben ist, ist es
erlaubt, ein Rotlicht zu überfahren.“
Der Brief greift die ehemaligen vatikanischen Staatssekretäre
Agostino Kardinal Casaroli († 1998) und Angelo Kardinal Sodano (80) scharf an.
Die zwei hätten in der
Kirche ein „papstfeindliches und antichristliches System“ aufgebaut, das es dem Heiligen Vater verunmögliche,
das Gottesvolk zu fördern:
„Die hierarchische Struktur, die auf diese Weise aufgebaut wird, tut ziemlich
das Gegenteil von dem, was Sie bestrebt sind, zu tun, und was Christus wünscht“.
In der Folge würden
in fast allen katholisch-theologischen Fakultäten häretische Ansichten vertreten, die von der historisch-kritischen
Methode ausgingen.
Kirchenvertreter hätten sich einem Geist des Abfalls geöffnet: „Viele von ihnen
glauben nicht mehr an das Papsttum und praktisch nicht an den Primat und die Unfehlbarkeit des Heiligen
Vaters.“
Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien hätten sich dem Okkultismus und dem Synkretismus
geöffnet. Der Brief erwähnt unter anderem Homöopathie, Akupunktur, östliche Meditationen, psychologische
Methoden, Yoga und Zen:
„Doch der Gipfel von allem ist, daß es mehr und mehr Bischöfe und Priester
gibt, die homosexuell und pädophil sind. In unserer griechisch-katholischen Kirche gibt es verschiedentlich
homosexuelle Bischöfe“.
Der Brief kritisiert auch die Erklärung von Balamand. Diese wurde im Juni 1993
von der „Gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen
Kirche und der orthodoxen Kirche“ im libanesischen Kloster Balamand angenommen
Sie weist den „Uniatismus“ –
den Versuch, weitere orthodoxe Teilkirchen der Hierarchie der katholischen Kirche unterzuordnen – und
den „Proselytismus“ – die Bekehrung von einzelnen orthodoxen Gläubigen zur Katholischen Kirche – zurück.
Der Brief wirft weiter dem Großerzbischof der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Lubomyr
Kardinal Husar (72), vor, diese Erklärung angenommen zu haben, um die griechisch-katholische Kirche
zerstören
zu können:
„Diese Erklärung erklärt, daß unsere griechisch-katholische Märtyrerkirche ein ekklesiologischer
Fehler war“ – gibt der Brief den Inhalt der Erklärung von Balamand korrekt wieder.
Der Brief stellt
auch die Legitimität von Kardinal Husar in Frage. Dieser vertrete in seinem Buch „Gespräche mit Kardinal
Lubomyr Husar: Über das post-konfessionelle Christentum“ schismatische und apostatische Ansichten.
Heute
würden in der Ukraine nur jene zu Bischöfen gewählt, welche die Schismatiker als Orthodoxe – rechtgläubige –
bezeichneten, dem Rosenkranz, dem Kreuzweg und der Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu gegenüber eine
negative Haltung einnähmen und die den Geist des New Age und der Welt förderten.
Die Gruppierung legt
ihr Schicksal ganz in die Hand des Papstes: „Wenn Sie uns verurteilen würden, blieben wir griechisch-katholische
Bischöfe, aber Sie würden dadurch sich selber und die von uns dargestellte wirklich katholische Linie
in der katholischen Kirche verurteilen.“
Wenn es eine Notwendigkeit gäbe, zu bestrafen, dann solle der
Papst jene bestrafen, welche die Kirche von innen zerstörten.
Als Lösung der gegenwärtigen Situation
schlägt der Brief vor, die Neo-Bischöfe als Weihbischöfe oder Diözesanbischöfe von gegenwärtig vakanten
Bistümern zu ernennen und die Basilianergemeinschaft von Pidhirtsi zu einer Gemeinschaft päpstlichen
Rechtes mit einem der Neo-Bischof als Superior zu erheben.