Donnerstag, 17. Februar 2005 12:43
Der Homo-Partner des Pfarrers soll in Zukunft von der Kirche eine Pension erhalten. Frauen sollen möglicherweise Bischöfinnen werden. Während die gegenwärtig in London tagende anglikanische Generalsynode eine zweite Reformation einleitet, fordern Laien ein Ketzergericht.

Heinrich VIII. († 1547). Oberhaupt einer von Rom getrennten „Kirche von England“
(kreuz.net, London) Seit dem 14. Februar tagt in London die Generalsynode der anglikanischen Gemeinschaft.
Nach lebhaften Debatten über die Homosexualität, weibliche Bischöfe und Irrlehren kam es jetzt zu ersten
Beschlüssen.
Die Generalsynode der anglikanischen Kirche setzt sich aus drei Gremien zusammen: dem „House
of Laity“, dem „House of Bishops“ und dem „House of Clergy“. Die Generalsynode ist das oberste Leitungsgremium
der Anglikaner in England.
In der Nacht auf den Mittwoch beschloß die Generalsynode, Homo-Partnern von
anglikanischen Priestern die gleichen Pensionsrechte zuzugestehen wie einer traditionellen Pfarrersfrau.
Von der neuen Regelung können Homo-Partner von anglikanischen Priestern profitieren, die ihr Konkubinat
staatlich eingeschrieben haben.
Theoretisch erlaubt es die anglikanische Gemeinschaft praktizierenden
Homosexuellen nicht, ein Pfarramt zu übernehmen. Deshalb bekannten sich bisher nur wenige anglikanische
Priester offiziell zur Sünde Sodoms. Es ist zu erwarten, daß die beschlossene Pensionsberechtigung die
homosexuellen Bekennerfreuden drastisch erhöhen wird.
Die britische Tageszeitung „Telegraph“ prophezeite,
daß anglikanische Bischöfe zukünftig in peinliche Situationen geraten dürften, da es ihnen – in der
Theorie – nach wie vor verboten ist, einen praktizierenden Homosexuellen zu weihen.
Die Generalsynode
beschloß zudem, das Thema der Bischöfinnenweihe neu zu diskutieren. Die Entscheidung um weibliche anglikanische
Bischöfe soll bei der Sitzung der englischen Generalsynode im nächsten Juli auf die Tagesordnung kommen.
Bereits vor elf Jahren ordinierte die anglikanische Kirche Englands die ersten Priesterinnen. Diese Entscheidung
bedeutete den entscheidenden Durchbruch für die Reformer innerhalb der englischen Staatskirche. Ob sich
im Juli eine Mehrheit für die Bischöfinnenweihe der Frauen findet, ist noch fraglich. Die Generalsynode
hat dazu keinerlei Empfehlungen abgegeben.
„Es gibt eine ernste Gefahr, daß sich die Kirche über diese
Frage spalten wird“, meinte Pastor David Houlding, der dem traditionellen Flügel der anglikanischen Gemeinschaft
angehört.
Während sich die Generalsynode nach neuen Ufern ausstreckt, fordern vereinzelte Mitglieder
des „House of Laity“ die Einführung sogenannter Ketzergerichte, um die traditionelle anglikanische Lehre
zu verteidigen. Es gebe Befürchtungen, daß die anglikanische Glaubenslehre angesichts des mehrheitlich
sehr säkularisierten Klerus unterminiert werde.
Margaret Brown, ein Mitglied des Laienrates der anglikanischen
Diözese Chichester im Süden Englands, meinte vor der Presse: „Es ist schlimm, wenn wir einen Pfarrer
auf der Kanzel haben, der Irrlehren predigt und Glaubenssätze wie zum Beispiel die Jungfrauengeburt und
die leibliche Auferstehung Christi leugnet.“
Ein Nachrichtendienst zitiert in diesem Zusammenhang eine
Umfrage aus dem Jahr 2002, wonach noch 76 % des anglikanischen Klerus glauben, daß Christus die Sünden
der Welt hinwegnimmt. 68% vertreten noch die Auffassung, daß Jesus leiblich von den Toten erstanden ist
und 53 % können sich noch dazu durchringen, das Seelenheil einzig im Glauben an Jesus zu finden. Unter
den anglikanischen Priesterinnen waren die Zahlen rund 10 % niedriger.
Die anglikanischen Gemeinschaften
in den jeweiligen Ländern sind unabhängig, sodaß die Entscheidung eines Landes nicht für andere Staatskirchen
gilt. Da die anglikanische Kirche Englands allerdings als „Mutterkirche des Anglikanismus“ betrachtet
wird, werden deren Entscheidungen weltweit genau mitverfolgt und gelten als richtungsweisend.
Aus katholischen
Kreisen verlautete in der Zwischenzeit, daß mit der Beschließung einer Homo-Pension nicht nur die Moral,
sondern auch die Ökumene mit der katholischen Kirche endgültig zu Grabe getragen worden sei.