Montag, 31. März 2008 09:39
Da lief ihm ein warmer Papstschauer über den Rücken
Weihbischof Laun an Rainhard Fendrich: „Beichten geht nicht. Du lebst in Sünde mit einer Frau und kannst darum nicht zur Kommunion gehen. Das Beichten hat auch keinen Sinn, denn du willst das ja nicht ändern.“
Das neue Magazin der Wiener Pfarrei St. Rochus sprach mit Reinhard Fendrich.
Das neue Magazin der Wiener Pfarrei St. Rochus sprach mit Reinhard Fendrich.
(kreuz.net) Der österreichische Popsänger und Schauspieler Rainhard Fendrich (53) hat dem neuen Wiener Magazin ‘Rochus’ ein Interview gegeben.

Die Zeitschrift wird von der bekannten Wiener Pfarrei Sankt Rochus und dem an die Pfarrei angeschlossenen Oratorium des Philip Neri herausgegeben.

Fendrich ist in der Pfarrei St. Rochus aufgewachsen.

Sein Interview steht unter dem Titel „Ich war nie wirklich unten“.

Im Jahr 1989 verfiel der Sänger einer Kokainsucht und war danach jahrelang drogenabhängig. Im Jahr 2006 wurde er wegen Kokainbesitz zu einer Geldstrafe von 37.500 Euro verurteilt.

Nach eigenen Angaben wurde das Drogenproblem durch den Tod seiner kleinen Tochter ausgelöst.

Fendrich gab bereitwillig Auskunft über sein Drogenproblem, seinen Glauben und den Papstbesuch
Fendrich gab bereitwillig Auskunft über sein Drogenproblem, seinen Glauben und den Papstbesuch
Zum Beginn des Interviews gibt sich Fendrich fromm: „Wenn man Gottvertrauen hat und Vertrauen in sich selbst, dann schafft man es immer wieder.“

Es sei für ihn „nicht schwer“ gewesen, sich aus den Drogen zu befreien: „Ich war nie wirklich unten, das hat nur so ausg’schaut.“

Dennoch ist er sich nicht sicher, daß das Thema Kokain für ihn erledigt ist: „Wer will das wissen? Erstens geht das niemanden etwas an. Es wundert mich, daß gerade eine Kirchenzeitung das wissen will.“

Er lebe zwar mit einer Frau in Sünde: „Ich habe eine Verlobte, mit der ich nicht verheiratet bin.“ Aber Drogen nehmen sei keine Sünde: „Es ist ja hochinteressant, daß ich immer von der Kirche mit diesen Dingen konfrontiert werde.“

Sein Interviewpartner weist den Sänger darauf hin, daß er selber zugegeben habe, sich mit Kokain fast zugrundegerichtet zu haben.

Fendrichs Antwort: „Da gibt’s ganz andere Sünden – die Hoffärtigkeit oder Unkeuschheit oder Neid.“

Er wundert sich, daß immer gerade das zum Thema gemacht werde, „was das Bewußtsein erweitert“ und stellt die Frage, ob man im Drogenrausch „vielleicht näher bei Gott“ sei.

Dann bekennt Fendrich trotzig: „Ich war nie wirklich unten. Ich bin ein prominenter Mann, und man stürzt sich auf meine Dinge.“

Die Einnahme von Drogen sei für einen Künstler nicht „artfremd“ – geht es in diesem Stil weiter: „Das gibt’s in der gesamten Geschichte der Musik.“

Im übrigen möchte Fendrich ein Hochamt schreiben: „Wenn i mir noch lang Zeit laß’, wird’s ein Requiem.“

Er habe beschlossen Ende 2008 ein bis zwei Jahre zu pausieren. Dann werde er vielleicht ins Zisterzienserkloster Heiligenkreuz bei Wien ziehen: „Ich bin sehr befreundet mit dem Weihbischof Laun, der hat mich dort eingeführt.“

Die Meßtexte sind für Fendrich – „bei allem Respekt“ – „ein Wahnsinn“. Er gehe nicht sehr oft in Messen, aber in der letzten Zeit öfters, „weil es mich erbaut.“

Es reize ihn auch Kirchenlieder zu schreiben: „Aber nicht so wie in den 70er Jahren, wo sich einer vorn hingestellt hat mit einer E-Gitarre und etwas heruntergeschrubbt hat.“

Dann bekennt der Sänger, „eigentlich wieder zu seinem Glauben zurückgekehrt“ zu sein: „Ich habe alles ausprobiert. Ich war auch ein Ketzer und nach dem Tod meiner Tochter habe ich gesagt: Es ist kein Gott.“

Dann probierte er alle möglichen Religionen aus: „Ich habe auch den Koran gelesen: Das ist überhaupt eine absolut aggressive Religionsform, die mir wirklich Angst macht.“

Schließlich habe er ein religionsphilosophisches Buch gelesen: „Da wurde mir erklärt, daß das Beten des Rosenkranzes vergleichbar ist mit den Gebetsmühlen in Tibet. Weil es eine Verinnerlichung ist.“

Er habe an die Mai- und Adventsandachten im Internat gedacht: „Da war so ein bisserl Weihrauch, und da ist man in so eine – Trance ist vielleicht übertrieben – gekommen.“

„Es war plötzlich aus und es war eine Stunde vergangen ohne, daß man es bemerkt hatte.“

Bei der Lektüre des erwähnten Buches sei er draufgekommen, daß er nicht einmal mehr das ‘Gegrüßet seist Du, Maria’ gekonnt habe: „Ich habe das wieder erforscht und jetzt bete ich oft Rosenkranz.“

Er bete es für alle, auch für seine Feinde: „Das tut mir gut“. Das Vergeben vermittle ein Gefühl der Überlegenheit: „Ich kann dir vergeben, du mir nicht – du kleines Würstchen.“

Er sei vielleicht auch wieder zurückgekehrt, um diese Kirche ein bißchen zu reformieren: „Die Geburtenkontrolle in der Dritten Welt in Zusammenhang mit der Krankheit Aids, das ist etwas, was man überdenken sollte“.

Da sei er auch mit dem Weihbischof Laun nicht einig: „Der ist ein absoluter Hardliner.“ Doch der Weihbischof könne diese Meinungsverschiedenheit akzeptieren.

Fendrich berichtet auch von seinem Versuch zu beichten: „Wir haben mit dem Bichof Laun eine Weihnachtsmesse gehabt, was ganz rührend war, in der Krypta von Heiligenkreuz: Ich habe ministriert.“

Vorher habe er beichten wollen. Doch der Weihbischof habe abgelehnt: „Nein, das geht nicht. Du lebst in Sünde mit einer Frau und kannst dann nicht zur Kommunion gehen und das Beichten hat auch keinen Sinn, denn du willst das ja nicht ändern.“

Damit müsse er jetzt leben: „Das akzeptiere ich auch“:

„Das ist mir dann auch zu wichtig. Das zieh’ ich mir an: Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen.“

Während des Besuches von Benedikt XVI. in Österreich hat Fendrich den Papst in Heiligenkreuz gesehen: „Da steigt ein absolut charismatischer Mensch aus! Der ist winzig, der is ganz klaan.“

Neben ihm war auch eine Papst-Gegnerin: „Die ist nachher wirklich dort gestanden mit einem verklärten Gesicht.“

Es habe geschüttet wie aus Schaffeln: „Und er ist ausgestiegen und mir ist ein warmer Schauer über den Rücken gelaufen.“

Auf die Frage, ob er den Papst auch persönlich getroffen habe, meint Fendrich: „Einen Papst kann man nicht treffen. Es wäre mir auch peinlich gewesen, was soll man denn reden?“

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